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14. WGT 2005 - der Bericht
Sonntag 15.05.2005

OSWALD HENKEKamillentee & Vitamin C zum Aufstehen, der Himmel über uns war immer noch kein Stück aufgeklart. Zeit für eine der schönsten Treffen-Traditionen, dem gemeinsamen Sonntags-Brunch...

Und ab zu OSWALD HENKE zum Zweiten. Diesmal im Kino, und mit im Vorfeld als leicht geändertes Programm angekündigt. Organisiertes Chaos beim Einlass, musste man doch dem Grafen von UNHEILIG und seinen Fans Platz machen die sich gerade das "Kopfkino" gaben. Geregelter Einlass durch freundliche, aber bestimmte Ordner, dass die, welche zuerst in der Schlange standen und dementsprechend zuerst ins Kino kamen, die letzten Reihen zuerst belegen mussten. Was natürlich für Unmut sorgte, wollten die kleinen Mädchen ihren Oswald doch aus der Nähe genießen. Wer einmal bei einem Helge Schneider Konzert war, weiss um die Vorteile des Nicht-in-der-ersten-Reihe-stehens bzw. sitzens. Aber Herr HENKE wirft nicht mit Ahoi-Brausepulver, nur mit Kreide. So verzögerte sich der Beginn der Lesung aber doch, da half auch kein ordnen mehr. Herr HENKE aber, bereits auf der Bühne, kommentierte dies durchaus dem Anlass entsprechend würdig. Danach gab es die Mischung aus bitterböse-nachdenklich ("Zimmer 34" oder "Blau") bis zum Schreien komisch. HENKE nicht nur trocken, sondern vor allem prickelnd, spritzig, unterhaltsam, nachdenklich und vor allem charismatisch. Aber das ist man von ihm auch gewöhnt und so war die viel zu kurze Lesung auch kein Wermutstropfen, denn im Anschluss gabs die DVD-Premiere des Musiktheaterstücks "Schattendenken" und wer davon schon was auf der Tour gesehen hat, wird ahnen, warum die ERBEN vorläufig nichts mehr machen wollen und sich im Herbst mit DVD/CD/Buch erst einmal verabschieden werden. Was soll danach schliesslich noch kommen? (TS)

Noch schnell ein Horn voll Met bei den Wikingern und Handwerksmeistern im heidnischen Dorf, die SM-Betten-Kreationen von Wooden Art in Augenschein genommen und weiter auf die Treffen-Meile. Die generiert inzwischen zum kunterbunten "Walk of Fame". Lebensfrohes Schaulaufen in immer grösserem Ausmaß, Fotografen stürzten sich massiv auf kunterbunt morbide Egoproduzenten. Ein wahrhaft leckeres Schnittchen in Pink entpuppte sich als Klaus. Japaner waren hektisch auf der Suche nach Inspirationen für neue Animes und endlich die ersten Wagemutigen auf der Karaoke-Bühne, die nicht durch Krächzen auf sich aufmerksam machten. Petra und Andre nannten sich zwei verstrahlte Jungs, die hier eine Punk-Gothabilly-Show par excellence durchzogen. Während Beobachter bei Bier und Met schon gebetsmühlenartig meinten, wieder einmal haben sich die Verhältnisse die wir eigentlich ablehnten auf uns gestürzt und bei dieser ganzen Wir-sind-jetzt-alle-leider-Hype Debatte vergassen, dass auch ein solcher nur vergänglich ist. Nur eine kurzzeitige Spitze, ein Ausschlag im permanenten Rauschen der Dinge. Der Industrie und Plattenmafia ist es doch völlig egal, wer ihre (Er)Pressungen mag. Es geht einzig um Wahrnehmungen. Ewig hilfloses Lamentieren oder gar hundert Verrisse in irgendeinem Magazin sind immerhin hundert Erwähnungen. Weil jemand den Drang verspürte, sich dazu äussern zu müssen und das Ding ins Gespräch brachte… Marc, ein Besucher aus dem sonnigen Santa Barbara, lacht über solche Diskussionen, ist er doch gerade hierher nach Leipzig gekommen weil sich gerade in Old Germany das Ganze aus amerikanischer Sicht noch sehr anarchisch und unkommerziell gibt.

