interview:

L´ÂME IMMORTELLE
"Die Liebe darf nicht sterben..."
Thomas Rainer

"Als die Liebe starb" lautet der Titel des neuen L´Âme Immortelle-Albums und thematisiert somit erneut die Liebe und den Schmerz über ihren Verlust als das bewegende und beherrschene Thema. Doch wo L´Âme Immortelle sich thematisch lediglich einem weiteren Aspekt dieser uns allen so leidvoll bekannten Problematik widmen, überrascht das Album musikalisch auf ganzer Linie.

Gefühlvollere Arrangements, stets präsente Gitarren, sei es nun eingebettet in sphärische Sounds oder rockigere Töne, und ein ungemein gereiftes Songwriting haben die Elektronik früherer Tage und die damit einhergehende Tanzbarkeit als Erfahrungen aus den Soloprojekten Sonjas mit Persephone und Thomas´ mit Siechtum in den Hintergrund gedrängt. Weiteren maßgeblichen Anteil an dieser neugewonnen musikalischen Reife besitz zweifelsohne auch Ashley Dunbar, der den aus eigenem Antrieb ausgestiegenen s Hannes Medwenitsch bereits letztes Jahr auf dem M´era Luna-Festival in Hildesheim ersetzte und hier neue musikalische Akzente zu setzen weiss.

Sonja KraushoferL´Âme Immortelle haben mit ihrem neuen Album, auch wenn man dies im Lager der Band vielleicht nur ungern hört, ihre scheinbare kindliche Naivität abgelegt und ein sehr intensives, nachdenkliches wie auch gefühlvolles Werk abgeliefert, das sich, wie selbstverständlich, zudem noch durch tolle Harmonien auszeichnet. Unseren Fragen stelle sich Thomas Rainer, der sich auch durch die geäusserte Kritik nicht aus der Ruhe bringen liess und alle Fragen geduldig über sich ergehen liess.


GW: Die vielleicht ungenehmste Frage gleich vorweg. Es hat einen Besetzungswechsel bei L´Âme Immortelle gegeben und Hannes Medwenitsch ist nicht bei der Band. Was waren die Gründe für seinen Ausstieg? Nimmt man sein Album mit Nature Destroyed als Grundlage könnte man meinen, musikalische Differenzen wären der ausschlaggebenden Grund gewesen.
Thomas: Ich denke zu diesem Thema wurde bereits alles nötige in der Pressemitteilung von Hannes gesagt. Ich möchte aus Gründen des Respekts für seine Privatsphäre jetzt auch nicht näher auf dieses Thema eingehen. Für Spekulationen ist der Raum natürlich weit offen und im Endeffekt bildet sich sowieso jeder seiner eigene Meinung.

L´Âme ImmortelleGW: Welche Rolle habt ihr demnach Ashley von Whispers in the Shadow zugedacht, der die Band ja bereits auf dem M´era Luna-Festival unterstützt hat? Ist er nun ein festes Bandmitglied oder eher ein Session-Musiker?
Thomas: Ashley hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Songwriting des aktuellen Albums gehabt. Dieser Einfluß schlägt sich auch bei den Proben zur kommenden Live Präsentation des Albums stark nieder, was L´Âme Immortelle sehr gut tut. Er ist aber trotzdem kein festes Bandmitglied, wird uns aber auf jeden Fall in Zukunft sowohl live als auch beim Songwriting zur Seite stehen.

GW: Ihr seid alle in verschiedenen Nebenprojekten aktiv (Siechtum, Persephone, Nature Destroyed, Whispers in the Shadow). In wieweit finden diese musikalisch ja sehr differierenden Projekte ihren kreativen Niederschlag bei L´Âme Immortelle?
Thomas: Ich kann jetzt hier nur für mich sprechen und muss sagen, das sich vor allem das experimentelle Soundtüfteln bei Siechtum auch im der Klanggestaltung des neuen Album sehr stark niedergeschlagen hat. Mit jedem Song und jedem Text den man schreibt gewinnt man an Erfahrung als Künstler und daher haben die Solo Projekte natürlich Einfluss. Man kann dort einfach Dinge ausleben, die beim Hauptprojekt aus verschiedenste Gründen keinen Platz haben.

