Special:


Der Samstag:

HocicoDer Samstag gehörte, zumindest auf dem AGRA Gelände den Elektronikern.
Schon am Nachmittag konnte man den wahrscheinlich einzigen Hit, der belgischen EBM Legende NEON JUDGEMENT "Chinese Black" über den Zeltplatz donnern hören. Dem folgten in schönster Steigerung SUICIDE COMMANDO, FUNKER VOGT, HOCICO und FRONTLINE ASSEMBLY, so dass man davon ausgehen konnte, das in der AGRA Halle der Schweiz in Strömen von der Decke floss und die Bassboxen ihre Membranen platzen ließen.
Stampfende Stiefel dürften ihr Übriges dazu beigetragen haben, den Boden um mindestens zwei Zentimeter abzusenken.

Frontline AssemblyAlle anderen nutzen weiterhin die Möglichkeit sich auf dem Hauptweg zur Schau zu stellen, durch Leipzig zu flanieren oder ihr Geld bei den vielen Ständen in der zweiten Halle auszugeben. Was bei Preisen von 1,50€ für einen lumpigen Plastikbecher mit Café nicht weiter schwer war. Meine Überlegung dabei, ging eher in die Richtung, ob man dem Verkäufer im letzten Jahr, bei DREI DM für das selbe Gesöff nicht die Bude über dem Kopf angezündet hätte? Wahrscheinlich nicht, weil "Grufties" nun mal so friedlich sind, und auch 7€ für einmal Duschen, nach zweistündigem Anstehen am Hauptbahnhof bei Mc Clean bezahlen, oder sich friedlich in die Schlange vor den überraschend wenig schlammigen Duschen des Zeltplatzes versammelten.

Funker VogtAuch wenn die donnernden Rhythmen aus der AGRA Halle durch halb Leipzig zu hören sein mussten, alles blieb ruhig. Um so erstaunlicher, das dann um 0:30 gerade eine im Vergleich dazu doch recht "weiche" Band wie SOFT CELL einen der erstaunlichsten Gig des gesamten Festivals hinlegte. Hier zeigten die beiden Urväter des Synthiepop, ihren lärmenden Enkeln, vor einer gnadenlos überfüllten Halle, wo der Hammer wirklich hängt. Mag es an der 25 Jährigen Bühnenerfahrung eines Marc Almond liegen, an seinem erstaunlichen Charisma, eine riesen Bühne allein mit seinem Soft Cellschmalen Körper zu füllen... an der Tatsache, das ihre alten Hits Erinnerungen weckten, und die neuen Songs sich wunderbar ins Konzept einfügen... auf jeden Fall verstand Almond es, schon bei den ersten Takten, des ersten Songs, über die Hälfte des Publikums zum Mitklatschen zu bewegen. Das Songs wie "Tainted Love" mehr Resonanz hervorriefen, wie die schrägen Nummern a la "Heat" oder "Martin" ist für mich zwar bedauerlich, aber insgesamt nur verständlich. Immerhin boten Dave Ball und Marc Almond ein Konzert, das ihre hämmernden Vorgänger weit in den Schatten stellte und somit zum Höhepunkt des Abends wurde.

Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

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