CD-REVIEWS:

Phoenix    PINK TURNS BLUE "Phoenix"
CD (Orden / Alive)

Ich werde mich jetzt nicht, all den anderen Schreiberlingen folgend, zu den selben Plattitüden hinreißen lassen, wie programmatisch der Titel der CD doch sei. Genauso könne man PTB bösartig vorwerfen er wäre plakativ, denn eine Weile in der Versenkung zu verschwinden, dann Jahre später eine Scheibe mit diesem Titel vorzulegen, da hat man doch mindestens die Hälfte aller Rezensionisten schon im Sack, und die Hälfte aller Rezensionen gleich mitgeschrieben. Was kann man da schon falsch machen? Nun ja, man hätte eine stink langweilige, bedeutungslose CD eindudeln können und wäre dem Satz " wie der sprichwörtliche... aus der... blablabla" doch nicht entkommen.

Was ich aber auch nicht abstreiten kann, oder gar will, PTB sind eine Legende, die einst einen Sound, eine Musik mitgeprägt hatten, die den Namen Gothic trug, und mit dem Mist der heutzutage oft genug unter der selben Fahne unter das Volk gejubelt wird, zum Glück kaum was gemeinsam hatte und auch jetzt nicht hat. Hier wabert der Bass noch ganz dominant, das Schlagzeug gibt sich betont monoton, ja gelangweilt, die Gitarrenriffs sind knapp und akzentuiert gehalten, verlieren sich manchmal in psychedelischen Spielereien, die Keyboards genauso reduziert und dennoch flächenhaft. Das Ganze kann gelegentlich etwas schneller, etwas treibender werden, bleibt aber meist einem eindeutig melancholischen, schwermütigen und strikt unglücklich zu nennenden Blues treu, der den Rhythmus eines Herzens vorgibt, der nicht aufgeregt, sondern kurz vorm einschlafen, wenn nicht gar vor dem dahinscheiden ist.

Wo alles etwas langsamer wird. Vieles an Bedeutung verliert und die Wehmut gepaart mit der Erinnerung einen Tanz tanzt, der so langsam ist, wie ihn die wenigstens der heutigen sog. "Gothics" noch irgendwo auf staubigen Dielenboden hinkriegen. Zu schnell, zu oberflächlich, zu sehr auf Hyperlative bedacht ist sie die moderne Zeit.

Von daher ist es nicht nur angenehm diese CD zu hören, sie klingt trotz aller Verbeugungen vor der eigenen Vergangenheit PTBs und dem Sound der 80er erstaunlich, ja überraschend frisch und wird vor allem dann herrlich rau und ungeschliffen, wenn Sänger Mic Jogwer etwas aggressiver wird und seine Stimme fast bricht.

Insgesamt also, ist es mir scheiß egal, zu welch pseudoliterarischen Geschwafel sich einige meiner Kollegen angesichts des, wie ich ja zugegeben muss, verlockenden Albumtitels hingeben. Ob der "Phoenix" nun ein Vogel ist, der sich... ob nun bewusst oder zufällig gewählt... leckt mich doch am Ärmel!

"Phoenix" ist einfach nur eine verdammt geile Gothic CD, wie ich sie schon lange, viel zu lange nicht mehr gehört habe, und ihren Platz im Olymp dieses Genres, haben PTB neben Joy Devision, Clan Of Xymox oder Bauhaus nicht erst jetzt gesichert. Es war aber verdammt an der Zeit wieder zu kehren, damit Meinereiner zwischen all dem blassen Gehopse, überkandidelten Pseudo-Klassikgehabe und den ganz bösen Jungs, mal wieder eine richtig bodenständige CD zu hören bekommt.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Tracklist:

01 - The Lost Son (Phoenix)
02 - Now's The Time
03 - Wanderers
04 - Dynamite
05 - Good Times
06 - True Love
07 - Underground
08 - Animal Life
09 - The Crusade
10 - Can Love Survive
11 - Feel My Soul

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