GW: Wie sehr ihr selbst die musikalische Entwicklung L´Âme Immortelles seit dem letzten Album? Ich finde, ihr habt in jeder Beziehung neue musikalische Tiefen ausgelotet. Die akustischeren Passagen sind ebenso prägender ausgefallen, wie auch die elektronischeren. Auch der häufigere Einsatz von Gitarren fällt auf. Habt ihr mit "Als die Liebe starb" nun den Status und die Qualität als Musiker erreicht, nach der ihr vielleicht immer schon gestrebt habt? Oder, um es vielleicht etwas ketzerischer zu hinterfragen: sind L´Âme Immortelle nun auch musikalisch ihren Kinderschuhen entwachsen?
Thomas: Ich würde das nicht so platt formulieren. Jedes Album war für seine Zeit extrem wichtig, und es als "Kinderei" abzutun würde den tiefen künstlerischen Sinn jedes Albums abwerten. Auf jeden Fall kann man aber sagen, dass wir als Songwriter extrem gereift sind. Das hat einerseits viel mit Erfahrung zu tun, andererseits sicher auch viel mit den neuen technischen Möglichkeiten. Ich verfüge ja mittlererweile über ein eigenes Studio und wir konnten dort das Album bis zu einem wesentlich reiferen Punkt bringen, bevor es nach England ins Studio ging, als jemals zuvor.

GW: Das Artwork zum neuen Album ist fantastisch, sicher aber auch nicht ganz billig. Mich würde aber vielmehr der Bezug der Zeichnungen zum Kontext des Albums interessieren. Die nackte und verletzliche Frau, die im Mittelpunkt steht und begehrt wird, innerlich aber verlassen ist und mit dem Schmerz der Liebe alleine fertig werden muss, um letzten Endes daran zu zerbrechen?
Thomas: Es ist immer wieder interessant wie verschiedene Leute das Artwork deuten, und so soll es auch sein, weil es dadurch für jeden eine eigene "maßgeschneiderte" Geschichte erzählt. Sonja´s Konzept allerdings geht in eine völlig andere Richtung. Die Perspektive der L´Âme Immortelle-Artworks kommt grundsätzlich schon mal vom Text, also von mir. Daher geht es darum wie ICH etwas sehe, fühle usw. Sonja versucht sich bei der Umsetzung in mich hineinzuversetzen bzw. sich selbst zu fragen wie sie, an meiner statt, mit dem Thema umgehen würde. Sie hatte den Ansatz, dass jeder, der "verlassen" wird, dem ehemaligen Partner in manchen Situationen sowohl Tod und Teufel an den Hals wünscht (die Butterbrotpapierseiten mit den Überlappungseffekten) als ihn auch verzerrt und entstellt sieht, entweder hässlicher als er ist oder auch nur in seiner wahren Gestalt, die emotionale Idealisierung der körperlichen Erscheinung des Anderen ist also beendet.

GW: Was verbindet ihr mit dem Begriff der Liebe, was mit dem Begriff des Hasses? Ist das Leben noch lebenswert, wenn die Liebe gestorben ist? Macht Liebe blind? Ist es nicht ein Widerspruch, wenn eine Band mit dem Namen L´Âme Immortelle ein Album mit dem Titel "Als die Liebe starb" veröffentlicht?
Thomas: Zu all diesen Fragen kann ich eigentlich nur sagen, dass sich der geneigte Zuhörer einfach das Album anhören soll, denn genau dort kann man am besten die Antworten auf diese Fragen finden. Ich sehe allerdings keinen Widerspruch zwischen der unsterblichen Seele (L´Âme Immortelle) und einer sterblichen Liebe.

