CD-REVIEWS:

Un Autre Décembre    SYVAIN CHAVEAU:
"Un Autre Décembre"
CD (FatCat Records)

Klassik ist ja nun nicht gerade mein Steckenpferd. Allzu weit über Bach, Beethoven und Mozart reicht mein Wissen nicht hinaus. Zugegebenermaßen wird es mit diesem Manko schwer, die vorliegende Platte gebührend zu würdigen, denn "Un Autr Décembre" ist näher an klassischer Klaviermusik, als an irgendeinem anderen Genre. Sparsam eingesetzte, fast tropfende mollige Töne, einige wenige Akkorde, sind fast die einzigen Zutaten für diese Platte. Darunter liegt ein meist kaum wahrnehmbarer elektronischer Teppich aus Geknister und Geblubber und kurzen Samples. Im letzten Titel des leider nur 23 Minuten langen Werkes kommt ein Akkordeon zu Gehör.

Beachtlich ist, dass Sylvain Chaveau nach Auskunft seiner Plattenfirma weder Noten lesen noch schreiben kann. Offensichtlich gelingt es ihm ganz intuitiv, eine warme Melancholie, ja eine fast schwelgerische Traurigkeit, in wunderschöne Töne zu gießen. Chaveau selbst erklärt dazu: "Mein ganzes Leben dreht sich um diese Obsession [schöne Musik zu schaffen, d. Autor]. Und ich glaube, dass wenn das Verlangen stark genug ist, kann ich die Tür aufstoßen."

Chaveau, kann in seinem Heimatland Frankreich eine zunehmende Popularität verzeichnen. Oft werden Vergleiche zu dem durch den "Amelie"-Soundtrack bekannten Komponisten Yann Tiersen gezogen. Bevor er sich für eine Solokarriere entschied, sang und spielte Chaveau Gitarre in verschiedenen französischen Rockbands. Sein eigener Weg sollte vor allem drei Ziele verfolgen: so nahe wie möglich an der abstrakten Schönheit der "Stille" zublieben, sicher zu gehen, dass jeder Ton absolut notwendig ist und die eigenen Wurzeln in der kulturellen und persönlichen Geschichte zu finden. Letzteres hat ihn über Komponisten wie Debussy, Ravel (die kenn ich wenigstens noch) sowie Satie und Fauré (na ja, immerhin schon mal die Namen gehört) geführt, zur "musique concrete" und elektroakustischer Musik. Nun weiß sicher nur der Fachmann was das heißt, ist aber auch nicht wirklich wichtig. Chaveau: "Ich habe acht Monate für die Arbeit gebraucht und für die Reflektion darüber, bis jeder Ton auf "Un Autr Décembre" stimmte. Als die Aufnahmen Gestalt annahmen, merkte ich, dass ich die Stücke bis ganz nackt haben wollte. Am Ende habe ich die Streicherarrangements rausgeschmissen, und nur noch das absolut Notwendige drin."
Das hört man und es ist auch noch schön.


disorder (debil - das Magazin für neue deutsche Lightkultur) für GOTHICWORLD


Titel:
01 - Minéral
02 - Sous Tes Yeux Probablement
03 - Granulation 1
04 - Neuf Cents Lunes
05 - Alors La Lumière Vacille
06 - Granulation 2
07 - Il Fait Nuit Noire À Berlin
08 - La Lettre Qu´il N´Envoya Jamais
09 - Granulation 3
10 - Un Autre Décembre
11 - Granulation 4
12 - Du Rêve Dans Les Yeux


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