GOLDEN APESZum ersten Höhepunkt des Tages… In der Agra-Halle eröffneten die GOLDEN APES den Nachmittag. Gitarrist Eric Bahrs, Sven Wolff und Frontmann Peer Lebrecht, die ja auch mehr als nur einen Teilzeitjob bei Dust of Basement machen, kämpften wacker um die Gunst des frühen Publikums. Den Frauenschwarmbonus heimste sich allerdings Drummer Nestor ein. Dramatisches Keyboard, melodische Gitarrenriffs tiefe, äusserst charismatische Vocals und eine nicht übersehbare Verbeugung vor Nick Cave machten dieses Konzert der melancholischen Extraklasse aus.

"The Inner Scars" wurden mit Songs aus ihrem aktuellen Longplayer "Structures" und der zu gefallen wissenden Leidensmimik überdeutlich. Sinnentleertes Stechuhr-Gehabe auch hier, der letzte Song wurde ihnen und dem Publikum verwehrt. (IK)

MONO INC.Des folgten die Hamburger MONO INC., die mit ihrer kraftvollen Dark Rock-/Gothic-Mischung und der wirklich grandiosen Stimme ihres Sängers Miky Mono reichlich Pluspunkte für sich verbuchen und durch ein sehr engagiert geführtes Stageacting auf sich aufmerksam machen konnten. Zudem verfügen die Hamburger über die seltene Gabe eingängige, aber nie auf Kommerz schielende Melodien zu erschaffen. Höhepunkte für mich das überaus stimmige und melancholische "The Last Waltz" sowie die brilliante Ballade "Flies". Von MONO INC. wird man in Zukunft noch hören, denn wenn eine Band über solche Songwriting-Qualitäten besitzt, wird sich dies über kurz oder lang auch auszahlen. (MK)

Eva O.Es folgte EVA O., die legendäre ex-Sängerin von Christian Death und Mephisto Waltz, und wer noch den verhaltenen Auftritt der Amerikanerin vor wenigen Jahren an gleicher Stätte vor Augen hatte, wird sich verwundert seine Augen gerieben haben. Um mindestens die Hälfte ihres Körpergewichts reduziert, in Lack Overknees mit dreizehn Zentimeter Absatz, im hauteng sitzenden Lackkleid und wie aufgedreht boten Eva O. und ihre Band eine Lehrstunde in Sachen Deathrock. Fast könnte man meinen, EVA O. hätte ihrem Glauben an Gott wieder den Rücken gekehrt und sich auf ihre einstigen Ideale besonnen, so aggressiv und so punkig agierte das Trio um die charismatische Sängerin, was mit zunehmender Spieldauer seitens des Publikums immer mehr honoriert wurde. (MK)


LOVE IS COLDER THAN DEATHZurück in die City… in und um das Schauspielhaus warten Tausende auf den Auftritt von LOVE IS COLDER THAN DEATH. Die Band um Maik Hartung und Susann Heinrich wurden bei diesem Heimspiel wiederum live von der brillanten Percussionistin Anja Herrmann unterstützt. Die Harmonie von asiatischen Instrumenten, meditativem Gesang und beeindruckender Filmeinspielungen über die gesamte Bühne, die völlige "Eclipse" zog jeden im überfüllten Saal in ihren Bann. Tausenden anderer Interessenten blieb dieses Ausnahmeerlebnis verwehrt und auch überaus nette Worte und Entschuldigungen vom Theaterpersonal konnten nicht darüber hinweg trösten. Nächste hier auf der Bühne würde Anne Clark mit ihrem Akustik-Set sein, aber die spielt ja auch noch Morgen. (IK)

