interview:
CORNIX MALEDICTUM - die Kunst ist lang - das
Leben ist kurz
Thomas Sabottka
wagte das Risiko, sich in die mystische, raue und fast legendäre Welt der
Spielleute zu begeben. Was nach etlichen Hörnern Met, lautem Gesang,
wilden Tänzen und schönen Frauen in einer verräucherten Schenke,
am nächsten Morgen in Erinnerung blieb ist dieses Gespräch mit Ardor
vom Venushügel und Steffen dem
Lautenschläger:
GW: Mal abgesehen davon, das es zur Zeit ja
doch ziemlich in ist, irgendetwas mit Mittelalter zu machen, interessiert mich
schon, wie kommt man darauf, solche Musik zu machen? Normalerweise geht man
doch als Teenie irgendwie in die Garage und versucht den Kram nachzuspielen den
man selber hört! Damit fängt es dann an... Und jetzt erzählt mir
bitte nicht ihr hättet schon immer gerne Mittelaltermusik und
Minnegesänge gehört!!... Oder doch?
Ardor vom Venushügel: Minnegesänge hab
ich noch nie gern gehört (lach) Darauf gekommen sind wir durch die
Faszination des Instrumentariums . Als ich vor einigen Jahren das erste mal den
Klang von brachialen Dudelsäcken vernahm, wusste ich das ich ein solches
Monster unbedingt beherrschen lernen musste. Das Brummen der Bordune und das
'Schreien" der Schalmeien sprach sofort etwas ganz tief in mir sitzendes an -
aber so etwas muss man erleben das kann man schlecht beschreiben.
Steffen der Lautenschläger: Was mir noch
wichtig erscheint ist, die alten Melodien und Texte nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen sondern sie weiterzutragen. Wenn ich mich mit da mit `ner
Flöte an die Ecke stelle wird mir da aber niemand zuhören und das
wäre mit Sicherheit auch nicht mein Ding - Da macht es schon mehr
Spaß das so zumachen wie wir es eben tun denn das spricht nach unserer
Erfahrung jede Altersgruppe an vom Teenie bis zur Oma.
GW: Vor allem scheint Ihr ja doch ziemlichen
Wert auf Originalität zu legen. Kein Vermischen mit E-Gitarren oder
elektronischen Sounds, wie es denn z.Z. doch viele tun. Wie kommt man
eigentlich an die Instrumente, die Stücke?
Ardor vom Venushügel: Nun die Instrumente
sind zu einem Teil Eigenbau und zum anderen lassen wir sie uns von
Instrumentenbauern mit denen wir in engem Kontakt stehen herstellen denn wir
legen sehr großen Wert auf Individualität und da haben Instrumente
aus Massenproduktionen bei uns nichts zu suchen. Aber das mit der
Originalität muss ich eigentlich etwas zurückweisen denn wenn man
sich unsere Debütalbum ''...Verdammt in alle Ewigkeit" ganz genau
anhört wird man schon bemerken das es uns wichtig ist das traditionelle
mit der Neuzeit zu verbinden und wenn man uns auf Livegigs erlebt kann man das
auch sehen - denn mit ''authentischem Mittelalter" hat Cornix Maledictum mit
Sicherheit nichts zu tun. (lach) Steffen der Lautenschläger : Deshalb
trifft man uns ja nicht nur auf Mittelaltermärkten sondern auch auf
Rockevents. Unsere Songs sind zwar traditionelle Stücke aus dem 11 bis 15
Jahrhundert aber die Arrangements und die Interpretationen kann man wohl eher
unserer Kreativität und dem Jetzt zuschreiben.
GW: Ich meinte damit ja auch nicht das ihr an
der Zeit vorbei geht. Nur insgesamt wirkt Ihr originaler als so manch anderer
Truppe, die ich jetzt hier nicht nennen will. Aber zurück zum Mittelalter.
