Live-Review:


Dark Dance Festival
21.12.2002 Universal DOG, Lahr

Das Ich Was sich nach zwei Jahren Pause schon mal als Highlight in den südlichen Gefilden etabliert hatte, sollte am 21.12. zur Wiederauferstehung gebracht werden. Was zuvor mit "Süddeutsches Dark Dance Treffen" betitelt war und Acts wie AND ONE, PHILLIP BOA, GOTHES ERBEN, IN EXTREMO, ZEROMANCER, HOCICO, u.v.m. präsentierte, musste erst mal getoppt werden. Mit dem Namen "1.Dark Dance Festival" und Acts wie APOTHYGMA BERZERK, SUBWAY TO SALLY, MESH, IN STRICT CONFIDENCE, DAS ICH, u.n.v.m. lockte der vorweihnachliche Event auch auch eine große Schar an Fans zum Universal DOG zum Flugplatz in Lahr.

In Strict ConfidenceIch selber war an diesem Samstag Nachmittag noch in Stuttgart bei "Tanz der Vampire" eingeladen (wollt Ihr ein Review?) so war es schon schwierig einen Parkplatz zu finden. Und da in der Mainhall das Programm schon recht früh gestartet war, hatte ich ACCESS_DENIED, NAMNAMBULU und DAS ICH leider schon verpaßt. Auf der Bühne gaben gerade IN STRICT CONFIDENCE ihre Show zum Besten. So stimmten wir zu "Zauberschloss" auf eine noch lange Festival-Nacht ein und besorgten uns erst mal was zu Trinken.

Der Laden war schon proppenvoll, als wir uns durch die Locations (im mittleren Bereich beschall Martin Sprissler die Tanzwütigen mit Goth- und DarkWave-Hits) schlängelten, standen wir im Club noch vor verschlossenen Türen. Hier sollte die Show mit erst um 22.45 Uhr beginnen. Wie gesagt, stellten wir uns auf eine lange Nacht ein. Also wieder raus in die kochende Mainhall.

MeshHier hatten gerade MESH ihr Programm begonnen und obwohl ich ihr Album "Who Watches Over Me?" nicht so sehr mein Fall war, war die Show mit den überdimensionalen schnellen MTV-Bildcollagen sicherlich ein erstes Highlight des Festivals. Eben ganz im Zeichen der Zeit. Inzwischen ging es auch im Club mit den Live-Shows los und SWALLOWED waren die ersten, die darauf aufmerksam machen mussten. Offensichtlich hatten sie damit auch ihre Probleme, denn während sich wohl mindest 70 Prozent der Publikumsmasse in der Mainhall drängte, der Rest irgendwo zwischen Verkaufsständen und Martin Sprisslers Konservenshow verweilte, herrschte hinten im Club gähnende Publikumsleere. Der harsche Sound der folgenden METALSPÜRHUNDE vertrieb dann auch die restlichen vereinzelten Gestalten, die hier in verhaltenem Abstand zur Bühne oder am Tresen lungerten. NuukBitter natürlich für nächste Band IN MY ROSARY, deren zarten Klänge im Bodennebel verhallten. Aber während alles schon auf den parallel sich ankündigtenden Auftritt von SUBWAY TO SALLY gierte, verweilte ich noch eine Weile und bekam eine klasse Show von der Schweizer Truppe NUUK geboten, die mit Gitarre, Bass, Gesang und Drumcomputer, die wenigen Gäste in Verzückung setzte. Mein persönliches Highlight des Abends war ihre Coverversion des THE CURE-Klassikers "Fascination Street". Klasse!

Subway To SallyNun aber SUBWAY TO SALLY, die ihre Anwesenheit mit viel Feuerzauber auf der Hauptbühne ankündigten. Hier haben sich wohl viele erstmal ins Haupthaar gefasst, ob noch alles dran ist. Also, wie erwartet, eine SUBWAY TO SALLY-Show mit allem was dazugehört, Feuer, Trommeln, Monster-Gitarren, Geigen, Dudelsack und dem traditionellen Schrei. Mir persönlich hat der "Herzblut"-Gig den ich 2001 miterlebt habe besser gefallen, da die Deko stimmiger war. Aber wir sind ja auf einem Festival und das Publikum hats abgefeiert, auch ohne Stagediving-Einlage. Dafür gabs im Zugabeblock mit "Falscher Heiland" schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende Album "Engelskrieger". Auch gut.

Apotygma BerzerkIm Club hatte es durch die Absage von EVEREVE (wir berichteten) einige Programmverschiebungen ergeben, so traf der Soloauftritt das THE MISSION-Masterminds Wayne Hussey im Club mit dem Massen-Highlight APOTYGMA BERZERK zusammen. Erst anschließend sollte dann gegen 3 Uhr morgens THE BLOODFLOWERZ das Liveprogramm im Club abschließen. Ihr dürft jetzt dreimal raten, wem ich da zu so später Zeit den Vorzug gab.

Wayne Hussey (THE MISSION)Was sollte denn einer der lebenden Legenden unserer Musikbewegung denken, wenn sich alle nur nach den Elektrobeats "Until The End Of The World" bewegten? Nein mir war die Soloshow von Wayne Hussey wichtiger. Und er saß einfach nur da, auf einem Barhocker. Bewaffnet nur mit zwei Akustikgitarren und einem sparsamen Rythmus-Playback, trotzte er dem störenden Discodröhnen wie ein Fels in der Brandung mit seiner Stimme und den Songs die mich seit mehr als 15 Jahren begleiten. Zum Glück hatte ich doch einige Gleichgesinnte und somit war der Club zum ersten Mal diesen Abend gut gefüllt mit Menschen, die diesem personifizierten Meilenstein ihren Tribut zollten! Ein wirklich feierlicher Moment!

BloodflowerzDamit wollte ich es dann aber auch sein lassen für diese Nacht, weder zurück zu APOTHYGMA BERZERK noch die noch folgende Show von BLOODFLOWERZ konnte das noch toppen, so machten wir uns auf den Heimweg. Spätestens da ist mit klar geworden, warum EVERVE nicht den Nachtwächter spielen wollten...

Fazit: Das Dark Dance Festival hinterläßt mir einen zwiespältigen Eindruck. Es ist schon beängstigend wie sang- und klanglos zur Zeit gitarrenorientierte Bands gegen die Electroallmacht untergehen. Vielleicht lags auch wirklich nur an dem Überangebot an Bands, ich selbst war ja ständig zwischen den beiden Bühnen hin- und hergerissen, die beide ihre Highlights zu bieten hatten. Leider waren die Massen meist nur vor einer versammelt.


Sir Ritchie für GOTHICWORLD

www.dark-dance-festival.de