interview:

BL[A]DFLOWERZ
- "... für diese Augenblicke lebe ich!"

Schon seit geraumer Zeit haben wir die süddeutschen Hoffnungsträger in Sachen zeitgemäßem Gothicrock im Auge, spätestens seit der Veröffentlichung ihres Muntermachers "Diabolic Angel" und dem gleichnahmigen Albums sind sie just in aller Munde. Die Rede ist von BL[A]DFLOWERZ und wir freuen uns, daß sich die charmante Frontfrau Kirsten vor der gerade angelaufenen Tour mit SUBWAY TO SALLY noch etwas Zeit für uns nahm:

GW: Hi Kirsten, freut mich dich an der Strippe zu haben! Als ich letztes Jahr zum ersten mal Euren Bandnamen aufgeschnappt habe, dachte ich erst noch so ein Cure- Clone, aber nachdem ich "Diabolic Angel" gehört habe bin ich froh, daß ich von Euch eines besseren belehrt wurde. Habt ihr Euch vor dem gleichnamigen Cure-Album schon so genannt?

Kirstin: Um ehrlich zu sein, war das "Bloodflowers"-Album schon der auschlaggebene Punkt. Allerdings legen wir ja eigentlich viel Wert auf die Lautschrift-Schreibweise mit den eckigen Klammern und dem umgedrehten V an Stelle des Doppel-O und am Ende das Z, nur funktioniert das mit Standardzeichensätzen leider meist nicht. Na ja, das ist halt die Lautschrift von 'blood' und das war einfach so ein Gimmick, weil wir uns abheben wollten. Aber uns schwebte schon immer ein Bandnamen aus Blumen oder Rosen in Kombination mit Leidenschaft vor. Bl[A]dflowerz, Blut und Blumen, verkörpern für uns die scheinbare Gegensätze der Begriffe, welche jede für sich schon als Symbole für Lebenskraft, Wachstum und Energie stehen, andererseits aber auch für Vergänglichkeit, Welken und Sterben. Blut und Blumen symbolisieren den Kreislauf des Lebens und alle Aspekte von Leben und Tod. Diese Gegensätzlichkeiten findest zu aber auch in unserem Albumtilel "Diabolic Angel" und in vielen unseren Songtexten.

GW: Aber die Band gibts doch schon länger als das Album, oder?

Kirstin: Ja sicher. Bis auf Jojo, sind wir alle in der gleichen Kleinstadt aufgewachsen und haben mit unzähligen Bands und Projekten unsere Jugend im Proberaum verbracht. 1995 fanden Daniel, Tim und ich zusammen und spielten jahrelang in einer Band, zu der sich später auch Markus gesellte. Wir hatten auch schon ein fertig produziertes Album, doch verschiedene Probleme mit der damaligen Plattenfirma verhinderten die Veröffentlichung. Anfang 2001 lernten wir durch Zufall Jojo kennen, und da das Ganze ganz gut funktionierte haben wir BLOODFLOWERZ gegründet.

GW: Um die CURE-Leier endgültig abzuschließen, beschreibst Du am besten Euere musikalischen Einflüsse.

Kirstin: Wir sind alle "Kinder der Achziger". Ich persönlich bin mit The Cure, The Clash, Alien Sex Fiend, Sisters Of Mercy und 7 Seconds groß geworden. Eigentlich kommen wir alle aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen und somit findet eine koninuierliche Entwicklung statt. Wir möchten uns auch nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen und benutzen ganz bewußt verschiedenste Elemente, um alle Stimmungenauszudrücken, die uns bewegen. Bloodflowerz bedeutete für mich die Herausforderung Härte mit schönen Melodien zu kombinieren, und das ohne in die typische Gothicmetal- oder Crossover-Sparte zu verfallen. Die Musik, die Melodien sind das Sprachrohr unserer Seelen und so finde ich meine Inspirationen und Ideen in meinen Gefühlen und Gedanken, musikalisch wie auch in den Texten.

GW: Kann mir aber schon vorstellen, daß Ihr des Öfteren mit Bands wie LACUNA COIL oder LULLACRY verglichen werdet, weil Frau am Mikro und Schublade zu?

