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14. WGT 2005 - der Bericht
Freitag, 13.05.2005

EröffnungsritualLeipzig erstrahlte im Glanze des Frühsommers und verlangte nicht nur von den Organisatoren viel Geschick im Timing ab. Die Stadt lebt nicht nur von den Millionen die jedes Jahr zu Pfingsten in Hotel-, Restaurant- und Taxifahrerkassen fließen, sie will inzwischen das ganze Jahr über Underground! Die Innenstadt war eine einzige Baustelle, eine noch zu erstellende Unterführung zwischen zwei Bahnhöfen sorgte für organisiertes Verkehrschaos. Da half auch die eigens für's WGT eingesetzte Sonderlinie der Straßenbahn recht wenig. Das hielt kaum jemanden ab, bereits am Mittag schnell sein Zelt in die drei Zentimeter Muttererde über die Betonplatten zu rammen und den schwarzen "Walk of Fame" zu beschreiten. An den Rettungsstationen, auch Biertheke genannt, gab's als Novum Becher aus hochwertigem Kunst-Stoff mit geprägten WGT-Logos in einem satten Grün. Hatte da nicht mal ein südhessisches Label die Parole "Grün ist nicht Goth" herausgegeben? Egal, auch die wie immer herrlich kratzenden Bändchen zierte diese Farbe. Gleich gegenüber die erste Open-Air-Bühne und Musik. Ein allseits bekannter amerikanischer Whisky-Ersatz-Hersteller wollte den kommenden Gothic-Star finden - mit Karaoke. Jeder, der jetzt die Nase über schief gesungene Evergreens der 80er rümpfte, konnte nicht ahnen, dass demnächst in der Agra-Halle das gleiche Spiel laufen sollte. Mit sehr viel mehr Beleuchtung ;)

SIDDHARTANach der Eröffnungsrede, kündigte Überall-Entertainer OLIVER KLEIN die erste Premiere an. Die slowenischen Rocker SIDDHARTA gaben ihr Debüt auf deutschen Bühnen und stellten eine knappe halbe Stunde die Highlights aus dem Album "Rh" vor. Ohne Geigen und Bombast, immer straight gerade aus und auch zweisprachig. Das Publikum war angenehm überrascht, hielt Sänger Tomi im wahrsten Sinne für "Insane". Die Handschrift ihres Producers von Laibach und eine nicht überhörbare Liebe zu Bands wie Rammstein sorgten nicht zuletzt für Entrüstung als der Stagemanager die Männer unsanft von der Bühne holte. Die verlangten Zugaben blieben aus. Zeitplan und Pünktlichkeit sind die neuen Tugenden des Rock'n' Roll. Hinterher erfuhren wir von der fast vierzehnstündigen Odyssee über Europas Autobahnen und dass die Band nach dieser Strapaze direkt auf die Bühne springen musste.

APOPTYGMA BERZERKDas nun folgende Eröffnungsritual wurde vom Magier der tanzenden Kristallkugeln KELVIN KALVUS inszeniert. Mystische Gaukelei, spirituelle indische Tänze und druitische Feuerspiele versinnbildlichten faszinierend die Einheit von Körper und Geist. Maschinen bleiben da aussen vor. So gesehen beim ersten Headliner des Abends APOPTYGMA BERZERK. Der Computer streikte und ohne diesen läuft bei der Future-Pop-Speerspitze um Stephan Groth bekanntlich nichts. Pfeiffen und APOPTYGMA-Skandierungen sorgten zusätzlich für Schweissperlen bei der Band. Eine knappe dreiviertel Stunde später und zur Überraschung aller hat die Rückkehr von Gitarrist Anders Odden doch noch keine Rockband aus ihnen gemacht. Auch wenn der Wechsel zum GUN-Label und die letzte Äusserungen zur Single "Unicorn", welche hier mit Videoeinspielungen unterstützt wurde, etwas anderes als dieses Dancegewitter erahnen ließen. "Non-Stop Violence" passte treffend zur aggressiven Stimmung in der Halle, zu der auch die zuweilen ahnungs- und erbarmungslose Security beitrug. Passend zum Schweiss der Tanzwütigen war man dieses Jahr mit Gummihandschuhen bewaffnet. Trotz "The Dome" Stimmung und Sound wurde jeder Song prompt vom Publikum in Bewegung umgesetzt, Partystimmung… "Until The End Of The World". (IK)

Wer die Delitzscher Straße und die Delitzscher Landstraße verwechselt, sich darauf hin an einem völlig anderen Ort der Stadt sein Hotel sucht ist - sozusagen - gekniffen. Das sich anschliessend aufbauende Stress-Potenzial wegen: suchen, endlich finden, umziehen, losfahren, Bändchen holen, Freunde (wieder)sehen … musste abgebaut werden. Dafür gab es am ersten Tag des diesjährigen WGT nur eins: IKON. Die australische Combo um Chris McCarter ist beim WGT gern und oft gesehner Gast und einer meiner musikalischen Favoriten. Im Fahrwasser ihres aktuellen Albums: "Destroying The World To Save It" hatte es sie am Abend ins Werk II gespült. Nichts wie hin. Man kann die bedrückende Enge im Schlauch des Werk II auch als Tunnel zum akustischen Licht, das IKON musikalisch versprühten, uminterpretieren. Nur dann kann man noch von Genuss sprechen. IKON warfen ihre Perlen vor… egal. Sie boten sich gewohnt statisch dar. Ungewöhnlich war die Härte, mit der sie ihre Titel präsentierten. Das korrespondiert durchaus mit dem aktuellen Werk, das rockiger, rauer und bedeutend ruppiger daher kommt als bisherige Sachen. Für mich bedeutete das ein Plus an Intensität, Kraft und Wohlgefühl. (Bela)

DIE KRUPPSDann endlich das erste "Mitternachtsspecial" und eines was diesen Namen auch verdient hatte. Jürgen Engler hat DIE KRUPPS zum fünfundzwanzigsten Jubiläum wieder zusammen getrommelt und dies sollte nach einem Warm-Up-Gig in Belgien auch gefeiert werden. Acht Jahre nach "Paradise Now" gab's nun ein Reise zu den Wahrzeichen der Veteranen des Industrial und Crossover-Metal. Die Bühne war geschmückt mit den Insignien der "Machineries of Joy" des letzten Vierteljahrhunderts. "Wahre Arbeit - Wahrer Lohn" bezeichnete auch genau den knüppelnden Einsatz auf der Bühne und das tobende Audithorium in "Germanic". Soviel Adrenalin wollte am frühen Morgen noch in der WGT-Grossflächensauna, auch Partyzone in Halle 4.2 genannt, zu scheibchenweise Klängen von Clan of Xymox Mastermind Ronny Moorings unter die Leute gebracht werden. (IK)


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Dieser Bericht ist ein Gemeinschaftsprojekt
von OBLIVEON und der GOTHICWORLD

Redaktion: Michael Kuhlen (MK), Thomas Sabottka (TS), Ivo Klassmann (IK), Daniel "Bela" Bartsch (Bela)
Photos: Michael Kuhlen, Ivo Klassmann
Gestaltung: Sir Ritchie

Mehr Bilder vom WGT 2005:
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