CD-REVIEWS:
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LACRIMOSA:
"Echos" CD (Hall Of Sermon)
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Ein kunstvoll, ineinander verschlungenes, verspieltes und vor
allem sehr leichtes Album legen LACRIMOSA mit "Echos" vor. Wo
"Fassade" noch ein schwerer Brocken war, der zerrissen und bombastisch
daherkam, ist das neue Werk, angefüllt von zarten Blüten,
zerbrechlichen Melodien, die seinesgleichen suchen.
Um es vorweg zu
nehmen: Die echten, die richtigen Hardcorefans wird es verwirren, vielleicht
sogar vor den Kopf stoßen. Erwartet man, bei dem opulenten "Kyrie"
noch jede Sekunde die ganz fette Breitseite, so muss man nach wenigen Minuten
schon erkennen, das sie nicht kommen wird. Denn trotz aller
Streicherarrangements, Pauken, Bläsern und Chor, bleibt es ein seltsam,
schwebendes Intro, das schon fast Soundtrackqualtiäten hat. Die Gitarren
und das Schlagzeug sind auf "Echos" extrem reduziert. Erklingen kaum
noch, und wenn dann, eher zurückhaltend. Was auffällt ist der Mut zur
Veränderung, zu Experimenten, denn der Teufel (hier die Ironie!) liegt wie
immer im Detail.
In dem zarten Dubrhythmus bei "Ein Hauch von
Menschlichkeit" der schon fast an MASSIVE ATTACK erinnern möchte,
wären da nicht die Streicher und die im Refrain sich steigernde Wucht. Da
ist es Anne Nurmis sphärische Gesangseinlage bei "Apart" einem Song
der so schwebend, so zart, so mythisch daherkommt, das er die perfekte
Umsetzung des Titels ist. Eben wie ein sanftes, gebrochenes Echo von den
Felswänden zurück geworfen. Es ist der Drum'nBass Sound, welcher die
Grundlage zu "Malina" bildet, sich aus einem barockartigen Spinett
später mit Hilfe von Gitarren und Streichern, fast zu einem
Tanzflächenknaller steigert, der in seinem Leitthema dann aber auch wieder
an die Singleauskopplung "Durch Nacht und Flut" erinnert. Es ist Tilo,
der zur alternden, gebrochenen Diva wird, und in der puren Begleitung von Piano
und Streichquartett, einen perfekten, tragischen Chanson in aller bester
Caberetmanie bei "Eine Nacht in Ewigkeit" zu Gehör bringt. Es ist
das stimmlich und musikalisch perfekte "Sacrifice" das ihn als genialen
Sänger zeigt, der sich zur anfänglich durch Melotron und Leierkasten
bestimmten Melodie, in immer kompliziertere, kunstvollere Höhen schraubt.
Nicht zuletzt das opulente Schlusswerk für Gamben und Klavier, das einmal
noch, ja einmal noch, einen Hauch alter Zeiten aufleben lässt, wenn sich
aus zarten Melodien, gewaltige Chöre und Gitarrenflächen aufbauen, um
schlagartig wieder gebrochen zu werden.
Und trotz
allem, oder gerade deswegen, wirkt "Echos" sehr ruhig, sehr leicht, sehr
verspielt, so als hätte Tilo mit inzwischen über Dreißig, dann
doch seinen Ruhepunkt gefunden. Mit der eleganten Abgeklärtheit, eines
Komponisten, der sich seiner Genialität durchaus bewusst ist, diese aber
nie in den Vordergrund drängt, sondern eher den ironischen Experimenten
Raum gibt. Der weinende Clown hat gelernt zu lachen! Und zwar nicht das
bittere, schmerzliche Lächeln vergangener Tage. Mehr der selbstironische,
augenzwinkernde Blick auf die längst vergangenen "depressiven" Zeiten.
Schon nach dem ersten Hören, erscheinen die Melodien seltsam vertraut,
macht aber der zweite, dritte.... Durchgang den Hörgenuss zur waren
Entdeckungsreise. Ruhig und wie selbstverständlich den Bogen von klaren
Rocklinien, über barockartige Kammermusik, zu elektronischen Sphären,
intelligenten Spielereien und gelassenen, klassischen Meisterwerken schlagend.
Vielleicht einen Hauch von Melancholie, Sehnsucht versprühend. Aber keine
bombastische Düsternis oder schwere Trauer!
