interview:
END OF GREEN
- es verblassen die
Gefühle
Zum Release des neuen END OF GREEN - Albums
Songs For A Dying World führten wir ein Interview mit Michael
Setzer, um ein wenig mehr über die hoffnungträchtige Band aus
Süddeutschland zu erfahren. Here we go:
GW:Euer Album hat mir wirklich sehr gefallen!
Aber für alle die END OF GREEN erst mal kennenlernen müssen,
zunächst vielleicht ein wenig über die Entstehungsgeschichte der
Band? Michael: Also ich kann nur
sagen, daß meine letzten zehn Jahre sehr von END OF GREEN geprägt
waren, also wird das wohl so die Zeit sein, in der wir die Band gegründet
haben.
GW:Euer erstes Album
"Infinity" ist 1996 bei Nuclear Blast erschienen? Michael: Stimmt. Das Problem damals war,
daß Nuclear Blast sehr Metal-orientiert war und unsere Musik leider nicht
so ganz ins Konzept paßte. Deßhalb veröffentlichten wir zwei
Jahre später "Believe My Friend" bei Subzero, unserem letzten Partner.
Aber auch hier zeichnete sich relativ schnell ab, dass sich das Label mit
seinen Plänen übernommen hatte. Achim von Silverdust haben wir dann
durch das Summer-Breeze-Festival kennen gelernt. Er erzählte uns, dass er
ein Label gründen möchte und uns gerne als erstes
´Signing´ hätte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Wir
sind bei Silverdust und glücklich. Es ist schön zu wissen, dass das
Label sich wirklich den Hintern für uns aufreißt und natürlich
hoffen wir, dass wir endlich einen Schritt nach vorne machen können. Es
wäre ja eine schöne Sache auch mal zwei Alben bei einem Label zu
veröffentlichen.
GW: "Songs
For A Dying World", ist das unsere Welt, die da im Sterben liegt? Michael: In erster Linie stehen hinter unseren
Songs sehr persönliche Feelings. Also sind es sehr persönliche
Welten, die da zusammenbrechen. Aber ich denke, daß wir in unseren
Geschichten nicht alleine dastehen mit unseren Gefühlen. Bestimmt geht es
Millionen Menschen oft genau so beschissen, wie in unseren Songs. Eben für
jene sind diese Songs gemacht. Insofern kann man es sicherlich auf unsere aller
Welt beziehen. Und jeder kann sehen, wie die Gefühle
verblassen.
GW:Auch der Bandname
ist ja bereits sehr aussagekräftig, zumal sich im gegenwärtigen
Weltenlauf nicht nur die Natur sich vielerorts im Todeskampf windet, sondern
auch die menschliche Psyche, trotz all der bunten Werbung im TV, immer
trostloser erscheint. Michael:Du
sagst es. Es ist ein Jammertal und täglich stürzen sich mehr ins
Unglück! Aber das ist schon Programm hinter der Bandphilosophie, solche
Sachen aufzuzeigen. Sowas funktioniert mit Musik sehr gut, die
Problemlösungen sollte man dann allerdings nicht mit umgehängten
Gitarren begegnen. Der Name kommt glaube ich noch von unserem ganz alten
Bassisten, der ist noch vor der ersten Platte ausgestiegen und hat den
irgendwann mal angeschleppt. Grün ist ja die Farbe der Hoffnung, also eben
das Ende der Hoffnung. Ist nicht gerade ein fröhlicher Name und trifft
also die Musik ganz gut.
GW:
Obwohl ich Eure Musik als sehr organisch und gefühlsvoll empfinde, ist
es nicht leicht END OF GREEN in eine Schublade zu stecken. Es hat eine Menge
Assoziationen von Alternative, Doom, Gothic bis hin zu Nu-Metal. Wie
würdet Ihr selbst Euere Musik umschreiben? Michael: Mein Gott, was soll ich sagen? Wir
hören ne Menge Musik, vermischen das mit unseren eigenen Gefühlen und
raus kommt, wie wir gerade aufgelegt sind. Mal geradeaus mal eher
introvertiert. Es ist eher der Song selbst, der für uns zählt,
weniger in welche Richtung er nun mehr oder weniger schlägt. Wir suchen
jetzt auch nicht die Nische, in der wir vielleicht erfolgreich wären. Das
ist doch Gedankenverschwendung.
GW: Aufgefallen ist mir auch der vielseitige
Gesang, oft mehrstimmig in den Hooklines und vorallem die Kontraste zwischen
den cleanen Vocals und den tiefen, gloomy Vocals, die verdammt an Peter Steele
erinnern. Michael: Danke, daß
dir das aufgefallen ist. Den meisten, die uns zum ersten mal hören, kommen
mit dem Vergleich mit TYPE O NEGATIVE. Ehrlich gesagt, können wir damit
auch ganz gut leben. Denn erstens ist es ja nichts Schlechtes Assoziationen an
eine so genialen Band hervorzurufen und zweitens, wird der der genauer
hinhört unsere eigene Handschrift erkennen.
GW: TYPE O NEGATIVE habt Ihr ja auch eine
Coverversion gewidmet, obwohl "Black No1" bei den Fans ja eigentlich als
unantastbar gilt. LOVE LIKE BLOOD haben sich ja auch schon einigens
anhören müssen, als sie sich an der Nummer versuchten. Michael: Wir haben den Song eigentlich auch nur
für einen Tribute-Sampler aufgenommen. Aber letztendlich haben wir
entschieden, ihn mit aufs Album zunehmen und ich finde er paßt da ganz
gut hin. Bisher haben wir noch keine negativen Reaktionen diesbezüglich
gehört. Im Übrigen stehen wir dazu, TYPE O NEGATIVE - Fans zu
sein.
