exclusive interview:

THE MISSION:
- "... eine andere Art von Energie"

The MissionNoch groß Worte zu dieser Band zu verlieren scheint überflüssig. Immerhin handelt es sich bei The Mission um eine der Bands, die den Gothic-Zug Anfang der 80er in Fahrt brachte. Und auch wenn es in den letzten Jahren recht ruhig um Wayne Hussey und seine Kollegen geworden ist, bzw. das was veröffentlicht wurde, nicht gerade überzeugen konnte, präsentiert man sich mit "Aura" so gut wie lange nicht mehr. The Mission haben sich ihrer Wurzeln besonnen und so ein Album geschaffen, von dem Sisters oder Fields zur Zeit nur träumen können.

Anlässlich der Tour mit HIM trafen André Kroggel & Thorsten Kübler vom Entry Magazin die gut gelaunten Wayne Hussey und Craig Adams zum folgenden Interview, welches sie uns freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen haben.


Entry: Bei unserem letzten Gespräch im November 1999 habe ich dich gefragt, wann mit einem neuen The Mission Album zu rechnen ist. Damals warst du dir noch gar nicht sicher, ob ihr überhaupt je ein neues Album veröffentlicht. Wann fiel der Entschluß "Aura" aufzunehmen bzw. wann habt ihr mit den Aufnahmen begonnen?
Wayne: >> Ich glaube, die Entscheidung ein neues Album zu veröffentlichen kam uns irgendwann, als wir am touren waren. Wir schrieben ein paar Songs, legten sie beiseite, gingen wieder auf Tour, schrieben anschließend weiter an den Songs und so entwickelte sich das Album langsam. <<

Entry: Für "Aura" habt ihr Euch Dave Allen als Produzenten ausgesucht, welcher auch schon als Produzent für 7 The Cure-Alben und den ersten The Sisters Of Mercy-Longplayer "First & Last & Always" tätig war.
Wayne: >> Nein, das ist nicht ganz korrekt. Er hat das Album nicht produziert, er kam lediglich zum Schluss dazu und hat etwa die Hälfte des Albums abgemischt. <<

Entry: War es von Anfang an euer Wunsch, ihn das Album mischen zu lassen?
Wayne: >> Nein, das war so nicht geplant. Wir hatten dafür ein paar jüngere Leute, aber waren uns bei dem Ergebnis nicht ganz sicher. Dann kam Dave und wir hatten ein gutes Gefühl bei seiner Arbeit, es entwickelte sich etwas ganz besonderes. <<

Entry: Habt ihr nicht evtl. auch Tim Palmer als Produzenten in Betracht gezogen, welcher eure bisher erfolgreichsten Alben "Gods Own Medicine", "Children" & "Carved In Sand" produziert hat?
Wayne: >> Ja, Tim sollte eigentlich an dem Album mitarbeiten. Er hat in Los Angeles einen Mix für uns gemacht, während wir in Großbritannien waren. Leider war es nicht ganz das, was wir gesucht haben, so haben wir die Idee mit Tim wieder fallen lassen. <<

Entry: Gibt es einen Song auf "Aura", welcher dir besonders am Herzen liegt?
Wayne: >> Ja, meine Favoriten sind "The Light That Pours From You" und "Dragonfly" <<

Entry: Könntest du den Song erläutern?
Wayne: >> Nein. (allgemeines Gelächter) Aber frag mal Craig nach seinen Lieblingsstücken. <<
Craig: >> "The Light That Pours From You". Ganz klar dieses Stück.<<

Entry: Bezüglich des Artworks hattet ihr auf der The Mission-Homepage eure Fans zu einem Wettbewerb aufgefordert, das Cover zu "Aura" zu gestalten. Wie hoch war die Resonanz darauf?
Wayne: >> Die Resonanz war wirklich gut, wir haben eine Menge Material bekommen. Viel seltsames Zeug, einiges weniger seltsames Zeug und ganz wenige wirklich gute Sachen. <<

Entry: Wird dann letztendlich auch das Cover eines Fans verwendet?
Wayne: >> Ja, von einem Fan aus Holland. Ein etwas ungewöhnliches Cover, aber es ist einfach wunderschön. Es gefällt mir sehr gut.<<

Entry: Es ging das Gerücht um, dass Simon Hinkler ein paar Gitarren auf "Aura" beigesteuert hat. Ist da etwas Wahres dran?
Wayne (lacht): >> Nein, das Album wurde komplett von den vier derzeitigen Bandmitgliedern eingespielt. (an Craig gewandt) Oder nicht? <<
Craig: >> Ja, das Album ist nur von uns Vieren. Simon ist doch in Seattle. <<
Wayne: >> Simon ist glücklich mit dem, was er zur Zeit macht. Wir haben ihn vor ein paar Jahren wiedergesehen, als wir in Seattle gespielt haben. Er kam vorbei und spielte ein paar Songs mit uns. Aber er ist verheiratet, hat einen guten Job, der ihm Spaß macht und inzwischen auch ein Baby. Von daher wird er definitiv nicht zurückkehren. <<