Mit "Echos" ist
LACRIMOSA auf jeden Fall ein Meisterwerk gelungen, das ich ehrlich
gesagt nach dem letzten Werk nicht mehr erwartet hätte. Ich schenke
mir das Glas noch einmal mit schwerem, roten Wein voll und drehe mich
verträumt auf den knarrenden Dielen eines alten Theatersaales, in der
Hoffnung das der Vorhang über diese Perle nie fallen wird.
Thomas Sabottka für
GOTHICWORLD
Die im November 2002 erschienene
Single-Auskopplung "Durch Nacht und Flut" stellte für die meisten
Fans eine große Enttäuschung dar; als zu poppig, für manche
sogar zu kommerziell wurde dieser Song von der Mehrheit der treuen Hörer
empfunden (von dem unglaublich schlechten Zeromancer-Remix erst gar nicht zu
reden). Ein einmaliges Ereignis in der mittlerweile 13jährigen
Lacrimosa Geschichte, denn abgesehen von den Fans, die seit
Elodia den Bezug zur Weiterentwicklung von Lacrimosa
verloren haben, hat es Tilo Wolff jedes Mal geschafft, das vorherige Album zu
übertreffen und die Hörer aus neue zu überrasche und zu
begeistern. So auch dieses Mal.
Echos entpuppt
sich als das vermutlich beste Lacrimosa Album. Schon beim ersten Hören
wird man überwältigt von der unglaublichen Tiefe des Gefühls,
das in diesem Album steckt. Musikalisch betrachtet vielleicht das ruhigste
Album, doch hier brodelt eine unglaubliche Kraft unter der Oberfläche, die
dem ganzen eine faszinierende Dynamik verleiht. Die fast schon klassische Musik
rangt sich um die überaus poetischen Texte und eröffnet mühelos
einen tiefgehenden Zugang - mehr denn je stehen die Texte im Vordergrund, ihre
emotionale Tiefe dringt tief in die Seele (und auch das Herz) und lässt
niemanden unberührt.
Eine emotionale Kraft, die sich
schwer mit Worten allein beschreiben lässt. Die Echos der Vergangenheit
hallen wider in diesem Album, viel von Lacrimosas Ursprüngen ist zu
spüren, diese unglaubliche Intensität des Gefühls kennzeichnete
auch die frühen Alben Angst und
Einsamkeit (wenn die Gefühle auch dort anders
verarbeitet wurden, sowohl musikalisch als auch geistig). Auch musikalisch
schlägt Tilo Wolff einen großen Bogen, beginnend bei Klassik oder
auch Einflüssen des Barock über eine Art von Kammermusik bis zu
modernen Musikformen wie die elektronischen Einflüsse in Ein
Hauch von Menschlichkeit; seinem Ruf als Mozart des 21.
Jahrhunderts kann wohl nichts besser untermauern als dieses Album.
Ungewöhnliche, oder besser für Lacrimosa untypische
Instrumente sind zu finden, Spinett, Besenschlagzeug, Xylophon; vor allem die
Gambe (eine Art Vorläufer des Cello) weiß zu faszinieren.
Das 13minütige
Instrumentalstück Kyrie (lediglich mit Chor) führt
als Ouvertüre ein in die tiefe Gefühlswelt, die Reise endet mit dem
Requiem Die Schreie sind verstummt (beide Songs sind
übrigens gleich lang). Dieser Song ist ein absolutes Meisterwerk und
zweifellos einer der Höhepunkte in Tilo Wolffs Schaffen. Ein Song, der
nicht nur alles vereint, was Lacrimosa musikalisch und inhaltlich
ausmacht (und das von den Anfängen bis heute); nie gab es einen Song, der
so berührt.
Echos ist nicht
ein Konzeptalbum wie Fassade es war, dennoch sind die Songs
untereinander thematisch verbunden, das Album ist durch Untertitel (Suche,
Hingabe, Bitterruf) strukturiert. Auch wenn der Vergleich nicht ganz treffend
ist, so fühlte ich mich doch an Dantes Reise (in Die göttliche
Komödie) erinnert, Himmel und Hölle, Schmerz und Liebe, Freude
und Ernüchterung, alles ist in diesem Album vereint.
