CD-REVIEWS:

Lichtgestalt    LACRIMOSA "Lichtgestalt"
CD (Hall Of Sermon)

LacrimosaIn der Metal-Szene ist die Diskussion ja sehr beliebt. "True or Untrue, thats here the question". Nun inwieweit LACRIMOSA in ihrem Bereich "true" sind oder nicht, dass alleine wird von den Fans nicht erst diskutiert, seitdem Tilo sich die Haare an den Seiten nicht mehr rasiert und Anzüge trägt.

Fakt ist, dass er mit SNAKESKIN im letzten Jahr etliche Hardliner geschockt, ja regelrecht abgeschreckt hat. Dort wurde die Stimme, laut ihm selbst, mehr als Instrument eingesetzt, sollte also nicht unbedingt verständlich sein, oder gar gut klingen. Das Tilo nie der großartige Sangeskünstler war, dürfte objektiv betrachtet auch nichts Neues oder gar Verwerfliches mehr sein. Warum er die Erfahrung mit SNAKESKIN gerade jetzt als Erklärung für einige (sagen wir mal vorsichtig) schräge Gesangspassagen auf "Lichtgestalt" benutzt, bleibt dem kritischen Kritiker ein Rätsel.

Jetzt bewusst schlecht singen und das damit erklären dass es ehrlicher sei und den Text besser rüber bringt, vor allem aber, weil die Stimme als reines Instrument so gut funktioniert? Offensichtlich haben LACRIMOSA aber auch mit ihren letzten Alben etliche Fans verschreckt. Denn die kleinen, hinterfotzigen Spielereien und Experimente, al a Trompete, Jazzelementen, Sambarhythmen o.ä. sucht man auf "Lichtgestalt" vergeblich. All das was LACRIMOSA in meinen Ohren in den letzten Jahren noch hörenswert, da offensichtlich entwicklungsbereit, gemacht hat, gibt aus auf dem aktuellen Werk nicht. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, Tilo wollte auf Nummer Sicher gehen und ein Album machen, dass den Fans auf jeden Fall gefällt. Bösartig könnte man schon von einem "Best Of" sprechen.

Alles was sich zwischen "Inferno" und "Elodia" abgespielt hat, findet man, musikalisch zumindest, auch auf "Lichtgestalt". Elegische, melancholische, bombastische Gothic-Rock-Hymnen, mit der LACRIMOSA-typischen Emotionalität und Ehrlichkeit. Zwischen Klassik und Hardrock pendelnd, gewohnt mit Streichern, Klavier, E-Gitarren und Double-Bass-Drumset arbeitend. Im Arrangement durchaus perfekt. Keine Gamben, keine 14minütigen, instrumentalen Klassikintros, keine Trompeten, keine elektronischen Spielereien. Es ist kein schlechtes Album, das auf keinen Fall.

"Lichtgestalt" ist eine gefällige, schöne Platte, gefühlvoll, die in der richtigen Stimmung und bei den Fans auf jeden Fall ihren Charme durchaus entfaltet. Was mich stört ist das Gefühl dass alles von LACRIMOSA schon mal gehört zu haben. Nichts Neues eben!
Aber "true"? LACRIMOSA pur?
Ja vielleicht…

Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Tracklist:

1. Sapphire
2. Kelch der Liebe
3. Lichtgestalt
4. Nachtschatten
5. my last goodbye
6. the party is over
7. letzte Ausfahrt: Leben
8. Hohelied der Liebe

Interview mit Tilo Wolff

www.lacrimosa.de