CD-REVIEWS:

Elektrizitätswerk    Y-LUK-O "Elektrizitätswerk"
CD (Final Dusk / Rough Trade)

Mit "Elektrizitätswerk" verbindet die, inzwischen auf ein Trio angewachsene, deutsch-amerikanische-Zusammenarbeit Y-LUK-O geschickt die Elemente ihrer ersten beiden Alben. Von dem letzten Werk "Kerion Celsi" übernahmen sie die Atmosphäre, die experimentellen Samples und Strukturen, die Ruhe, von dem Debüt "Dead Without You" die Tanzbarkeit, den Rhythmus. Deutlich verstärkt aber wurde auf dem aktuellen Album die Hinwendung zum Song im klassischen Sinne. Mehr Gesang, mehr Hooklines, weitestgehender Verzicht auf brutalen Krach und reine Tanzbarkeit, zeichnet sich "Elektrizitätswerk" vor allem durch eine klare, messerscharfe Produktion aus. Jeder Ton, jedes Sample, jeder Beat, jede verzerrte Gesangslinie sitzt genau auf dem Punkt. Minimal strukturiert, vielschichtig und offen. Nichts scheint überflüssig oder sinnlos. Kein Brei.

Genretypisch knallen einem harte Beats um die Ohren, die von atmosphärischen Samples, Flächen und Geräuschen begleitet werden, dann wieder mit klassischen Strukturen, Gitarre ja sogar Violine erweitert werden, aber auch mit hymnenhaften, mehrstimmigen Chorus aufwarten. Hier treffen arabische Gesänge auf elektronische Rhythmen, genauso wie aus Samples und Geräuschen eine fast schon jazzige Struktur geschaffen wird in der immer wider eine akzentuiert eingesetzte E-Gitarre auftaucht und fast schon schwülstiger Gesang sich in den experimentellen Strukturen breit macht. Oder man legt einen hinterfotzigen Funksong hin, in dem Bluesgitarre auf verzerrte Samples, durchgeknallte Vocals und glasklare Bläserlinien treffen.

In ihrem Rhythmus und den Vocals erinnern Y-LUK-O inzwischen ein wenig an PROJECT PITCHFORK, in ihrer Liebe zum Song und der Verwendung von Slide-Country-Rock'nRoll-E-Gitarre sogar an NEONJUDGEMENT. Experiment und Intellektualität verbinden sich hier mit Clubtauglichkeit, Humor, Aggressivität und der Eingängigkeit von guten Popsongs. "Elektrizitätswerk" bietet auf der einen Seite genügend, versteckte Elemente, die ein mehrmaliges Hören und damit Entdecken durchaus lohnenswert machen, auf der anderen Seite aber genauso viele Ohrwürmer und Tanzflächenkracher, dass sie sich insgesamt sehr wohltuend von den reinen Testosteron geschwängerten Stampfattacken anderer Kollegen genauso unterscheiden wie vom weichgespülten Futurepop, oder belanglosen Hitparadenindustrial, der als solcher gar nicht benannt werden dürfte.

Wenn man die Vielschichtigkeit des Albums an einem Song fest machen wollte, so wäre es eindeutig "Dandelion's Dream" der alle Elemente aufs vortrefflichste in sich vereint. Genauso sollte elektronische Musik am Anfang des 21ten Jahrhunderts klingen. Mut zum Experiment und zur Eingängigkeit gleichermaßen.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Tracklist:

01 - Mr. Varese
02 - Electricity
03 - Ein Lied von der Freiheit
04 - Bombing: Sierra
05 - Fallen Down
06 - Dandelion's Dream
07 - A View Into The Corner
08 - The Singing Bard
09 - Litle Boy
10 - Respirator
11 - Plastic


www.yluko.de