Entry: Die acht Promotracks von "Aura" erinnern wieder mehr an ältere Stücke von The Mission. Siehst du das genauso und gibt es dafür Gründe?
Wayne: >> Lass es mich erklären. Als wir wieder anfingen eine Band zu werden, haben wir viel von dem alten Material gehört, einfach um es wieder zu erlernen. Die damaligen Songs sind geprägt vom Gitarrenspiel und ich habe für lange Zeit keine Gitarre mehr gespielt. Und nach dem Hören der alten Stücke, hatte ich wieder das Bedürfnis, Gitarre zu spielen. So habe ich wieder damit angefangen und mittlerweile hört es sich wieder an wie früher. Wir haben uns nicht hingesetzt und überlegt, wir müssen jetzt unbedingt ein zweites "Wasteland" oder so was in der Art schreiben. Es hat sich von alleine in diese Richtung entwickelt, ohne dass wir uns sonderlich anstrengen mussten, ein Album zu schreiben, das möglichst nach The Mission klingt. <<

Entry: Die meisten der Stücke sind recht ruhig, fühlt sich Wayne Hussey inzwischen zu alt für schnellere Songs?
Wayne (entrüstet): >> "Happy" ist nicht langsam, "Happy" ist ganz und gar nicht langsam. Aber du hast Recht, auf der 8-Track Promo befinden sich hauptsächlich ruhige Stücke. Die noch fehlenden Songs gleichen das aber wieder etwas aus. Aber die nötige Energie ist nicht etwas, das einfach da ist. Weißt Du, mit 25 hast du diese Art von Energie, die dir sagt, dass du möglichst schnell und möglichst laut spielen musst. Aber wenn du 40 bist (Wayne räuspert sich und spricht etwas leiser weiter), so wie wir es sind, hast du eine andere Art von Energie. Du willst nicht mehr schnell und hart spielen, vielmehr willst du etwas ausdrücken mit deiner Musik. Und ich denke, dass wir eine wirklich gute Art von Energie auf dem Album haben. Vielleicht ist es nicht mehr wie früher, aber ich könnte das in der Art auch gar nicht mehr. <<

Entry: Welche Art von Aura sprichst du auf dem Album an und gibt es ein übergeordnetes Konzept für die CD?
Wayne: >> Jede Art von Aura, es ist lediglich der Titel, ein Wort, dass wir mögen. Jeder weiß, was es bedeutet. Es ist ein allgemein gehaltenes Wort und es strahlt etwas positives aus und das ist es, was wir wollten. <<

Entry: Gibt es ein übergeordnetes Thema?
Wayne: >> Nein, wir haben kein Konzept für das Album gehabt. Es gibt mal wieder sehr viele Liebeslieder, aber das ist ja immer so auf Platten von The Mission. <<

Entry: Ihr befindet euch derzeit als Special Guest auf der HIM-Tour. Wie kam es dazu, wie kam der Kontakt zustande?
Wayne: >> Wir haben letztes Jahr einige Festivals mit HIM gespielt. Und eines Abends haben wir, Craig, Ville und ich heftig betrunken. Da haben wir ein Gefühl wie lange verlorene Brüder gefühlt, na ja, eigentlich haben sich eher Craig und Ville so gefühlt. Und so blieben wir per eMail und Telefon in Kontakt. Und als HIM dann diese Tour geplant haben, hat Ville uns einfach gefragt, ob wir sie begleiten möchten. So einfach war das. Ich denke, Ville ist ein Fan dieser alten Bands in unserem Stil, wie die Sisters oder Fields Of The Nephilim. <<

Entry: Ihr habt auf dieser Tour bisher 6 Konzerte gespielt. Wie waren die Reaktionen der wohl vorwiegend jüngeren HIM-Fans auf The Mission?
Wayne: >> Die meisten der Teenage-Girls waren wohl ziemlich gelangweilt. <<
Craig: >> Allerdings gab es auch die eine oder andere Überraschung, da es immer wieder Mädels gab, denen unsere Musik anscheinend gefiel und die dann auch anfingen zu tanzen. <<
Wayne: >> Ja, letzte Nacht kamen nach dem Konzert sogar zwei Mädels zu uns und meinten, dass wir besser gespielt hätten, als HIM, mit mehr Gefühl. Das ehrt schon ein wenig. <<
Craig: >> Vor allem, weil sie vorher nie etwas von uns gehört haben. <<
Wayne: >> Das ist ein gutes Zeichen für uns. Allerdings war es auch schwierig für uns, immerhin haben wir schon ewig nicht mehr als Vorband für jemanden gespielt. Es war uns von vornherein bewusst, dass es hart werden würde, da wir hauptsächlich vor Teenage Girls spielen würden. Allerdings war es auch eine großartige Herausforderung, mal vor einem Publikum zu spielen, dass sonst nicht unbedingt The Mission hört. Und zu guter Letzt haben wir ein neues Album, dass ja irgendjemand kaufen muss.<< (allgemeines Gelächter)

Entry: Euer Gitarrist Mark Gemini Thwaite begleitet euch nicht auf der Tour. Er gehört aber noch zur Band?
Wayne: >> Ja, Anfang des Jahres haben wir uns zusammengesetzt und über unsere Pläne für 2001 geredet. Zu dem Zeitpunkt haben wir an diese Tour noch gar nicht gedacht und da Mark von Tricky gefragt wurde, ihn auf seiner Tour zu begleiten, habe ich ihm natürlich gesagt, dass das für mich absolut okay wäre. Also hat er Tricky zugesagt. Als sich dann für uns die Möglichkeit ergab, mit HIM zu touren, war es nur verständlich, dass wir uns für diese Tour einen anderen Gitarristen suchen würden. Wir haben im Traum nicht daran gedacht, die Tour abzusagen, nur weil wir keinen Gitarristen hatten. <<


André Kroggel & Thorsten Kübler (www.entry-magazin.de) für die GOTHICWORLD


CD-Review: "Aura"