live-review:

STOLZES HERZ
17.03.2002, "Shadow" Leverkusen

Stolzes HerzDas Shadow in Leverkusen ist zwar ein recht kleiner Club, der sich aber nichts desto trotz oder gerade deswegen durch ein gemütliche, fast familiäre Atmosphäre auszeichnet. Das Fehlen einer Bühne hat auch Bands wie die CRÜXSHADOWS nicht gestört, warum sollten also eher Theaterorientierte Gruppen wie STOLZES HERZ dem abgeneigt sein.

Im Gegenteil, trotz etwas improvisierter Absperrung der Tanzfläche, kam das Gesamtdeko des Clubs (wie z.B. Große Spiegel) dem Charakter der von STOLZES HERZ dargebotenen Performance sehr nah. Auch der anfänglich unglücklich erscheinende Termin (Sonntagabend) erwies sich als gar nicht so ungünstig. Immerhin waren somit nur Leute da, die ausschließlich wegen STOLZES HERZ kamen und nicht die sonst übliche Verwirrpraxis einen Akt wie diesen in ein Discoprogramm oder zusammen mit anderen "Headlinern" auf die Bühne zu stellen. Auch war der Club nicht so voll wie an Samstagabenden und somit hatte das Publikum genügend Raum sich zu setzen und somit Muße zu entwickeln um dem anspruchsvollen "Narren und Engel" Konzept zu folgen.

STOLZES HERZ gehörte dem Publikum und das Publikum gehörte STOLZES HERZ. Für mich war es insofern eine Premiere das ich das neue Programm in voller Besetzung und Länge zum Erstenmal sah.

Stolzes HerzDas Konzept des aktuellen Albums wird live mit Hilfe von drei Tänzern (zwei Frauen und ein Mann), diversen Dekos wie Kerzenleuchter, schwarzen Stoff und gemalten Fenstern optisch umgesetzt. Wozu man nur sagen kann, das die Leistung der Tänzer, oder sollte man hier lieber von Performanceakteuren sprechen, äußerst beeindruckend ist. Sind das wirklich noch Laien?

Wenn man das Album beim Hören nie so recht verstanden hat, zu faul war die Texte im Booklet zu lesen dann begreift man die Geschichte spätestens beim Zusehen. Musik und optische Darstellung erreichen auf der Bühne eine selten gesehene Einheit, an der sich manch andere Bands, die ja gelegentlich auch schon mal halbnackte Frauen herum hampeln lassen, eine dicke Scheibe abschneiden können.

Die größte Überraschung bot sich mir aber in der gesanglichen Umsetzung. Oliver Schramm (in eher zurückhaltendem Outfit) und Bianca Lamp standen im Hintergrund nebeneinander vor einem Schwach beleuchteten Pult und gaben so den Eindruck eher unbeteiligte Gäste zu sein, als darstellende Akteure. Das hatte optisch etwas von den Chören in griechischen Tragödien. Für das Ohr aber boten Beide eine gesangliche Hochleistung die alles übertraf und vor allem einige böse Zungen in ihre Schranken wies. Oliver Schramm spielte mit seiner Stimme, wagte Experimente, die von dem aufmerksamen Publikum auch honoriert wurden. (Wie das fast "gegrowlte" Flüstern am Ende von "Illusion der Stunde". Wenn Hr. Schramm hier finster und verzweifelt flüstert "ich bin ein Narr" dann ist kaum mehr Emotion möglich!)

Stolzes HerzEine weitere Überraschung aber war Bianca Lamp. Die erst vor relativ kurzer Zeit bei STOLZES HERZ eingestiegene Sängerin, bewies live eine eindrucksvolle, klare und sehr sichere Stimme, die fast noch deutlicher zum Tragen kam als auf der CD.
Absoluter Höhepunkt das von ihr (im Gegensatz zur CD) allein gesungene "Ich bin du" bei dem Oliver nur die Backingparts übernahm. Tiefe männliche und hohe weibliche Stimmen mögen ja in letzter Zeit etwas in Verruf gekommen sein, aber bei STOLZES HERZ ist dies eine absolute Bereicherung.

Hier schließt sich der Kreis, des hohen und am Anfang gewagt erschienenen Anspruchs von Mastermind Oliver Schramm. Alles bildet eine Einheit, in sich stimmig und trotz aller möglichen Fehler (die für eine Band im sogenannten "Amateurbereich" wohl auch verzeihbar sind) vor allem eins:
Emotional, intensiv, ehrlich und dadurch auch schon wieder perfekt.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


zum Interview mit STOLZES HERZ
zum CD-Review von "Narren & Engel"
zum CD-Review von "Live"
zum CD-Review von "Neues Leben"

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