Bedeutet diese Zeit für Euch so ein wenig ein Idealbild? So nach dem Motto
die Freiheit der Spielleute, die aber im Endeffekt doch ein ziemlich raues
Leben führten, oft hungerten, oder sogar damit rechnen mussten, dass man
ihnen den Kopf abschlägt.
Ardor vom
Venushügel: Ein Idealbild mit Sicherheit nicht ! Denn ich
glaube niemand von uns möchte wirklich im Mittelalter gelebt haben. Aber
die Freiheit der Spielleute zu geniessen ist schon ein guter Grund für uns
mit der Band herumzuziehen. Spielleute waren meiner Meinung nach Rebellen des
Mittelalters denn sie zogen mit ihren (laut Kirche) teuflischen Instrumenten
durch's Land und verleiteten das Volk zur Unzucht und unkeuschen Handlungen und
in dieser Rolle fühl ich mich ganz wohl (lach)
Steffen der Lautenschläger: Ich würd'
mich trotzdem gern mal in `ne Zeitmaschine setzen um das Flair dieser
vergangenen Zeiten zu erleben und den Medikussen zu zeigen wo der Blinddarm
sitzt.
GW: Ich habe es zwar noch
nicht selbst gesehen, aber Eure Liveshows sollen ja recht beeindruckend sein.
Ist es selbstverständlich, das gerade Bands wie Ihr, oder auch Corvus
Corax lieber live unterwegs sind als im Studio? Gehört es zur
Authentizität, das Umherziehen der Spielleute?
Ardor vom Venushügel: Live zu spielen liegt
uns schon sehr am Herzen denn diese Art von Musik muss man einfach live erleben
um sie besser verstehen zu können -nackte Haut, Feuer, den Klang der
Dudelsäcke und das hämmern der Drums - das alles auch noch in der
Nacht - ein fast unbeschreibliches Erlebnis. Authentizität hin oder her -
wer kommt nicht gerne in der Weltgeschichte herum, lernt Land und Leute kennen
und wenn man ihnen dann auch noch musikalisch so richtig einheizen und mit
ihnen feiern kann ist das doch ne perfekte Sache. Was aber nicht bedeutet das
wir nicht auch gern im Studio sind denn die Erfahrungen die wir in Studios
gemacht haben was die musikalischen Möglichkeiten angeht sind schon
faszinierend.
Steffen der Lautenschläger:
Im Studio sind wir sehr in unserer Kreativität gefordert, diese
ist für unsere musikalische Entwicklung sehr wichtig.
GW: Was glaubt Ihr eigentlich selbst, warum
so viele Leute der Faszination dieser Zeit erliegen. Der Musik, den Mythen...
ich denke da auch an die vielen Rollenspieler.. könnte man denen/Euch
nicht so ein wenig Realitätsfremde vorwerfen? Ist es nicht seltsam sich so
akribisch mit etwas zu beschäftigen, es sogar zu leben, das schon so lange
Vergangenheit ist?
Steffen der
Lautenschläger: Ich glaube, dass diese Mittelalterfaszination
bestehen bleibt. Es ist ein Teil unserer Geschichte der einfach
vernachlässigt wurde. In den Sechzigern, z.B., begann man erstmals im
Bereich der Klassik Musik aus dem Mittelalter aufzuführen. In den
folgenden Jahren wuchs das Interesse mehr und mehr. Hier wurde einfach vieles
vernachlässigt oder vergessen und das müssen wir jetzt wieder
ausgraben. Was mich auch sehr interessiert ist; was hat die Menschheit zu dem
Wahn gebracht, mit dem Beginn des Christentums in´s finstere Mittelalter
zu fallen, nachdem zuvor der Fortschritt viel weiter entwickelt war.
Ardor vom Venushügel: Was mich
angeht lebe ich eigentlich schon immer in meiner eigenen Welt (...und die ist
viiiiel schöner als die sogenannte ''reale Welt'' ) Ich denke das es bei
den Leuten die Sehnsucht nach dem ausbrechen aus dem Alltag ist - das abtauchen
in eine andere Welt - in eine Welt voller Fantasie, Mystik und Zauber. Und wenn
man das sucht, ist man bei uns an der richtigen Adresse.
