CD-REVIEWS:

Winter, so unsagbar Winter    ADVERSUS:
"Winter, so unsagbar Winter"
CD (Sonorium)

AdversusMit der CD "Winter, so unsagbar Winter" legen ADVERSUS ein eigenwilliges, faszinierendes Werk vor, für das man sich Zeit nehmen muss.
In einer fast an Unverschämtheit grenzenden Kompromisslosigkeit, werden Musikstile von Klassik, über Electro, Darkwave, Mittelaltersounds, bis hin zu Metalanleihen in einen Topf geworfen. Seltsam nur, das es trotzdem schlüssig und kein bißchen angestrengt wirkt.

"Winter, so unsagbar Winter" ist ein vertonter Gedichtzyklus, dessen altertümlich klingende Sprache wenig an DORNENREICH erinnert. Aber in seiner Komplexität den Begriff "Konzeptalbum" endlich wieder zu dem zurückführt was er einst bedeutete.

AdversusEs wird eine Geschichte erzählt und nicht ein an den Haaren herbei gezogener (und dann doch nicht vorhandener) roter Faden zelebriert. Mit Vergleichen tut man sich hier sehr schwer. Leiter und Schöpfer des Ganzen ist Torsten Schneyer, hier "Rosendorn" genannt, dessen Stimme zwischen extrem verzerrten "Electrovocals", "Metalgrowling" und theatralischem Sprechgesang hin und her wandelt. Hinzu kommt der klassisch geschulte Mezzosopran von Susanne Stitz. In dieser Kombination fallen einem schon so manche Namen ein. Gelegentlich erinnert ADVERSUS an L'AME IMORTELLE, dann wieder an all die schönen Progressiv-Metalbands wie o.g. DORNENREICH oder MYSTERIUM u.ä.
Nur, ADVERSUS sind komplett anders.

Die Vergleiche drängen sich nur in einzelnen Passagen auf. Insgesamt ist die CD, mit einem übrigens sehr schön und perfekt gestalteten Booklet, ein sehr eigenständiges und kreatives Werk. Zu exzentrisch und gewagt ertönen Marschähnliche Rhythmen, zu treibenden Computerbeats, werden Metalriffs mit sphärischen Dudelsäcken gemischt, traumhafte Streicher zu einem fast wahnsinnig klingenden Chanson intoniert. In der rauhen, wilden und doch sehr liebevollen Ausdrucksweise ihrer Musik erinnern ADVERSUS noch eher an das österreichische Kunstprojekt ANGIZIA und ihr Album des "Leierkastenmannes".

Wer also an diesem Werk seine Freude hatte, dürfte sich auch bei "Winter, so unsagbar Winter" wieder finden. Es lohnt sich auf jeden Fall. Auch wenn ADVERSUS ihren wirklichen Reiz vielleicht erst nach dem achten Mal hören voll entfalten, diese Zeit sollte man sich nehmen.
Denn dies ist ein absolut geniales Debütalbum mit dem ADVERSUS so einiges in den Schatten stellen, was sich derzeit so auf dem Markt herumtreibt.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Tracklist:
01 - Auftakt
02 - Präludium Adversi
03 - Dämon, allzutief in Dir
04 - Schwester der Wahrheit
05 - Des Regens Kälte
06 - Zimmer im Kopf
07 - Mein Hass treibt Nadeln
08 - An dies Kind
09 - Klingentanz
10 - Stirb in mir
11 - In Teile geträumt
12 - Berühr mich nicht (mp3 link)
13 - Wie klingt Dein Herz von innen?
14 - Seelenwinter
15 - Eiswand
16 - Katharsis
17 - Unser Beider Babylon
18 - Sturmschwingen
19 - Schwarzer Vogel, flieg!
20 - Ausklang


Kontakt: www.adversus.de


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