CD-REVIEWS:

Mein Rasend Herz    IN EXTREMO "Mein Rasend Herz"
CD (Universal)

Einen Herzinfarkt lösen In Extremo - zumindest bei mir - mit ihrem neuen Album nicht aus, im Höchstfall etwas erhöhten Blutdruck, jedoch ohne eine akute Gesundheitsgefährdung. Übertragen heisst dies: „Mein Rasend Herz“ ist ein für die Mittelalterbarden eher durchwachsenes Werk denn der grosse Wurf, der von weiten Teilen der Presse hier propagiert wird.

Woran es liegt? In Extremo scheint das Gespür für wirklich überragendes Songwriting abhanden gekommen zu sein. Liess „Nur ihr Allein“ bereits eher an die Toten Hosen denn an In Extremo gemahnen, so wirken auch die restlichen elf Songs trotz neuer Einflüsse („Singapur“), für die in der Hauptsache wohl Bassist Lutter verantwortlich zu machen ist, ein wenig orientierungslos. Die Integration der mittelalterlichen Passagen wirkt lange nicht mehr so natürlich und geht weniger reibungslos vonstatten als noch auf „7“ oder „Weckt die Toten“. Hinzu kommt, dass die rhythmische Basis sehr viel rockiger, im Sinne von purem und unverfälschtem Rock’n Roll, die musikalische Szenerie bestimmt, was sich nur selten zu einer Einheit mit den mittelalterlichen Passagen verbindet und durch die heftig bratende Gitarre (man höre nur einmal „Rasend Herz“) noch unterstützt wird. Die keltischen Einflüsse in „Tannbuser“ wirken etwas gequält, im Gegensatz zum nachfolgenden „Liam“, mit „Spielmann“ dem für mich besten Stück des Albums, wo die bis dato unbestrittenen Songwriterqualitäten In Extremos sich endlich einmal ihren Weg bahnen.

Gemessen an dem, was In Extremo bislang veröffentlicht haben, ist „Mein Rasend Herz“ eine ziemliche Enttäuschung.


Michael Kuhlen (Obliveon) für GothicWorld


Tracklist:

1. Raue See
2. Horizont
3. Wessebronner Gebet
4. Nur ihr allein
5. Fontaine La Jolie
6. Macht und Dummheit
7. Tannhuser
8. Liam
9. Rasend Herz
10. Singapur
11. Poc Vecem
12. Spielmann
13. Liam (deutsch, ltd. edition only)


www.inextremo.de