interview:

CIRRHA NIVA
"Wenn es uns gefällt, dann werden wir es für uns nutzen!"

Chirrha NivaCIRRHA NIVA begeisterten bei der Auftaktsshow zum 11. WGT in Leipzig zum ersten Mal das deutsche Publikum mit ihrer grandiosen Mischung aus gediegendem Gothic-Metal und opulenter theatralischer Optik.
Grund für uns, die außergewöhnliche Truppe aus Holland zum lockeren Gespräch im ORKUS-Café zu bitten:



GW: Ihr habt ja gerade eure äußerst beeindruckende Bühneshow hier absolviert. War dies eine Premiere?
Arnold: Nein. Die Premiere war im September letzten Jahres.
Liselotte: Aber hier in Deutschland war es eine Premiere.

GW: Wenn man euer sehr komplexes Werk, eine Mischung aus Musik, Theater, Geschichte, Arrangement, visuellen Effekten zum ersten mal, sagen wir, wahr nimmt, dann fragt man sich; wie kommt jemand darauf so etwas zu machen! Es ist ja nicht gerade der normale Weg.
Liselotte: Nein.
Arnold: Das ist richtig, der normale Weg ist das nicht.
Liselotte: Bei Cirrha Niva war es so, das wir schon immer mit gewissen, visuellen Effekten auf der Bühne gearbeitet haben. Das wir immer schon etwas mehr machen wollten. Aber das Hauptaugenmerk lag trotzdem auf der Musik.
Arnold: Wir machen schon sehr lange Musik, und in dieser Zeit haben wir auch eine Menge gelernt. Über Musik. Wir sind sechs Leute in der Band, mit sechs sehr unterschiedlichen musikalischen Backgrounds...
Cirrha NivaLiselotte: Und Ideen!
Arnold: Ja. Wir begannen mit einem eher Heavy-lastigem Background, aber so nach und nach kamen all die anderen Sachen dazu. Und so begannen wir mit all diesen Ideen zu experimentieren. Wir mögen es keine Grenzen zu haben. So lange wie wir es mögen, solange werden wir es verwenden. Und wir wollen noch viel mehr unterschiedliche Dinge in der Zukunft verwenden. Wir wissen das es manchmal auch sehr schwer für das Publikum ist, weil sie es gewöhnt sind sich auf eine Musikrichtung wie z.B. Jazz oder Heavy Metall zu konzentrieren. Aber wir mögen es halt genau so wie es ist.
Liselotte: Für uns ist das eine sehr komplexe Arbeit. Von Anfang an ist die Musik schon sehr komplex in ihrer Entstehungsweise...
Arnold: Weil einfach hinter jeder einzelnen Note, jedem Teil des Arrangements eine Idee steckt.
Liselotte: Ja. Wir legen sehr viel wert auf das Arrangement. Von Anfang an.
Arnold: Das ist uns fast wichtiger als perfekt 300 Noten spielen zu können.