SCREAM SILENCEAlso zurück zur Agra wo sich die Berliner SCREAM SILENCE die Ehre gaben. Durchaus in die Ecke der Wahlverwandschaften so melodischer Gothicrocker wie Dreadful Shadows oder auch HIM zuzuordnen, präsentierte sich hiermit auch die Hälfte der Tunes of Dawn auf der Bühne, welche aktuell mit ihrem Album ihren Einstand mittels offiziellem Plattenvertrag feiern. Nicht nur Basser Hagen Schneevoigt der bei Tunes of Dawn als Sänger fungiert, sondern vor allem auch Gitarrist René Gödde der für den erkrankten Gitarristen von SCREAM SILENCE eingesprungen war. Damit wurden die Berliner deutlich rockiger, rotziger und machten ordentlich Druck, der einen wunderschönen Ausgleich zum sanft-melancholischem Gesang und dem angedeuteten Hüftschwung des Sängers bildete. Das beste SCREAM SILENCE Konzert seit langem und dementsprechend euphorisch fielen die Reaktionen in der mittlerweile gut gefüllten Agra aus. (TS)

DIARY OF DREAMSAuf zum nächsten Highlight. DIARY OF DREAMS quasi als Krönung der erfolgreichen "Nigredo"-Tour. Sehr viel blieb anfangs nicht vom Charisma der letzten Konzerte … das Equipment machte schlapp und der Ton war nur noch Brei. Neues Spiel, neues Glück und von da an gab's die gefühlvolle Dampframme. DIARY OF DREAMS sind live immer ein Erlebnis und da machte ihr diesjähriger Auftritt auf dem WGT keine Ausnahme. Genial die Stimmung, genial die Darbietung auf der Bühne. Der Weg weg vom Übermaß an Elektronik, hin zum verstärkten Einsatz rauer Gitarren wurde mehr als positiv aufgenommen - erstaunlicherweise leidet die Aura dieser Band darunter überhaupt nicht. Die Bühne war in das Logo ihres aktuellen Albums getaucht - dem auch die meisten der gespielten Titel entstammten. Begonnen wurde mit "MenschFeind". Gut im Set verteilt waren ältere Songs wie "Chemicals", "The Curse" und natürlich "Traumtänzer". Adrian Hates schaffte es diesmal spielend, jeden noch so harten Kerl in die Knie zu zwingen. Zumal er das Ende ewig hinauszögerte, nur noch spärlich am Piano und stimmlich begleitet von Torben Wendt (Diorama) und das Publikum den hymnenhaften Song mitsingen ließ. Kein trockenes Auge und massenhafte Textsicherheit als der "Traumtänzer" strahlend von der Bühne ging. (Bela/IK/TS)

PAUL ROLANDPAUL ROLAND gab indes in der kleinen 4.2er Halle sein erstes Konzert in einer öffentlichen Sauna und das erste auf dem WGT. Das Set des exzentrischen Storytellers bestand hierbei aus seinen frühen Rock- und Wave-Tagen. Das spärlich versammelte Publikum dürstete es sehr, allerdings nicht nach der Musik aus Richtung Bühne. Es fehlten wohl die sonst so psychedelisch anmutenten Klangfarben und die meisten der Anwesenden warteten wohl nur auf die folgende Anke Hachfeld, aka MILU. Überhaupt spielten hier dieses Jahr viele interessante Newcomer und das Hauptaugenmerk lag nicht nur auf purem Disse-Strampeln. Zeit mal wieder über den Schwarzmarkt zu flanieren und der Kauflust nachzugeben… die restlichen Stunden des Sonntags, wollten wir Leipzig und das WGT noch mit den Augen von 18 SUMMERS sehen. Mehr darüber lest ihr in unserem Special. (IK)


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Dieser Bericht ist ein Gemeinschaftsprojekt
von OBLIVEON und der GOTHICWORLD

Redaktion: Michael Kuhlen (MK), Thomas Sabottka (TS), Ivo Klassmann (IK), Daniel "Bela" Bartsch (Bela)
Photos: Michael Kuhlen, Ivo Klassmann
Gestaltung: Sir Ritchie

Mehr Bilder vom WGT 2005:
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