CD-REVIEWS:

Without A View Of Things    IN MITRA MEDUSA INRI
"Without A View Of Things"
CD (Apollyon / Alive)

Einfach machen es einem IN MITRA MEDUSA INRI nun wirklich nicht. Um düster zu sein, sind sie vielleicht zu verspielt. Melancholisch, ja. Um eingängigen Wave zu machen, sind sie gerade stimmlich viel zu gebrochen. Für Pop sind ihre Songstrukturen zu intelligent, zu vielfältig. Für Experimente sind sie dann doch wieder zu glatt und schön. Wie will man sie also einordnen? Gar nicht.

Das mag vielleicht auch ihr Problem sein. Denn auch die sog. "Szene" möchte Bands die sie in Schubladen packen und somit vermarkten kann, dann gibt's auch ein Stück vom Erfolgskuchen ab. IMMI entziehen sich diesem Business konsequent, bieten optisch kein Klischee das man verkaufen kann. Gerade live wirken sie immer sehr introvertiert und verinnerlicht, als würden sie wirklich nur für sich spielen und sich einen Dreck um das Publikum scheren, ein Eindruck der sich auch beim Hören ihrer Musik einstellt… NUR das es in diesem Fall durchaus positiv zu werten ist. Denn IMMI bleiben damit zumindest eins: Ehrlich. Und das ist auch die einzige Charakterisierung die man ihrem Werk zukommen lassen kann. Ehrlich ziehen sie ihr Ding seit Jahren durch und sind damit, in meinen Augen, sogar erfolgreich.

Kaum eine andere Band entzieht sich jedem Klischee so eindeutig wie die beiden Jungs aus dem Ruhrpott. Natürlich kann man auch "Without A View Of Things" grob wieder in Wave einordnen. Elektronische, einfache Melodien, ein paar tanzbare Rhythmen, und die typisch flirrenden Gitarrenakkorde der frühen Achtziger. Was bei dem neuen Werk aber auffällt ist eine Hinwendung zu Kontrapunkten. Hinter einer schwebenden Melodie, mit all ihren vertrauten Elementen, taucht z.B. ein rockiger Gitarrenriff auf, der konträr zum dominierenden, flirrenden Akkord steht. Die einfachen, reduzierten Rhythmen des Synthezisern, werden oft genug von der Drumlinie gebrochen, in ein anderes Tempo gezwungen und nicht zuletzt erweist sich der Gesang immer wieder ein Stück zu sperrig, um wirklich eingängig zu sein und schafft damit aber durchaus Großes. Nämlich intelligente, ehrliche und vor allem gefühlvolle Musik.

IN MITRA MEDUSA INRI sind melancholisch ohne sich in Kitsch und Gefühlsduseleien zu verlieren, setzen akzentuiert Brüche und störende Momente in ein großes Gefüge aus weichen Melodien ein, erscheinen damit so rau und ungeschliffen wie ein Rohdiamant. Eine großartige Idee übrigens den letzten Track instrumental abzuspielen, obwohl er eigentlich einen Text hat, diesen aber nur im Booklet abzudrucken. Hier ist die Mitarbeit des Hörers gefragt. Bloßes Konsumieren ist mit "Without A View Of Things" nicht möglich. Und somit werden IMMI keinen großen Erfolg haben! Was natürlich schade ist.

Denn verdient hätten sie es und ihre neue CD ist eine geniale Scheibe. Ein wenig wirken sie wie die letzen großen Romantiker, die selbstvergessen einfach nur ihr Ding durchziehen. Und wer sich so konsequent den Dogmen widersetzt, so schwer einzuordnen ist, der bleibt eben nur sich selbst treu und ehrlich. Für alle die, die dem etwas abgewinnen können, die auf echte Gefühle, intelligente Musik und Melancholie ohne jedes Klischee stehen, heißt es zugreifen!


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Tracklist:

01 - Wihtout A View Of Things
02 - Her Perfect Beauty
03 - Red Bursted Veins
04 - Her Eyes Are Crystal Clear
05 - Rejected And Forgotten
06 - Timeless Space Of Sadness
07 - What I Think
08 - Trapped In Unhappyness
09 - Enjoy The Moment
10 - Calling It A Thing Is Wrong
11 - When I'm At Home
12 - Wollte meine Liebe auf Händen tragen


www.inmitramedusainri.com