interview:

J A N U S
- nach der Winterreise

Dirk RIG RiegertHier RIG, der Geschichtenerfinder und Stimmoberhaupt von JANUS mit seinen ersten Rückblick der "Winterreise" und einem kleinen Ausblick auf zukünfitige Aktivitäten vom Gäsehautmusik-Gespann Dirk RIG Riegert und Thobias Hahn:


GW: Hallo RIG, danke dass du Dir Zeit nimmst, kurz mit uns zu sprechen.
RIG: Kein Problem.

GW: Wie kommt eine Band wie JANUS, die für ihre elektronischen Klänge bekannt ist, darauf, ihre Songs auf klassische Art und Weise zu interpretieren?
RIG: Angefangen hatte alles mit einem Gag auf dem Herbstzeitlos-Festival 2001 auf Burg Kriebstein. Es hieß, dass es dort Schlossführungen geben würde und wir dachten uns, dass es doch eine nette Idee wäre, wenn wir dann im Konzertsaal plötzlich mit Cello und Violine am Flügel stehen würden und ein, zwei Lieder, den vorbeiflanierenden Besuchern zum besten geben würden. Am Ende würden es fünf Lieder und glich eher einem kleinen Konzert, als einer spontanen Einlage. Alles war noch ein wenig holprig, aber es hat Riesenspaß gemacht. Noch am selben Abend beschlossen wir, so etwas noch einmal mit besserer Vorbereitung zu veranstalten. Die Idee der Winterreise war geboren und wurde kaum ein halbes Jahr später in die Tat umgesetzt.

GW: Die Winterreise hat euch ja zu verschiedenen Orten geführt. Gab es Locations, die euch besonders gefallen haben? Wie hat das Publikum die klassische Variante von JANUS aufgefasst?
RIG: Es war eigentlich überall schön. Selbst auf Schloß Forderglauchau, dessen Konzertsaal eher einer einer Schulaula glich, als einem prunkvollen Schloßsaal. Sehr schön war es in der Zitadelle Spandau, natürlich auf Burg Kriebstein und im Ikonenmuseum in Frankfurt hatten wir eine besonders schöne Akustik! Das Publikum war generell sehr begeistert, haben die Leute doch gemerkt, dass alles echt ist - keine Samples, keine Elektronik. Es war halt wirklich unplugged, ohne jede elektronische Verstärkung für Musiker und Sänger.

GW: Werdet ihr die Winterreise wiederholen oder ist etwas ähnliches geplant?
RIG: Zum WGT spielen wir am 19.05. um 17.30 in der Lutherkirche in Leipzig. Dort natürlich auch akustisch. Es gibt eventuell einige Neuerungen, schließlich ist eine schöne Orgel vor Ort! PERSEPHONE wird ebenfalls in der Lutherkirche spielen, so dass man auf die von vielen liebgewonnenen Duette wohl nicht verzichten muss...

GW: Stichwort PERSEPHONE: Die meisten Leute sind sicherlich wegen JANUS zur Winterreise gekommen, hatten jedoch das Glück eine stimmlich kraftvolle Sonja Kraushofer zu hören. Nicht so, wie auf der Platte...
RIG: Sonja war stimmlich sehr gut aufgelegt! Die Auftritte haben gezeigt, was alles in ihr steckt! Ich selbst fand es beeindruckend, wie deutlich sie sich vom, alles andere als schlechten, ersten Auftritt bis hin zum perfekten, abschließenden Gig im Ikonenmuseum immer weiter steigern konnte. Im Studio steht man eben da, weiß, es ist Aufnahme und versucht, perfekt zu sein. Da gerät zuweilen einiges steriler und lebloser als geplant, das kenne ich von eigenen Aufenthalten am einsamsten Ort der Welt, der Gesangskabine, nur zu gut!

GW: Kommen wir noch kurz zur Winterreise CD. Darauf finden wir das altbekannte LOLITA in einer genialen Version, zwei neue Stücke und dazu zwei Cover-Versionen bzw. Übersetzungen aus dem Englischen. Warum diese beiden Stücke?
RIG: "Halleluja" ist im Original von Leonard Cohen. Es passte einfach gut zur Stimmung der Winterreise. "Der Mörder in mir" stammt von den Smashing Pumpkins (Original Titel: Disarm) und war von der Instrumentierung her genau wie bei uns auf der Winterreise, außer dass wir keine schrammelnde Akustikgitarre dabeihatten, dafür aber einen sägenden Cellisten!

GW: Nun noch ganz schnell zu den weiteren Plänen mit JANUS. Neues Album, Tour, etc?
RIG: Das neue Album ist in Arbeit, es soll im nächsten halben Jahr fertig sein, aber bei JANUS kann das bekanntlich auch schnell eine Jahr werden... Mit einer Veröffentlichung ist aber vor 2003 nicht zu rechnen! Wenn dann das Album dann fertig ist, gibt es natürlich auch eine Tour dazu.

GW: Steckt das neue Album ebenso tief in einem Konzept wie "Schlafende Hunde"?
RIG: Nein, es verhält sich da eher wie bei "Vater": es gibt einen roten Faden, aber nach einer alles strukturierenden Geschichte, wie der von Mr. Drown sucht man vergeblich. Ich wollte nicht wieder alles in ein festes Konzept pressen. Das ist immer Stress, denn dann fehlt evtl. noch ein Song und du musst einen schreiben, der genau da reinpasst. Dazu hatten wir keine Lust, die einzelnen Lieder sollen wieder etwas mehr im Vordergrund stehen!

GW: Dann bedanke ich mich für das Interview und für deine Zeit.


Stephan Urbach für die GOTHICWORLD