Special:


Der Sonntag:

Nach dem obligatorischen Gang durch die Verkaufsstände, über die Flaniermeile und die Stadt beschloss ich einen Blick auf die "Konkurrenz" zu werfen.
Um 14.00 fand ich mich pünktlich im Werk 2 ein, um der (zumindest von mir) mit Spannung erwarteten "Kains Kinder-Performance" von Martin Sprissler beizuwohnen.

Zunächst zeigte sich hier ein Phänomen, wie man es vom WGT des öfteren kennt. Aus nicht näher bekannt gegebenen Gründen begann die "Lesung" erst um 16:00.
Nichts desto trotz bot Hr. Sprissler, unterstütz von Tänzern, Tänzerinnen, Musik und einer genialen Bühnenkonstruktion, eine durchaus gelungene und unterhaltsame Performance, in der das gesprochene Wort durch Musik und optischer Darbietung eine Verstärkung erhielt, und so einer möglichen Überanstrengung des Publikums vorbeugte.
Auch wenn es mir insgesamt etwas zu konzeptionslos erschien... nur so kann man in der heutigen Zeit Literatur auf die Bühne bringen!
Denn mit einem Typen der in einem Sessel unter einer Stehlampe sitzt und aus einem Buch liest, lockt man keinen mehr hinter dem Ofen vor.

The CrüxshadowsDanach machte ich mich auf den Rückweg zum liebgewordenen AGRA Gelände, den Weg tausender mit der Linie 11, die Tram, welche zu Pfingsten der offensichtliche "Goth-Train" ist und immer wieder schöne Gelegenheit bietet, mit Gleichgesinnten an der Haltestelle zu warten, sich in überfüllte Wagen zu quetschen und ins Gespräch zu kommen.
Wahrscheinlich das Beste um jemandem zu erklären, was eigentlich der Reiz des WGT's ist. Was die Atmosphäre dieser Veranstaltung ausmacht. "Fahr ein, zwei mal mit der Linie 11 und du weißt wovon wir reden!"

The CrüxshadowsDurch den Ausfall der LORDS OF THE NEW CHURCH, wurde das Abendprogramm in der Halle um ca eine dreiviertel Stunde vorverschoben, was sich zum Glück doch noch soweit herum sprach, das meine persönliche Pflichtübung nicht vor halbleerem Saal spielen mussten: THE CRÜXSHADOWS.

Das ich inzwischen ein fast bedingungsloser Fan bin, muss hier nicht mehr erwähnt werden. Interessant bei diesem Gig war für mich eigentlich nur, wie sich Rogue mit der großen Bühne anfreunden würde. Diese stellte aber kein Hindernis dar. Kein Bühnengraben ist zu tief, keine Absperrung zu hoch, für den quirligen Amerikaner, um nicht im Publikum zu verschwinden, die obligatorische Tanzeinlage bei "Deception" vorzunehmen, oder wenigstens zu versuchen die Leute beim letzten Titel auf die Bühne zu holen.
Dies wurde von den Securityleuten aber freundlich, doch bestimmt unterbunden und der Eine der es schaffte, wieder zurück befördert. Aber Rogue nutzte noch ausgiebig die Möglichkeit an den meterhohen Lichtmasten rauf zu klettern, was dem neben mir stehenden Promoter und Betreuer der aktuellen Tour, regelmäßig feuchte Hände bescherte. (Wie er mir selbst zuraunte! Liebe Grüße an dieser Stelle an Olaf von Wings Of Destiny!!) Das Interview mit THE CRÜXSHADOWS gibts hier.

18 SummersAls nächstes folgten dann 18 SUMMERS.
Über das Chaos hat Felix ja selbst schon alles gesagt... (hier nachzulesen) ich fand es bewundernswert, wie er es schaffte, das Publikum bei der Stange zu halten, und die ellenlange Verzögerung dann doch noch zu einem Erlebnis zu machen, bevor sie dann endlich doch, gewohnt professionell und perfekt das Material ihrer neuesten Scheibe darboten.
Man stelle sich diese Situation mal beispielsweise bei Motörhead vor!!! Da hätte die Security dann wirklich Probleme.

Es wurde ein Abend der alten Helden! Denn trotz der inzwischen fast langweilig werdenden Auflösungsgerüchten, betraten nach 18 SUMMERS, die zweite große lebende Legende des diesjährigen WGT's die Bühne: THE MISSION!

The MissionUnd legten einen umjubelten Gig hin, in dem kaum einer der alten Hits fehlte. Hier bewies sich einerseits, erneut die unglaubliche Präsenz von einer Band die seit fast fünfzehn Jahren auf der Bühne steht, und vor allem auch der für mich und alle anderen Overthirties sehr beruhigende Gedanke, dass man in Würde altern kann.
Das bei diesem Gig, wie mir Freunde berichteten, leider habe ich es nicht selbst gesehen, ein Kind gezeugt wurde, kann ich also nicht bestätigen... Wayne Hussie dürfte es freuen! Alle anderen versuchten wohl eher beschämt an der Sache vorbei zu schauen. Goethes ErbenGothic ist also auch nichts anderes als gutes, altes, schutziges Sex Drugs and Rockn'Roll.

Zum krönenden Abschluss dieses Abends boten dann noch Oswald Henke und seine GOETHES ERBEN einen Auftritt, der alles andere noch um einiges in den Schatten stellte. Vom Gefühl her würde ich sagen das sie drei Stunden gespielt haben, so lange kam es jedenfalls allen Beteiligten vor, die nach einem ultimativen Querschnitt aus zehn Jahren Schaffensgeschichte fast erschöpft die Halle verließen um sich zum allabendlichen Absacker in der Nähe ihrer eigenen, oder auch anderen Zelte/Wohnmobile einfanden.

Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos von www.zillo.de, www.schwarzeseiten.de, www.gothic.ru