GW: Ist so was nicht fast eine Art
Ersatzreligion, da die großen Religionen keine Antworten mehr bieten,
aber am Ende doch jeder noch etwas mystischem sucht?
Ardor vom Venushügel: Na ja, Religion
vielleicht nicht gleich - Ritual trifft's eher - wir versuchen halt die
Ausgelassenheit der alten Zeit zu zelebrieren. Denn die Partys im Mittelalter
endeten nicht selten im Rausch und in der Extase.
Steffen der Lautenschläger: Wäre es
eine Ersatzreligion wären wir Fanatiker, stattdessen geht`s uns darum,
Spaß an der Musik zu haben und ausgelassen mit dem Volk zu feiern. Ebenso
ziehen wir auch einen spirituellen Nutzen daraus.
GW: Ihr werdet auch auf dem WGT in Leipzig
spielen. Was sind eigentlich eure Erfahrungen mit der sogenannten "schwarzen
Szene"? Ich meine Eure Musik ist ja eher wild und rau, ein Stück
Lebensfreude halt (trotz allem!), das sind ja nicht unbedingt Attribute die man
gemeinhin einem "Gruftie" nachsagt.
Ardor
vom Venushügel: Das dachte ich im ersten Moment auch als wir
im letztem Jahr das Angebot erhielten auf dem WGT zu spielen, aber die Gigs auf
dem WGT waren absolut geil !! Unsere Auftritte waren jedes Mal eine Riesenparty
mit dem Publikum. Deshalb sind wir in diesem Jahr natürlich auch wieder
dabei. Mittlerweile versammelt sich bei unseren Gigs auch regelmäßig
ein fester Kreis ''schwarzgewandeter" vor der Bühne - und die können
Feiern - das sag ich Dir !! Zumal ich mich ja auch privat in ''diesen Kreisen"
bewege.
GW: Könnt Ihr Euch
Zusammenarbeiten mit anderen Bands vorstellen? Möglicherweise sogar so in
Richtung mit ganz anderen Instrumenten, Stilrichtungen, oder bleibt Ihr lieber
Eurem mittelalterlichen Stil treu?
Ardor
vom Venushügel: Wie gesagt so authentisch sind wir ja gar
nicht und wir sind da schon einige Zeit am basteln was musikalische
Weiterentwicklungen angeht. Was natürlich nicht heißt das unser
nächstes Album nur von einer Festplatte produziert wird - doch trotzdem
wäre es schade die Technik welche uns heutzutage zur Verfügung steht
nicht zu nutzen und ich bin mir sicher das die Spielluden der alten Zeit uns
für verrückt erklären würden wenn wir das nicht tun
würden !
Steffen der Lautenschläger:
Mit anderen Bands zu arbeiten kann nur von Vorteil sein um sich
gegenseitig voranzubringen.
GW:
Was habt Ihr in der näheren Zukunft vor?
Ardor vom Venushügel: ...uns in die Herzen
der weiblichen Fans zu spielen (lach) Steffen der Lautenschläger: Wir
werden uns bald ins Studio zurückziehen und an dem neuen Album basteln
aber natürlich auch viel live zu hören sein - wann und wo steht auf
unserer Homepage ( www.cornix-maledictum.de ).
GW: Vielleicht noch ein intellektuelles
Schlusswort für unsere Leser? So nach dem Motto: Hoch die Methörner
und lasst uns ums Feuer tanzen!!!
Ardor
vom Venushügel: Ars longa - vita brevis ! (die Kunst ist lang
- das Leben ist kurz)
Thomas
Sabottka für die
GOTHICWORLD
zum CD-Review von
"... Verdammt in alle
Ewigkeit" Homepage:
www.cornix-maledictum.de |