CD-REVIEWS:
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PUNISH
YOURSELF "Sexplosive Locomotive" CD (Sriracha Records /
Alive) |
Es war eine dieser ganz üblen Nächte.
Marilyn Manson saß in seiner Stamm-Bar vor einem Golden
Grotesque-Cocktail und war schlecht gelaunt. Er dachte darüber nach, warum
die Gigangebote immer häufiger von Schulfesten kamen, die noch dazu vom
Elternbeirat organisiert wurden. In diesem Moment kamen Mr. und Mrs. Fiend in
die Bar. Gerade hatten sie einen ihrer seltenen Festivalgigs gespielt und dabei
eine so hypnotische Version von "I walk the line" vorgetragen, dass sie einfach
vergessen hatten, mit dem Stück zu Ende zu kommen. Glücklicherweise
wachte der Soundmann kurz auf, erschrak ob der Feedback erzeugenden Gitarre,
die vergessen am Bühennrand lag und vergoss ein großes Glas Vodka
über dem Endstufen-Rack. Mr. und Mrs. Fiend waren schlecht gelaunt, da sie
sich nun mal nicht gerne unterbrechen lassen und schon gar nicht von einem
gigantischen Stromausfall, der leider auch sämtliche
Getränke-Kühlschränke backstage lahm gelegt hatte. Bei einem
Rotwein mit Gin und Tequila kam man zu dem Schluss, dass die ganze Sache doch
schon mal mehr Energie hatte. Marilyn Manson war inzwischen beim dritten
Cocktail angelangt und sinnierte darüber, dass man doch mal eine neue,
kleine, böse Band ins Rennen schicken könnte.
Da schlenderte
Iggy Pop vorbei. Iggy war schlecht gelaunt, weil er gerade einen Hunni beim
Billard an David Bowie verloren hatte. Bei einem Glas Karotte-Bourbon meinte
er: "Klar, Leute, so was Rauhes und Wildes mit Rasierklingen, das mögen
die Leute. Ich hatte da mal 'ne Band... - Stooges, oder so." Mr. Fiend zog als
Zeichen der Begeisterung eine Augenbraue hoch und man beschloss gemeinsam, Mr.
Jourgensen von der Firma "Ministry" anzurufen. Der hat vor allem meist
schlechte Laune, kennt sich einigermaßen mit fiesen Industrial-Riffs aus
und ist außerdem ein alter Kumpel vom amerikanischen Präsidenten, so
dass man auch mal ein Statement über die US-Regierung einfließen
lassen könnte.
Gesagt, getan - und damit die Band die Leute nicht
zu sehr verschreckt, wurde sie vor Auftritten schön bunt angemalt, man
spendierte eine Tänzerin und ein paar seltsam anmutende Videos und stellte
sie sicherheitshalber hinter Gitter. Und da das Kind ja auch'n Namen braucht,
einigte man sich auf PUNISH YOURSELF.
Inzwischen ist mit
SEXPLOSIVE LOCOMOTIVE schon das dritte Album der französischen Band
erschienen, ohne das man hierzulande für größeres Aufsehen
gesorgt hätte. Schade eigentlich. PUNISH YOURSELF - das ist 'ne
Industrial-Electro-Cyber-Punk'n'Roll - Mischung, die ordentlich nach vorne
geht. Klar spielen die o.g. Einflüsse eine Rolle und Herr Manson fragt
sich inzwischen, ob er nicht vielleicht auch mal ein bisschen härter und
gemeiner..... - egal, von Kopie kann man hier nicht sprechen.
Nach
einem kurzen Intro geht's auch gleich mächtig los mit dem Opener "Gay Boys
in Bondage". Ein brachiales Gitarren-Brett, das kompromisslos nach vorne
treibt. Gefolgt von "Primitive" - das dem Namen entsprechend nicht sonderlich
filigran arrangiert ist, dafür bohren sich die Vocals direkt ins Hirn und
drehen dort fröhlich-hämmernde Runden. Weiter geht die wilde Fahrt
mit fetten Riffs, aggressivem Gesang und treibenden Beats. Zwischendurch werden
auch die U.S. of Amerika verarztet - in Songs wie "CNN War" und "U.S.D. (we are
ready)".
Nicht jeder Song ist eine Perle und das Songwriting nicht
immer besonders originell. Aber egal - dieses Album hat Tempo, kratzt und
beisst. Gefangene werden grundsätzlich keine gemacht und meistens knallt
die "Sexplosive Locomotive" direkt zwischen die Augen. Nicht gerade der
Soundtrack für alle Gelegenheiten, aber das will das Album auch definitiv
nicht sein. Dafür ist auch zum unkontrollierten Abzappeln und Austoben
einiges dabei.
Achtung, Herr Manson, da schaut ein kleines böses
Monster gerade nach, ob ihm die Fußstapfen nicht zu klein werden.
Frischer Wind, der stellenweise orkanartig aus Frankreich weht. Ein
unterhaltsam - abgedrehtes Album, das Spaß macht. Nicht mehr - aber schon
gar nicht weniger.
Dirk
Kania (DJD) für GOTHICWORLD
Tracklist:
01. Gay Boys
In Bondage 02. Primitive 03. Rock'n'Roll Machine 04. Holy Trinh Thi
05. Eastern Western 06. CNN War 07. See Ya Later Alligator 08.
Gimme Cocaine 09. U.S.D. (we are ready) 10. Shadowsteelplastic 11.
They Don't Want You 12. T4 Song
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