Live review:




OSTARA Festival 2003

19.April - Festhalle, Karlsruhe-Durlach

OSTARANun war es also soweit! Das Ostara-Festival jährte sich zum 5. Mal. Nachdem, wie Insider verlauten ließen, die Veranstaltung auf Grund der mangelnden Beteiligung im letzten Jahr, schon auf der Kippe stand, entschloß sich die Kulturruine doch noch einmal dazu ein fettes Programm in die Festhalle Durlach zu packen.

Seltsam ist es schon.
Die genannte Location befindet sich nicht allzuweit von der Kulturruine entfernt, Ostersamstag dürften viele Leute doch eigentlich auch Zeit haben... und dennoch: Auch in diesem Jahr war die Festhalle noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt. An den auftretenden Bands kann es wohl kaum gelegen haben. Am Eintritt?
Nun 26€ sind vielleicht nicht gerade eine Kleinigkeit, aber immerhin, dafür gaben sich SALTATIO MORTIS, ERBLAST, ASP und UMBRA ET IMAGO die Ehre. Es handelte sich also um ein ausgewogenes Programm das etliche Hightlights versprach.
Und, um es vorweg zu nehmen, dies auch hielt.

Saltatio MortisDen Auftakt machten die Mittelalterbarden um SALTATIO MORTIS, die auf Grund der frühen Stunde noch mit sehr wenig Publikum zu kämpfen hatten. Doch ihre muntere Mischung aus Mittelalterweisen im Electro-Groove haben einen enormen Ansteckungsfaktor, der sich rasch auf das nach und nach eintrudelnde Publikum in Form von rythmischen Hüpfbewegungen und heftigem Klatschen bemerkbar machte.
Ekstasischer Höhepunkt: die Dudelsack-Version eines Dancefloorklassikers aus der "Augsburger Puppenkiste".
Einziger Kritikpunkt: die langatmigen und meist unwitzigen Ansagen in geschwollenem Mittelalter-Slang.
Aber ich glaube die reden immer so! (siehe: Interview)

ErblastDanach erschien dann Mastermind OSWALD HENKE mit seinem Projekt ERBLAST. Wobei dies durch die Violinistin und den Drummer von GOETHES ERBEN verstärkt wurde.
Zur Eröffnung präsentierten ERBLAST dann auch den Titel "Was war bleibt" vom letzten GOETHES ERBEN Album, was schon für Verwirrung sorgen könnte. Trotz allem wurde sehr schnell klar das es sich um ein ERBLAST Gig handelte. Und dies im positiven wie negativen Sinne. Positiv, da sich OSWALD dieses Jahr sehr rar auf den Bühnen der Welt macht und es an sich immer ein Erlebnis ist ihn zu sehen. Negativ, da ERBLAST nicht so viele bekannte Songs, wie OSWALDS anderes Projekt haben und man bei den Darbietungen oft Schwierigkeiten hat, wenn man die Texte nicht kennt. Auch schien das (dann doch nicht so weltoffenene?) Gothicpublikum seine Probleme mit dem musikalischen Gewand von ErblastERBLAST zu haben. Die Songs scheinen experimenteller und musikalisch komplexer als alles andere was OSWALD tut. Hier finden sich Dance-Elemente und Trip-Hop-Rhythmen genauso wie deutliche Einflüsse der kreativen Energie der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN. Entsprechend wurde dem Auftritt von ERBLAST auch nur sehr höflich beigewohnt, es gab wenig Applaus und keine Zugabenwünsche. Schade eigentlich. Vielleicht lag es auch daran, das man bei einem derartigen Festival mehr auf die Acts wartet, die einen zum Abtanzen animieren.

Sehr schnell machte sich jedenfalls eine gewisse Unlust im Publikum bemerkbar, welche nat. auch auf die Künstler übersprang. Wie OSWALD in einem kurzen Gespräch danach verlauten ließ, war er selbst mit dem Auftritt mehr als nur unzufrieden und hätte ihm am Liebsten sogar abgebrochen.
Selbst ERBLAST haben sich also offensichtlich mit ihrem intellektuellen und kreativen Anspruch soweit vom "gotischen Mainstream" entfernt, das man sie wohl in Zukunft (wenn überhaupt) nur noch in bestuhlten Theatern u.ä. sehen kann. Ehrlich Leute! Wollt ihr in Zukunft wirklich nur noch stumpf abtanzen und zugedröhnt werden?

ASPASPUm so besser liefen dann auch ASP und seine Mannen an.
Immerhin schon von Anfang an bejubelt, boten die Jungs eine Show die sich gewaschen hat. Obwohl die Festhalle immer noch nicht mal zur Hälfte gefüllt war, so wurde es auch nicht mehr an Gästen und ASP schafft es immer wieder, auch den letzten trüben Haufen hochzureißen. (Ich denke nur an Hanau, wo er morgens um 2:00 noch alle wieder munter machte!) Hier merkte man sehr deutlich das alle Bandmitglieder auf jahrelange Liveerfahrung zurückblicken können.
Gitarrist Matze der sich selbst als "alten Rock'n Roller" bezeichnet, hat auch schon in Läden gespielt, wo man einfach nur verprügelt wurde wenn es den Leuten nicht gefiel. Max kennt das Musikgeschäft nun sogar aus den absoluten Höhen seiner Vergangenheit (WEDDING ANNIVERSARY) ASPohne aber je abgehoben zu sein. Und ASP selbst? Keine Frage, der Mann ist einfach nur genial auf der Bühne. Mit seinem "hinterfotzigen" Humor, den charismatischen Bewegungen und dem Können, selbst das coolste Publikum zum Mitmachen zu animieren... das hat schon fast die Genialität eines Animateurs in einem Feriencamp. Wer weiß, vielleicht war er so was ja auch mal? Ist auf jeden Fall ne gute Schule, denn viel anders sind einige "Grufties" auch nicht, wenn sie gelangweilt vor der Bühne, mit diesem "entertain me" Gesicht stehen.