Besonderes Augenmerk ist auch auf
das Cover zu legen, das ebenso wie die Single in einer Art
Breitwandformat präsentiert wird, schwarze Balken säumen
das faszinierende gezeichnete Bild: Nicht wie üblich in
schwarz/weiß, sondern leicht vergilbt wirkend, wie auf einem alten
Gemälde, tritt der Lacrimosa Clown auf einem majestätischen
Schiff eine Reise (wie eben Dante) an. Das Booklet ist ähnlich antik
gestaltet, mit einer Schrift, die leider extrem schwer lesbar ist.
Der einzige Schwachpunkt des Albums
ist Durch Nacht und Flut, musikalisch immer noch etwas fehl
am Platze wirkend, zu offensichtlich wirkt die Aufbruchsstimmung musikalisch
umgesetzt. Dennoch entfaltet dieser Song in den Albumkontext eingebettet eine
andere Wirkung, der Zugang ist einfacher und somit die Konzeption des Songs
besser nachzuvollziehen. Auch wird deutlicher, warum dieser Song als
Singleauskopplung eine Brücke zwischen den Alben bildet. (Eine notwendige
Brücke, da Fassade ein in sich geschlossenes Album war,
ist der erste Song von Echos keine Anknüpfung an den
letzten Song des vorhergehenden Albums, wie es sonst stets der Fall war.)
Lacrimosas achtes Album ist
ein Meisterwerk, wie man es in dieser Form noch nicht gehört hat, mit
Worten allein nicht zu erfassen. Echos als ein Spiegelbild
der Seele, ein Reise in die tiefsten Gefühlswelten wer kann da
widerstehen?
JACK für
GOTHICWORLD
Nach dem Blick auf die "Fassade" folgt nun also der
Widerhall und erneut ist die kompositorische Leistung und die Weiterentwicklung
Tilo Wolffs als Songschreiber mehr als bemerkenswert. Die Integration von
klassischen Passagen in das von Gothic und Rock geprägte musikalische
Erscheinungsbild scheint mühelos und welches Selbstvertrauen Tilo
mittlerweile mit der klassischen Materie gewonnen hat, beweist gleich der
Opener "Kyrie", das durch seine bombastischen Chor- und Satzgesänge
und der zugrunde liegenden Musik durchaus als geistliches und demnach sehr
getragenes Werk die neugewonnene Qualität Lacrimosas eindrucksvoll
unterstreicht.
 Überhaupt vermittelt
"Echos" einen überwiegend sehr ruhigen Eindruck, geprägt von
weiteren musikalischen Experimenten wie lateinamerikanischen Rhythmen und einem
Xylophon im an Nick Cave zu "The Good Son"-Zeiten erinnernden
"Sacrifice", dem von Anne gesungenen und balladesken "Apart" oder
dem von Elektronik und jazzigen Percussions geprägten "Ein Hauch von
Menschlichkeit". Tilos Gesang wirkt souveränerm und passt sich
harmonischer in die einzelnen Songs ein als zu früheren Zeiten. "Eine
Nacht in Ewigkeit", wie auch "Die Schreie sind verstummt"
unterstreichen abermals den ruhigen Tenor des Albums, der nur durch die vorab
veröffentlichte Single "Durch Nacht und Flut" und "Malina"
durchbrochen wird.
Mit "Echos" haben Tilo und Anne offenbar
ihren Stil nun endgültig gefunden und man kann sich bei aller Klasse der
vorhergehenden Alben der Beiden des Eindrucks nicht erwehren, dass
Lacrimosa musikalisch nun endgültig erwachsen geworden sind.
"Echos" ist demzufolge das reifste und beeindruckendste Album
Lacrimosas.
Michael Kuhlen (OBLIVEON) für
GOTHICWORLD
"Echos":
01. Kyrie (12:42) - Overture 02. Durch Nacht und Flut (6:03) - Suche
Part 1 03. Sacrifice (9:28) - Hingabe Part 1 04. Apart (4:16) - Bittruf
Part 1 05. Ein Hauch von Menschlichkeit (5:05) - Suche Part 2 06. Eine
Nacht in Ewigkeit (5:52) - Hingabe Part 2 07. Malina (4:48) - Bittruf Part
2 08. Die Schreie sind verstummt (12:42) - Requiem für drei Gamben
und Klavier |
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Kontakt:
www.lacrimosa.de www.hall-of-sermon.de www.lacrimosa-fanhomepage.de |
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