Kirstin: Manche Leute brauchen halt ihre Schubladen. Ich denke, jeder, der ein zweites Mal hinhört , entdeckt da ein wenig mehr dahinter. Das ist meist dieses Oberflächliche, das zuerst mal abgehakt wird. Und das sind dann die Eckpunkte an denen sich die Leute orientieren. Das ist schon okay, aber ich finde es schade, wenn sich die Leute nicht auf den zweiten Blick einlassen. Denn so viel haben wir mit diesen Bands eigentlich nicht gemein, außer eben den weiblichen Gesang und ein bisschen den düsteren Aspekt.
Wir haben sicher viele typische Elemente in unserer Musik, die aus so typischen Sparten kommen, aber wir ordnen uns auf keinen Fall einer Schublade zu, denn dann müssten wir uns wieder so ein Etikett aufdrücken, das uns einschränkt. Und wenn das andere tun, dann dient das letztendlich nur der Orientierung und es muss jeder für sich entscheiden, weil jeder auch was anderes hört. Wir werden wirklich mit den unterschiedlichsten Bands verglichen. Das fängt an bei LIFE OF AGONY, geht über die typischen Gothic-Metal-Bands und selbst die GUANO APES kommen manchmal noch, weil niemand so recht weis, wo er uns hin stecken soll. Ich finde das ganz spannend, weil jeder für sich da noch was anderes rauszieht und –hört.

GW: Die Texte schreibst alle Du. Wie entsteht dann die Musik dazu?

Kirstin: In den Texten versuche ich meine persönliche Seelenwelt zum Ausdruck zu bringen. Sie beschäftigen sich mit Liebe und Angst, Schmerz und Hass, Sehnsucht und Verzweiflung, Leidenschaft und Trauer, eben mit all´ den Farben, den Wellen und Stürmen, die sich im tiefen Ozean unseres Lebens vereinen. Es sind die scheinbaren Gegensätze, die in uns einen ewigen Kampf ausfechten, und mit deren Vereinigung wir erst eins und ganz werden. Es ist die Konfrontation mit allen Perspektiven und Seiten des Seins, durch die wir uns kennen lernen und definieren. Die Texte und ihre Melodien sind die Bilder unserer Seele. Indem ich diese Bilder sprechen lasse, ermögliche ich mir und vielleicht auch anderen Menschen den Prozess Erlebnisse, Gefühle und Situationen zu verarbeiten, sich über Dinge bewusst und dabei mit sich selbst und anderen konfrontiert zu werden.

GW: Könntest Du Dich auf ein bestimmtes persönliches Hightlight auf dem Album festlegen?

Kirstin: Nein, das ist für mich zu stimmungsabhängig, denn jeder Song verbindet für mich andere Gefühle.

GW: Jow und nun zur Live-Schiene. Nachdem Ihr letztes Jahr mit ANATHEMA unterwegs wart, konntet Ihr Euch dieses Jahr erfolgreich als Toursupport von SUBWAY TO SALLY empfehlen. Wie ist es denn bisher gelaufen?

Kirstin: Die Leute waren wirklich total super bisher. Es war immer schon total voll, wenn wir angefangen haben. Und wir haben von den Fans auch immer super Resonanzen bekommen. Und auch SUBWAY TO SALLY sind total nett und wir kommen richtig gut mit ihnen aus.

GW: Nun stehen noch einige Festival-Termine an, nicht war?

Kirstin: Ja, erstmal das FEUERTANZ-Festival in Aalen mit SUBWAY TO SALLY und IN EXTREMO, END OF GREEN und anderen und noch im Mai das OUTSIDE-Festival in Wertheim. Am 19.Juli das TAUBERTAL Open Air und am 23.August das SUMMER BREEZE in Abtsgmünd. Wir freuen uns drauf, denn live zu spielen ist für uns absolut das Wichtigste. Der Schritt auf die Bühne bedeutet immer in eine ganz besondere Welt einzutauchen und nur noch für die Gefühle, für die Melodien zu leben. Alles andere wird dabei völlig unwichtig. Auf der Bühne sind wir eins mit unserer Musik und unserem Publikum. Für diese Augenblicke lebe ich, ob Dus glaubst oder nicht. Auf der Bühne gebe ich alles und ich hoffe daß viele Freude daran haben.

GW: Das will ich aber doch auch schwer hoffen. Ich bedanke mich für dieses liebe Gespräch und wünsche Euch alles Beste auf Euerem Weg.

Kirstin: Vielen Dank unsererseits. Vielleicht sehen wir uns ja auf einem oder anderen Festival!


Sir Ritchie für die GOTHICWORLD

Zum CD-Review "Diabolic Angel"

Homepage: www.bloodflowerz.de