CD-REVIEWS:

Es reiten die Toten so schnell ...    SOPOR AETERNUS:
"Es reiten die Toten so schnell ..."
CD (Trisol Music Group)

Sopor AeternusEine Totenglocke, ein verhaltener Trommelwirbel...
Und die Tore öffnen sich. Die Tore nach MEDIAN.

Jenem von CLIVE BARKER in "CABAL" beschriebenen Ort, an dem sich all die Verlorenen, Verdammten, in unserer Welt als Freaks angesehenen, ja und auch die Toten aufhalten. Diesem mythischen Ort in dem ANNA-VARNEY als Confroncier, wie auch als Bardin und Königin gleichermaßen fungiert. Mann braucht schon etwas Mut und vor allem Verstand um sich auf diese Welt einzulassen. Den ausufernden Kompositionen zu folgen, die durch Brüche, Tempiwechsel, wiederkehrende Leitmotive, ebenso bestimmt sind, wie durch den faszinierend, verstörenden Gesang ihrer Zeremonienmeisterin.

Wie auf kaum einem anderen Album zuvor, zelebriert ANNA-VARNEY auf ihrem neuesten Werk, einen Reigen der schön, morbide, mythisch und verwirrend, wie ein Strauß verdorrter, roter Rosen ist. Wie sich ja vielleicht schon herum gesprochen hat, ist dies die Fortsetzung von etwas, dass vor bald 12 Jahren begonnen hat. Ähnlich den damals fast Batcave-orientierten ersten Gehversuchen von SOPOR AETERNUS stehen treibende, manchmal sogar recht wilde Rhythmen, von E-Bass, Drums und Perkussion bestimmt im Vordergrund. Aber auch all die fast mittelalterlichen und folkloristischen Akustikinstrumente der letzten Veröffentlichungen haben ihren Weg in das neue Album gefunden. Die schon fast vertrauten, tiefen Trompeten und Hornbläser, das Xylophon und das Spinett, sie alle schaffen etwas, das in der heutigen Musiklandschaft schon fast ein Wunder ist. Nämlich die Einzigartigkeit, das diese Musik nur von SOPOR AETERNUS stammen kann.

Eingebettet, in diese ausufernden, komplexen und jeden Musiktheoretiker erfreuenden Kompositionen, erklingt ANNA-VARNEYS Gesang, der zwischen Flüstern, den Klagelauten eines verwundeten Tieres und dam sanft-tiefen Timbre ihrer doch männlichen Stimme hin und her pendelt. Immer akzentuiert und auf dem Punkt genau, der Musik und dem Arrangement angepasst.

"Es reiten die Toten so schnell" schmiedet einen Bogen, von den Anfängen über die Vergangenheit bis hin zur Gegenwart und schafft so einen fulminanten Abschluss, wie auch einen Neubeginn gleichermaßen. Fans wird dieses Album sicherlich etwas verwirren, Kritiker sollten einmal all die fragwürdigen und rätselhaften Attitüden VARNEYS beiseite lassen, (da ihr sie sowieso nicht begreift!) und sich einfach auf die genialen, faszinierenden Kompositionen konzentrieren. Die so komplex, zerissen und faszinierend wie ihre Schöpferin sind.

Und wenn diese Musik nicht für diese (unsere) Welt taugt, dann gehört sie eben nach MEDIAN und man sollte einfach noch einmal zu Barkers Roman greifen, um vielleicht ein ganz klein wenig zu verstehen was ANNA-VARNEY mit ihrer einzigartigen Kunst erschaffen hat.
Eine andere, fremde Welt, welche man einfach nur als existent akzeptieren muss. Um übrigens einen perfekten Gesamteindruck zu erhalten, sollte man (so wie ich) zumindest zur limitierten Edition im Pappschuber und schwarzem Leinen, mit Silberaufdruck und Hochglanzbooklet versehenen Ausgabe greifen. Was der Künstler JOACHIM LUETKE hier mit ANNA-VARNEY zusammen erschaffen hat.....
Selbst erfahren!


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


"Es reiten die Toten so schnell ...":

01. Omen Sinistrum
02. Dead Souls
03. Stake of my Soul
04. Beautiful Thorn
05. Baptisma
06. The Feast of Blood
07. Sopor Fratrem Mortis est
08. The dreadful Mirror
09. Reprise
10. Birth-Fiendish figuration
11. Penance & Pain
12. Holy water Moonlight
13. Infant
14. Über den Fluss
15. Dark Delight
     Homepage:

www.soporaeternus.de


Artwork:

www.luetke.com

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