CD-REVIEWS:

Navigating by the Stars    JUSTIN SULLIVAN:
"Navigating by the Stars"
CD (Attack Attack Records)

Justin SullivanNew Model Army-Frontmann Justin Sullivan erzählt eine Geschichte: er auf einem Frachtschiff auf dem Weg von Good-Old-England über den großen Teich und rundherum über hunderte Seemeilen über Tage keine Menschenseele und heftige Stürme. In dem verrauchten, kleinen Klub wird es atemlos still und plötzlich versteht jeder die tiefe Melancholie, die sein Solo-Album "Navigating by the stars" durchzieht.

Durchweg eher spärlich instrumentiert, ist "Navigating by the stars" eine musikalische Offenbarung. Selten habe ich Gefühle so genau umgesetzt gehört, selten gab es Einsamkeit, Leere und Hoffnung so ehrlich zu hören und selten waren leise Töne soweit weg von Kitsch, Pathos und Peinlichkeit.

Schon seit einigen Jahren trug sich Sullivan mit dem Gedanken, ganz allein etwas zu veröffentlichen und die kleinen Konzertreihen "Justin Sullivan and friends" boten immer die Chance neben New Model Army-Titeln das eine oder andere ureigene Stück einzustreuen - das baute Erwartungen auf, denen Sullivan mit dem ersten Hören bereits voll gerecht wird. Mit dem Opener "twilight home" löst man die Leinen und begibt sich auf eine Fahrt hinaus in die Ferne, die Weite und Freiheit. Die Melodien fesseln nicht, sie engen nicht ein, geben nichts vor - sie führen einen nur ein wenig über den Ozean der Gefühle und Gedanken. Die Reise ist rasant, voller neuer Sichten und erreicht mit "tales of the road" einen ersten deutlichen Höhepunkt: erfrischend arrangiert, herrlich melodiös und getragen von der Sanftheit der Stimme Justin Sullivans. Es gibt keine Flaute, nur ruhige See, wie beim Titelsong "navigating by the stars", so ergreifend authentisch. Der Wind frischt auf und man segelt selig zu "ghost train", ein Titel, der am ehesten an ruhige Stücke von New Model Army erinnert. Und bevor die Reise zu Ende geht treibt man auf einer gigantischen Welle, dem romantischen "changing of the light", einem seltsamen Glücksgefühl entgegen: So muss handgemachte Musik klingen.

Und als hätte es Sullivan geahnt, ist der letzte Song, "apocalypse dreams", der traurigste: eine wundervolle Reise geht zu Ende, ein Sehnen geht zu Ende, ein Lebensweg geht zu Ende….
Aber Lebenshilfe á la Justin Sullivan naht mit der letzten Textzeile: "…maybe it´s time - to turn this ship around"

PS: Für alle, die die Kraft und die Atmosphäre der Songs live spüren wollen: Anfang Mai ist Justin Sullivan noch einmal auf Tour in Deutschland.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01 - twilight home
02 - blue ship
03 - ocean rising
04 - sentry
05 - tales of the road
06 - navigating by the stars
07 - sun on water
08 - ghost train
09 - green
10 - home
11 - changing of the light
12 - apocalypse dreams


Kontakt: www.newmodelarmy.org


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