ASPDoch ASP rockten das es eine wahre Freude war.
Gespielt wurden Songs der ersten beiden Alben, wo "Ungeschickte Liebesbriefe", "Sing Child" oder "Ballade vom schwarzen Schmetterling" nicht fehlen durften. Aber auch "Schattenbraut sag willst Du?" oder die neue Single "Weltunter" die sich in de Liveversion als absoluter Bretterknaller erwies. Genial und vor allem hart, rotzig war die Zugabe "Maybe" die von ASP auch zu recht als "Gothic-Punk'n Roll" bezeichnet wurde.
Zu Recht! Denn hier wurde noch mal so richtig losgerockt.
Tja ein Mann der als DJ in der Kulturruine schon mal DEAD KENNEDYS spielt, vor dem ist man nicht sicher. Ohne vermessen zu sein, zu diesem Zeitpunkt war eigentlich schon klar das ASP der Höhepunkt des Abends waren. Und das obwohl UMBRA ET IMAGO noch anstanden.

Zeremonienmeister MOZART und Mitstreiter LUTZ, sowie ein schüchterner Bassist und ein zur Hälfte tätowierter Drummer machten ziemlich schnell klar, das die Erwartungen die an eine UMBRA Show gestellt werden sich auch erfüllen. Umbra Et Imago
Sind wir ehrlich! Eine Show von UMBRA ET IMAGO reißt eigentlich nur noch die zwölfjährigen Teenies vom Hocker, die so etwas noch nie gesehen haben. Alle anderen schauen schon eher abgeklärt auf die beiden Mädchen, die nackt, gefesselt, sich ableckend oder mit der "Katze" schlagend, sich Wunderkerzen in alle möglichen Körperöffnungen stecken oder zusammen mit MOZART schon mal von der Decke hängen lassen.

Auch wenn MOZART als absolutes Energiebündel Saltos schlagend und stagedivend einem Derwisch gleich über die Bühne fegte. Oder einige im Publikum die Show nutzen um sich in versteckten Ecken einem "Heavy Petting" hinzugeben. So etwas würde mit Sicherheit nicht einmal mehr die Polizei schocken, welche zwar irgendwann gegen 01:00 auftauchte, was aber eher daran gelegen haben dürfte das die Veranstaltung um 00:00 hätte zu Ende sein müssen.

Ansonsten boten UMBRA ET IMAGO eben das was man von ihnen erwartet.
Eine gute Show und live recht hart und heavy gespielte Songs aus ihrem mittlerweile zehnjährigen Schaffen. Songs wie "Milch", "Feuer und Licht", oder "Mea Culpa", bei dem zumindest LUTZ mich durch sein sauber, perfektes Growling überraschte. Da brauchte ein FELIX von CREMATORY gar nicht anwesend sein.

Umbra Et ImagoImmer wieder wurden riesige Feuerfontänen in die Höhe geschossen, deren Hitze auch die Leute am Ende des Saales erreichte, Zum Leidwesen von MOZART aber niemanden im Publikum zum ausziehen animierten. (Von den wenigen in den dunklen Ecken mal abgesehen. Aber das waren eh die Stammgäste der Kulturruine, die hat MOZART also wahrscheinlich selbst schon hundtermal nackt gesehen.)

Die Show war professionell, auf ihre Art erotisch, was auch OSWALD honorierte, der es eben authentischer fand als die Mädels (hier nicht zu nennender) anderer Bands: "Bei denen man merkt das sie Angst haben sich gegenseitig zu berühren." (O-Ton!) Bei der Zugabe gab es dann auch endlich die erwartete Fusion mit ASP, als dieser zu "ROCK ME AMADEUS" noch einmal, inzwischen ungeschminkt, die Bühne enterte um mit seinem alten Kumpel MOZART die Party perfekt abzuschließen.

Umbra Et ImagoDanach ging es für die Feierwütigen dann noch ab in die Kulturruine zur After Show Party, welche mit Sicherheit noch bis in die frühen Morgenstunden gegangen sein durfte.

Wir wissen es nicht!
"Alte Säcke" wie wir sind, zogen wir uns zurück, als Begründung einen Satz nehmend den ASP Gitarrist Matze von sich gab. "Das es sich nicht lohne, da ASP betrunken eh immer die selben Geschichten erzähle!"
Auf jeden Fall war es ein genialer Abend, mit vier guten Konzerten, von vier wirklich guten Acts.
Und es bleibt zu hoffen das dieses Ereignis auch nächstes Jahr noch stattfinden wird. Dann vielleicht in der Kulturruine selbst, denn für die paar Gäste muss man nicht die Festhalle mieten. Und die Hoffnung das die "Rezession", oder was immer es ist, irgendwann einmal verschwindet. Denn die Beteiligten haben sich wirklich alle Mühe gegeben ihr Publikum zu unterhalten. Was unserer Meinung nach auch gelungen ist. Macht weiter so Leute und lasst Euch nicht unterkriegen. Ohne Euch wäre die Musikszene zumindest um einiges ärmer!


Sir Ritchie und Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Fotos von Karsten (www.singchild.de)