CD-REVIEWS:
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TUNES OF
DAWN "How Is This Going To The End" CD (Plainsong Records /
SoulFood)
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Mit dem Thema TOD, vor allem dem
selbstverschuldeten oder verschafften, haben Tunes OF Dawn aus Berlin
eigentlich schon immer gespielt. Bei genauerem Hinsehen und Hinhören
entpuppte sich dieses Spiel mit dem Ableben aber immer wieder als Ironie.
Selbst wenn sie in einer ihrer ersten, damals noch selbstveröffentlichten,
CDs, eine genaue Illustration zum perfekten Pulsadernaufschneiden abdruckten
und sich ein ähnliches Motiv auch auf ihren neuen Tonträger wieder
findet. Oft genug bedeutete das gewünschte Ableben der Protagonisten meist
nicht nur die Unfähigkeit zu Leben, sondern vor allem auch die
Unfähigkeit sich umzubringen. Und genau damit wird es zu Ironie, zum
Sarkasmus, zum Zynismus.
Das T.O.D. trotz allem Romantiker sind, die
sich zwar immer wieder in der Situation des Ablebenwollens befinden, aber nicht
nur aus der Unfähigkeit heraus sich umzubringen, sondern eben weil doch
noch ein Stück Hoffnung bleibt, die jeden Suizidversuch ad absurdum
führt weiterlebten, beweisen sie nicht nur textlich, sondern vor allem
auch musikalischen. Einst aus dem Deathmetal hervorgegangen, haben sich die
Berliner in den letzten Jahren immer mehr melancholischeren Klängen
zugewandt, haben ihre Gitarrenwände durch Keyboard, Orgel, Klavier
ergänzt, haben das Schlagzeug um etliche Geschwindigkeiten runtergedreht,
ohne die Wurzeln aber je zu verleugnen.
Manchmal sind sie sogar sehr
Rock'nRoll lastig und man spürt ihre Verbeugung vor den legendären
RAMONES. Oft sehr elegisch, sehr traurig, voller Emotion und purer
Leidenschaft, kann man sie stimmlich und stimmungshaft mit HIM vergleichen. In
dem Gespür für einprägsame Hooklines mit den 69EYES, im Wechsel
aus (immer noch vorhandenen) Metalriffs, Keyboards, treibenden Rhythmen,
melancholischen Flächen, diversen Tempobrüchen gar mit TYPE O
NEGATIV. Können an gewissen Stellen aber sogar an JOY DEVISION
erinnern.
Was sie in meinen Ohren aber als extrem eigenständig und
damit auch sehr ausdrucksstark macht ist die Stimme des Sängers. Schon
lange habe ich niemanden gehört der in so unterschiedlichen Facetten sich
jeder Stimmung der Musik perfekt anpasst, oder diese sogar dominiert und ihr
die emotionale Richtung vorgibt. Hier wird hoch und tief gesungen, gegrowlt und
geflüstert, verführt und aufgegeben, geschmollt und gekämpft,
zwischen kleinem Jungen, abgeklärten, älterem Mann, verbitterten
Zyniker und sardonischem Harlekin läuft hier die gesamte Bandbreite an
Emotion ab, die sich hinter dem viel zu schwachen Oberbegriff "Melancholie"
verbirgt.
Leben, Lieben, Leiden und Lachen sind alles eins, das eine
kann ohne das andere nicht leben, und die Frage "wie das alles mal enden soll"
ist nicht nur die Frage der ewig Leidenden, sondern auch die Frage der
besorgten Eltern. "Was soll aus den Jungs bloß mal werden?" Nun, nach
mehreren Eigenproduktionen zumindest schon mal ein Plattenlabel und damit eine
größere Chance auf Bekanntheit.
Ansonsten leidenschaftliche
Musiker die beweisen dass jahrelange Arbeit sich durchaus auszahlt und die der
dunklen Seite zwar ihre Reize abgewinnen, sich ihr aber nicht willenlos
unterordnen und trotz allem eine wunderschöne Liebeserklärung nach
der Anderen abliefern. An die Frauen, an eine Stadt, an das Leben, an den Tod,
an die Jugend, an das Bier
Und das ist doch schon mal was. Achja, und
falls das nicht so deutlich rüber kam, vor allem haben sie eine richtig
geile CD gemacht!
Thomas
Sabottka für GOTHICWORLD
Tracklist:
01 - If I Die
Today 02 - She's Hard To Handle 03 - Divine 04 - Ma Fault 05 -
I.H.T.S.O.O.Y. 06 - Too Old To Die Young 07 - Back To London 08 -
Endlessly 09 - Bring Her Dawn 10 - 14 Minutes Underwater 11 - Nasty
Scary Ordinary 12 - Sorry For What I Am 13 - Flood
- www.tunesofdawn.com |