L´Âme ImmortelleGW: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Album zu veröffentlichen, dass sich einzig und alleine mit dem Verlust der Liebe beschäftigt? Persönliche Erfahrungen, an denen ihr beinahe zerbrochen seid?
Thomas: Genau das war es, die Texte, und damit das Konzept des Albums zeichnen meinen Leidensweg nach einer gescheiterten Bezeihung nach.

GW: Ist das größte Problem der Liebe nicht die Erwartungshaltung, die man einem anderen Menschen gegenüber hat und die nicht in dem Maße erfüllt wird, wie man es sich selbst erhofft?
Thomas: Also wenn ich jetzt eine pauschale Antwort geben könnte, was das Problem der Liebe ist, hätte ich denke ich schon den Nobelpreis für Philosophie verdient. Diese Thematik ist viel zu komplex um sie pauschal zu erörtern. Man könnte aber zusammenfassend sagen, dass der Haken an der Liebe der Menschen ist, dass sie zwischen Menschen stattfindet.

GW: Ihr seid viel unterwegs, spielt Alben ein und steht bis zu einem gewissen Grad auch in der Öffentlichkeit stets unter Beobachtung. Wo findet ihr den Platz für eure Liebe? Ist es mit dem Status, den L´Âme Immortelle mittlerweile haben, schwerer für euch geworden, neue Liebe(n) zu entdecken?
Thomas: Die Leute die uns nur interessant finden, weil wir das tun, was wir tun, sind natürlich eine stetig stark wachsende Gruppe, aber ich würde es niemals auch nur in Erwägung ziehen jemanden, den ich aus dem Grund kennen lerne, dass ich Thomas von L´Âme Immortelle bin, überhaupt in einer nähere Auswahl zu nehmen. Wenn man es aber ausweitet und sagt, es ist schwieriger Zwischenmenschliche Kontakte herzustellen, dann kann ich dem nur völlig beipflichten. Auf diesem gebiet tun sich die Schattenseiten des Ruhmes oft nur allzu deutlich auf.

GW: In wieweit hat euer Produzent John A. Rivers Einfluss auf das Songmaterial genommen? Wie ging die Zusammenarbeit mit ihm vonstatten und wie groß war sein Einfluss auf L´Âme Immortelle, sich neuen musikalischen Horizonten zuzuwenden?
Thomas: Mann muss hier ganz klar zwischen dem Sound des Albums und dem Arrangement unterscheiden. Was den Sound angeht hatten wir eine ziemlich klare Vorstellung wie das Album klingen soll. Genau das hat John versucht möglichst genau umzusetzen. Es ging uns darum, die doch noch ziemlich elektronischen Arrangements möglichst organisch klingen zu lassen, was denke ich sehr gut gelungen ist. Die Arrangements waren bereits bei der Vorproduktion, die wir bei mir im Studio gemacht haben, sehr ausgefeilt. John hatte hier und da noch ein oder zwei Ideen, die wir, insofern sie uns gefallen haben, auch einfließen haben lassen.

L´Âme ImmortelleGW: Gibt es eurerseits Pläne für die Veröffentlichung eines Live-Albums oder gar einer DVD? Gerade solch ein Konzept wie das des neuen Albums schreit doch geradezu nach einer visuellen Umsetzung.
Thomas: Es gibt diesbezüglich schon klare Vorstellungen und Pläne, allerdings fehlt noch der richtige Mann/Frau für den Job sowie ein gutes Konzept. Wenn, dann wollen wir keine DVD um des Mediums willen machen, sondern es soll auch Hand und Fuß haben.