GW: Wie funktioniert bei
Euch das Songwriting und was sind die musikalischen Einflüsse?
Michael: Der Sänger schreibt
die Text, alles weitere wird demjenigen überlassen, der das für alle
Beste draus macht. Bis unsere Songs zu aufnahmefähigen Track reifen lassen
wir das recht unverkrampft laufen, improvisieren viel, besonders live und
irgendwann ist es einfach. Unsere Einflüsse sind sehr breit
gefächert. Das reicht von Metal, Rock, Singer- und Songwritergeschichten
über Wave und Indie bis hin zum Pop. Die Inspirationen zu unseren Songs
sind oftmals persönlicher Kram. Dinge, die man erlebt hat, Dinge die
Freunde erlebt haben, man hatte einen beschissenen Tag und versucht einfach ein
wenig abzuschalten, indem man Musik macht. Manchmal möchte ich auch
einfach nur die Lieder spielen, die meine Lieblingsbands nie schreiben.
Stell´ dir einfach vor die Platte zu machen, die bisher niemand gemacht
hat.
GW:Und wie liefen die
Aufnahmen zum Album so ab? Michael:
Wir haben wieder in Backnang im Subzerostudio aufgenommen, wo wir auch unsere
bisherigen Platten produziert haben. Das ist das Studio von unserem alten Label
(Subzero - logisch ;o)). Da konnten wir ziemlich kostengünstig rein und
waren relativ glücklich drüber. Dort konnten wir uns halt richtig
austoben und auch spät in der Nacht noch Musik machen, ohne das sich
jemand beklagt. Das Hauptproblem war, dass wir die Platte eigentlich 2x
aufgenommen hatten. Beim ersten Mal waren wir nicht ganz zufrieden mit dem
Ergebnis und haben uns gedacht, das müssen wir noch mal machen. Dann haben
wir tatsächlich das Ganze komplett neu eingespielt. Das hat zwar lang
gedauert, aber es war besser so. Ein paar Lieder haben wir noch mal
überarbeitet und so war es halt sehr arbeitsintensiv, arbeitsintensiver
als wir dachten.
GW:Gibt es
bestimmte Dinge, die Ihr zusammen als Band anstrebt, oder Sachen, die ihr auf
keinen Fall machen würdet um etwa mehr Erfolg zu haben? Michael: Nun in in irgendeinem schmöden
"Skater-Hiphop-Video" wird du uns sicher nie erleben. Aber wir sind offen
für Ideen, wenn sie wirklich überzeugen können. Das Wichtigste
aber ist, daß es uns allen Spaß macht was wir tun. Und daß
wir alle 100% dahinterstehen.
GW:
Was treibt ihr, wenn ihr nicht gerade zusammen Musik macht?
Jobmäßig und in der Freizeit. Michael: Unser Gitarrist, der Oliver, arbeitet in
nem Trickfilm-Büro in Stuttgart. Ich selbst bin Redakteur und mach das
schon seit ich 16 bin. U.a. hab ich fürs Magazin der Rofa geschrieben
(Rockfabrik live). Unser Bassist ist Erzieher, unser Schlagzeuger arbeitet in
der Autobranche und unser Sänger ist eigentlich n
Überlebenskünstler. Er arbeitet ab und zu in nem Studio und macht mal
Dies, mal Das. Es wäre schon ne Sache wenn wir aus END OF GREEN einen
Hauptberuf machen könnten. Wenn wir uns 24 Stunden am Tag um die Band
kümmern könnten, das wäre schon geil. Momentan geht's noch
nicht, aber klar wär's schön wenn sich das irgendwann ändert,
aber nicht um jeden Preis.
GW:Ihr habtz ja auch schon eine Menge Gigs u.a
zusammen mit MOONSPELL, IN EXTREMO, PYOGENESIS, JACK FROST, DARKSEEN, ... Was
geht ab diesen Festival-Sommer? Michael: Ja, eine Tour ist in Vorbereitung und
Festivaltermine haben wir u.a. im Mai beim Feuertanzfestival in Aalen und beim
diesjährigen SUMMERBREEZE FESTIVAL. Wacken steht auch zur Diskussion.
Hoffentlich klappt es mit einer ausgedehnten Tour. Ansonsten werden wir
eben Wochenendshows bis zum Umfallen spielen, neue Stücke schreiben und
die Hoffnung hegen, dass "Songs For A Dying World" von so vielen Menschen wie
nur möglich gehört und geliebt wird.
GW:Mit wem würdet Ihr,
wenns nach Euch ginge, mal was zusammen an den Start kriegen? Michael: Ein Duett mit Madonna, wär für
mich das Größte. Ich weiß jetzt aber nicht, wie die Band das
sieht.
GW:Hast Du einen
persönlichen Lieblingssong auf "Songs For A Dying World"? Michael: Ja, aber morgen ist es vielleicht schon
wieder ein anderer. Man sollte alle Songs die man produziert hat mögen,
sowie man alle seine Kinder gleich lieb haben sollte.
Sir
Ritchie für die GOTHICWORLD zum
CD-Review von "Songs From A Dying
World"
|