CD-REVIEWS:
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QNTAL
"Ozymandias - Qntal IV" CD (Drakkar / Sony) |
Als "Katholikentechno" hat sie mal ein Freund von
mir bezeichnet. Nun, in Zeiten scheinbarer, neu erwachter Religiosität mag
dass ja vielleicht gar nicht mal so schlecht sein, und in einem Punkt stimmt es
sogar. Irgendwie klingen sie immer wieder ein wenig sehr sakral, egal was sie
singen. Auf die Texte achtet doch hier wahrscheinlich sowieso kaum jemand,
allein die Tatsache das sie oft genug lateinisch singen und die Stimme von
Syrah an sich, verleiht ihnen immer wieder diesen stark klassischen Touch.
Außerdem müssen sich Qntal seit Jahren mit dem
Vergleich ihres Gründungsmitglieds Ernst Horn und seiner Nachfolgeprojekte
rumschlagen. Auf "Ozymandias" verzichten sie zumindest auf den
musiktheoretischen Unterricht, verwenden nur wenige, mittelalterliche, barocke
oder sonst wie geartete alte Klänge und Strukturen. Im Gegenteil, die
elektronische Musik ist erstaunlich einfach, eingängig geworden, wird mehr
als einmal richtig tanzbar, im aufs Wesentliche reduzierten Sinne (Cupido,
Flamma), und erinnert bei "Amore Volant" vom Rhythmus und der Instrumentierung
her sogar an alte NEW ORDER Sachen.
Könnte man sich mal die Lieder
ohne klassisch ausgebildeten Gesang und lateinischen Text vorstellen,
hätte man hier eine lupenreine, eingängige, elektronische Scheibe,
die durchaus Anleihen an Synthiepop, oder gar weichem Electro bietet.
Wunderbare, klar strukturierte Sounds, Flächen und Sequenzen. Aber Qntal
sind nun mal Qntal, und dazu gehört dieser "Kirchengesang" von Syrah und
genau das mindert den Gesamteindruck in meinen Ohren dann doch. Qntal klingen
irgendwie immer ein wenig zu perfekt, zu glatt, zu großartig, zu
katholisch eben. Denn sind wir ehrlich. Die bildgewaltigen und musikalischen
Inszenierungen der Papstkirche bieten durchaus was fürs Auge und fürs
Ohr, genau dass was auch Qntal bieten. Aber Perfektionismus nutzt sich in
meinem Ohr zu schnell ab, ist zu glatt, bleibt nicht hängen, weil er eben
keine Ecken und Kanten hat und somit einfach "durchrutscht". Mit einer
Ausnahme. Das über 8minütige "Remember Me".
Qntal
mögen mir verzeihen, aber die Mischung aus (elektronischem?) Spinett,
elegischen Posaunen und in diesem Fall irgendwie schief klingenden Gesang,
erinnert mich an Henry Purcell Interpretationen von KLAUS NOMI. Und genau darum
finde ich diesen Song großartig. Hier paart sich Können und Talent
mit Mut zu einer gewissen Hässlichkeit, und vor allem Enthusiasmus, wie
sie eben der verstorbene, nie ausgebildete Countertenor NOMI immer zelebrierte.
(Auch wenn die klassisch ausgebildete Syrah den Vergleich mit einem Mann und
dann noch KLAUS NOMI wohl kaum als schmeichelhaft empfinden wird.) Während
der Rest der CD also durch meine Ohren immer so durchrutscht, sich als durchaus
GUTE Hintergrundmusik (nicht dass man mich falsch versteht) nicht weiter
störend bemerkbar macht, muss ich beim letzten Stück immer meine
Tätigkeiten unterbrechen und ein Stück lauter machen.
Davon
mehr und ich würde meinem Freund sagen, dass Qntal kein
"Katholikentechno" sind.
Thomas
Sabottka für GOTHICWORLD
Tracklist:
01 - All For
One 02 - Ozymandias 1 03 - Vogelfluc 04 - Blac 05 - Dulcis Amor
06 - Cupido 07 - Flow 08 - Flamma 09 - Amor Volant 10 -
Ozymandias 2 11 - Indiscrete 12 - Noit E Dia 13 - Remember Me
www.qntal.de
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