GW: Die Promos zum neuen Album sind beinahe ein Vierteljahr vor dem Erscheinungstermin versandt worden. In einer Zeit, in der jede Plattenfirma aufgrund des Downloadens aus dem Internet bestrebt ist, ihre Promos so spät wie möglich an den Mann zu bringen, ist das ein ziemlich risikoreiches Unterfangen. Seid ihr euch dieser Gefahr bewusst gewesen oder ist das eine Entscheidung der Plattenfirma, bei der ihr keinerlei Einfluss nehmen konntet?
Thomas: Wir haben uns diesbezüglich mit der Promotionagentur und der Plattenfirma besprochen und haben uns auf dieses "frühe" Promotionkonzept geeinigt. Damit wir dem Problem der Vorab-Kopien aus dem Weg gehen können, haben wir NUR die Promotionexemplare der CD mit einer Neuartigen elektronischen Registrierung ausgestattet, die uns erlaubt festzustellen, wer die CD verbreitet hat, sobald uns MP3s oder Kopien der CD in die Hände fallen. Bis zum heutigen Tag sind uns bei unseren regelmäßigen Kontrollen einschlägiger Foren, Websites und File Sharing Netzwerken noch keine MP3s in die Hände gefallen, gut so. Einzig und allein bei Ebay haben dreiste Personen Promotion CDs zum Verkauf angeboten. Entsprechende rechtliche Schritte gegen diese wurden bereits eingeleitet. Wenn NACH der VÖ des Albums MP3s gezogen werden, die CDs kopiert werden usw. finde ich das völlig in Ordnung, aber vor dem Veröffentlichungsdatum und dann noch Personen, die das Privileg haben, Promo CDs gratis und ein Vierteljahr vorher zu erhalten, dafür habe ich kein Verständnis und finde das äußerst erbärmlich, daher - "Zero Tolerance". Vor allem sind das dann genau diejenigen, die sich dann beschweren weil nur noch Snipplet CDs oder Instrumentalversionen als Promos raus gegeben werden, oder die Promo erst viel zu kurzfristig anlaufen kann. Verrückte Welt….

GW: Wie haltet ihr die Spannung aufrecht, dass das Album und die Live-Performance zum Album auch noch so lange nach Abschluss der Aufnahmen noch frisch auf die Zuhörer wirken? Immerhin liegen zwischen dem Abschluss der Aufnahmen und dem Beginn der Tour gut sechs Monate, in denen man sich ja auch als Mensch weiter entwickelt.
Thomas: Ganz einfach: wir proben seit September in neuer Live Besetzung das neue Set. Haben alte Songs ins Klanggewand der neuen CD gepackt und haben einfach einen Haufen Spaß beim Musikmachen.

L´Âme ImmortelleGW: Abschließend noch eine wieder etwas ketzerischere Frage. Ich habe L´Âme Immortelle im Laufe der letzten Jahre einige Male live gesehen und finde, dass die Konzerte nie wirklich überzeugen konnten. Häufige technische Probleme und vor allem deinen Gesang fand ich im Gegensatz zum häufig einfühlsamen Songmaterial oft zu hart und aufgesetzt. Kann zumindest ich, als ewiger Nörgler, da in Zukunft auf Besserung hoffen?
Thomas: Zugegebenermaßen ketzerisch, weil sich gerade jener ja auch gegen weit verbreitete Meinungen stellte. Dies ist ja auch bei uns der Fall. Die meisten Leute meinen nämlich wir seien live wesentlich besser als auf Platte, und diese Meinung teile ich eigentlich auch. Die Tour hält sicher wieder für alle Leute Überraschungen bereit, aber wir denken jetzt nicht großartig um. Die Kernkompetenzen der Band werden auf jeden Fall weiterhin aufrecht erhalten, und das ist auch gut so. L´Âme Immortelle steht für gewisse Dinge und diese sollten nicht aufgegeben werden, da es ohne diese nicht mehr L´Âme Immortelle wäre, auch wenn andere Personen so wie du da anderer Ansicht sind. Wir sehen also keinen Handlungsbedarf für eine Radikalkur unserer Live Performances, ganz im Gegenteil sehe ich sogar einen Grossteil unseres Erfolges in der hervorragenden Qualität eben dieser begründet.




Michael Kuhlen (OBLIVEON) für GOTHICWORLD


Zum Review "Als die Liebe starb"
Aktuelle Tourfotos: www.rittis.de/html/laimain.html