live-review:

THE CRÜXSHADOWS
Support: In Mitra Medusa Inri
15.05.2002 Stahlwerk, Düsseldorf

The CrüxshadowsTHE CRÜXSHADOWS aus dem sonnigen Florida gehören für mich inzwischen zum absoluten Pflichtprogramm was Live-Gigs anbelangt. Leztes Jahr schon zweimal gesehen, treibt mich ihre stimmungsvolle Bühnenshow und ihr charismatischer Frontmann Rogue immer wieder hin, da sie einfach nicht langweilig werden.

So fand ich mich denn auch am 15.05.2002 voller Vorfreude im Düsseldorfer Stahlwerk/Basement Club ein, was an sich ja schon witzig ist. Da sich eben jener Basement Club in der zweiten Etage des Stahlwerks befindet. Hier wo sich am Wochenende meist schwarze Gestalten zu überwiegend Elektroklängen bewegen, warteten wir also auf die amerikanischen Gothichelden des letzten Jahres. Lag es nun an dem ungünstigen Termin, mitten in der Woche, parallel stattfindendem Leverkusen-Spiel, der Tatsache das sowieso alle auf dem Weg nach Leipzig waren wo die Crüxshadows auch spielen sollten... jedenfalls war der Club nicht einmal zu einem Viertel voll. Trotz allem muss man dem Publikum ein Kompliment machen, da ich noch nie eine Vorband erlebt habe die durchweg so positiv aufgenommen wurde, obwohl sich ihr Sound erheblich vom Hauptakt unterschied.

In Mitra Medusa Inri, bestehend aus einem Sänger, einem Gitarristen und einem Keyboarder boten einen dunklen, fast psychedelischen Sound, der von den komischerweise an A Flock Of Seagulls erinnernden Gitarrenriffs bestimmt wurde. Auf dem Grundgerüst aus minimalistischen, elektronischen Rhythmen und Sounds entfaltete sich die Gitarre zum tragenden Element, welche mit der tiefen Stimme des Sängers perfekt harmonierte. Die Gestik des Letzteren erinnerte ein wenig an Also The Trees, glücklicherweise bewegen sich die drei aber fern von jedem Sisters Of Mercy oder 80ies Klischee was sie eindrucksvoll durch ihre einzige Cure-Coverversion von "Just like Heaven" unter Beweis stellten, die so perfekt war, das ich sie erst nicht erkannte. Meine Bewunderung erhielten In Mitra Medusa Inri nicht zu letzt dadurch, das der Klang so sauber und perfekt rüber kam, wie man es selten bei einer "relativ unbekannten und jungen" Band erlebt. Kompliment und verbunden mit der Hoffnung von dieser Band demnächst noch mehr zu hören, was auch durch den starken Applaus des Publikums bestätigt wurde.


Gegen 22.30 war es dann soweit.
Chris hatte Platz hinter seinen Keyboards genommen, Stacey ihre elektrische Violine geschultert und Rachel die Gitarre gestimmt.
Wie gewohnt ertönte Rogues Stimme irgendwo aus dem Hintergrund, bevor er zum plötzlich einsetzenden, hämmernden Sound die Bühne zu enterte und unterstützt von zwei Tänzerinnen seine schweißtreibende Performance hinlegte. Denn was dieser schmächtige Typ da abzieht ist nicht einfach mehr bloßes Tanzen. Immer wieder schafft er es, selbst dem obercoolsten Gruftie ein Lächeln und ein paar Bewegungen zu entlocken, entert zwischendurch die Bar, klettert auf Hocker, wandert tanzend durch die Massen, obwohl er sich im aktuellen Programm erstaunlich oft auf der Bühne aufhielt.

Das Material umfasste neben alten Sachen wie "Eurydice", "Marylin my bitterness" der obligastorischen mit Publikum-tanzen-Einlage bei "Deception", vor allem auch recht vielversprechendes neues Material. Durchweg ohrwurmtauglich, tanzbar bis melancholisch voll der Elemente die den Stil der Crüxshadows ausmachen. Elektronische Rhythmen, Gitarre und vor allem die geniale Violine die immer mehr zum Einsatz kommt. Insofern darf man mehr als nur gespannt auf das im Sommer erscheinende neue Album sein.

Klar das eine Band wie THE CRÜXSHADOWS zu zwei Zugabenblöcken rauskommen, das beim Vorstellen der Mitglieder Violinistin Stacey den frenetischsten Applaus erntet und Rogues deutsche Ansageversuche immer wieder mit freundlichem Lachen belohnt werden.

Klar auch, das sich die Band nur ein paar Minuten nach dem Konzert wie gewohnt irgendwo im Publikum befindet um mit den Leuten zu reden, den Kontakt zu den Fans zu halten. Genau das machte mir die Amerikaner immer so sympahtisch, das man ihnen anmerkt, dass selbst eine Hammertournee wie die ihnen diesmal bevorstehende, ihren Enthusiasmus nicht bremsen kann und man ihnen den Spaß an ihrer eigenen Musik immer wieder anmerkt.

Alles in allem also ein, wie erwartet, gelungenes Konzert, bei dem man irgendwie immer das Gefühl hat, das man sich auf einer Geburtstagsparty befindet, wo ein paar gute Freunde einfach Musik machen.
Etwas wovon ich nie genug bekommen kann und drei Tage später in Leipzig mir wieder zu Gemüte führen würde.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


zum aktuellen Interview mit Rogue
zum Review von "Tears" (EP)
zum den " Definitely Wishfire World Tour 2002 "-Daten

http://www.cruxshadows.com