CD-REVIEWS:

Kassandra    ANUBIS: "Kassandra"
CD (Eigenvertrieb)
     

AnubisANUBIS, eine Band die wir jetzt schon eine ganze Weile ihres musikalischen Weges begleiten. Unvergessen ihr Auftritt beim GothicWorldTreffen 2000, ihr Album "Dying of Utopia" (meine persönliche Einstiegsdroge), die unvergessliche Releaseparty zum dritten Album "Heroin(e)" und nun also das neues Werk der Hanauer: "Kassandra".

Noch immer hat für mich völlig unverständlich leider kein Label angebissen, was die Truppe um die charmate Sängerin Barbara Volpert aber nicht entmutigen ließ, erneut in Eigenregie ein Album vorzulegen, das vor gothic-metallenen Klangfreuden nur so strotzt.

Im Vorfeld zu "Kassandra" haben ANUBIS dennoch einige grundlegende Entscheidungen getroffen. So trennte man sich von Shouter Jan Bairlein, um nicht in den breitgetretenen Metalsumpf von "Growls and Heavenly Voices" zu versinken. Auch wenn ich Jan als lieben Kumpel kennengelernt habe, zeigt mir das hörbare Ergebnis auf dem vorliegenden Tonträger als eine weise, der Band dienliche Entscheidung. Denn wesentlich freier kann sich die Ausnahmestimme von Barbara jetzt entfalten. Nur hier und da werden männliche Hintergrundstimmen und -gesänge songdienlich in die anubischen Kompositionen eingeflochten.

Die zweite grundlegende Entscheidung ist die Bekennung zum ausschließlichen Einsatz der deutschen Sprache. Sicher ein Risiko in den gothischen Kitschladen abzusinken. Aber mit einem konzeptartigen Rahmen und wohlgetroffenen Lyrics hat man bei Anubis auch diese Gefahrenklippe mit Bravour umschifft.

Das Album trägt den Untertitel "Die Schrift gegen den Krieg" der überall um uns herum tobt. Nicht nur in den Kriesengebieten weit weg im Fernsehen, sondern auch tagtäglich im Umgang mit unseren Mitmenschen, unseren Beziehungen im täglichen Konkurenzkampf. Lieder wie "Meine Liebe" und "Hass" machen das allzudeutig. Gleichzeitig verpacken ANUBIS den alltäglichen Kleinkrieg in zeitlose musikalische Epen mit klassischen und modernen Stilmitteln, die einem auf erdrückende Weise deutlich machen, wie lange sich die Menschheit schon in diesem Kampf befindet.
Was bleibt, sind "Ruinen" der Menschlichkeit. Ein wahrlich ergreifendes Album, das im Innersten berührt.

Und das alles im Alleingang einer Band, die sich nicht unterkriegen läßt, sich vielmehr in Punkto Ideenreichtun und athmosphärisch dichter musikalischer Ausgestaltung nochmal um mindestens 100 Prozent gesteigert hat! Ich ziehe meinen Hut!


Sir Ritchie für GOTHICWORLD


"Kassandra"-Tracklist:
01. Körper aus Glas
02. Meine Liebe
03. Pantha
04. Neue Herren
05. Aineias I
06. Hass
07. Ruinen
08. Aineias II
09. Quellen des Seins
10. Kassandra
     Kontakt:
www.world-of-anubis.de

to the reviews