Cirrha NivaGW: Wie wichtig ist eigentlich die Geschichte hinter dem Ganzen? Für Leute die jetzt die Show gerade zum ersten Mal gesehen haben, ist es ja vielleicht auf Grund der englischen Sprache, etwas schwer der Geschichte sofort zu folgen. Aber wenn man die CD, das Booklet kennt... dann weiß man, das es mehr als nur eine Show ist. Es ist ja eigentlich ein Musiktheater.
Arnold: Ja das ist wahr. Es ist ein Theaterstück.
Liselotte: Von daher ist die Geschichte dahinter auch sehr wichtig.
Arnold: Sie ist sehr wichtig, einfach schon deshalb, weil wir zuerst die Geschichte und die Lyrics geschrieben haben. Dann erst ließen wir gewisser maßen die Musik in die Geschichte einfließen. Weil wir nicht einfach nur eine Geschichte erzählen wollten. Es sollte mehr passieren und die Musik macht das ganze... emotionaler. Die Geschichte ist in einer sehr theatralischen Art und Weise erzählt und es ist so viel mehr dahinter. Aber man kann das Eine nicht von dem Anderen trennen. Erst die Geschichte, die Musik und die Show zusammen ergeben einen Sinn. Jedes Stück passt zu einem Anderen.
Liselotte: Es ist ein Konzept. Aber wir versuchen das Wort "Konzept" in einem weiteren Sinn zu betrachten. Normalerweise machen Bands wenn sie ein Konzeptalbum machen, eigentlich nur ein lyrisches Konzept. Sie haben ein paar Texte die ein Konzept ergeben, aber trotzdem sind es einfach nur verschiedene Songs. Aber wir versuchen es noch weiter zu treiben. Selbst die Musik ist ein Konzept. Es gibt Themen die in verschiedenen Variationen immer wieder auftauchen. So wie Leitmotive in einem Film Soundtrack. So ergeben die Lyrics und die Musik wiederum ein weiteres Konzept...
Arnold: Und die visuellen Effekte als Drittes dazu. Ich denke das ist der progressive Charakter bei Cirrha Niva. Bei uns ist es insgesamt ein Konzept. Nicht nur ein Album. Dafür haben wir auch zwei Jahre gebraucht, um jedes Teilchen aneinander zu fügen und am Ende das zu haben was wir haben wollten.

Cirrha NivaGW: Das bringt mich gleich zu dem nächsten erstaunlichen Punkt bei Euch. Ihr macht wirklich alles alleine. Ohne großen finanziellen Background im Sinne von Sponsoring, nur von Eurem Idealismus getragen.
Liselotte: Wir haben zwar unsere eigene Plattenfirma seit zwei Jahren...
Arnold: Aber es ist ein Risiko. Doch wir mögen es Risiken einzugehen! Andere Leute machen Bunjeejumping oder Stagediveing... wir gehen einfach nur ein riesiges, finanzielles Risiko ein!
Liselotte: Aber zum Glück umgeben uns eine Menge sehr kreative Leute. Nicht nur in der Band. Auch im Freundeskreis, Leute die sich auch irgendwie immer wieder einbringen. So das es nicht nur einfach sechs Musiker sind die das Risiko tragen. Insgesamt sind es so ungefähr zwanzig Leute.

GW: Filmemacher, Kostümmacher...
Liselotte: Nein, die Klamotten sind aus dem Second Hand und aus der Altkleidersammlung. (Lacht)
Arnold: Das gesamte Artwork. Das CD Cover, die Skulpturen auf der Bühne...
Liselotte: Wir waren halt am Anfang so begeistert von der Idee ein Konzeptwerk zu schaffen und haben viel darüber diskutiert wie man so etwas realisieren kann, so das wir alle unsere Freunde mit unserem Enthusiasmus angesteckt haben, so das sich aus einem kleinen Kreis schnell eine große Gemeinschaft bildete. Zu einem großen Projekt. Und alle Künstler die daran beteiligt sind, inspirieren uns wiederum und treiben uns voran. Sie hören die Musik, wurden dadurch inspiriert und schufen die Kunstwerke für uns. Das wiederum beeinflusste uns in unserer musikalischen Kreativität.

Cirrha NivaGW: Ich denke für so ein Projekt ist es notwendig das man so enthusiastische, idealistische Leute hat.
Arnold: Absolut!! Lebensnotwendig!
Liselotte: Es ist so viel Zeit und Energie die du damit verbringst. Das ist nichts was du mal eben so an einem Tag schaffst. Na klar hatten wir auch unsere Punkte wo wir dachten, dass wir uns doch übernommen haben... aber jeder der daran beteiligt war hat uns wieder motiviert weiter zu machen.

GW: Habt ihr eigentlich normale Jobs um das Geld für das Ganze zu verdienen. Obwohl ihr ja eigentlich gar nicht die Zeit zum "normalen" Arbeiten haben dürftet.
Liselotte: Ja! Wir arbeiten alle in normalen Jobs.
Arnold: Ja leider!
Liselotte: Das sind halt die Zugeständnisse die wir machen müssen. Das einzige wo wir richtig Glück hatten, es gibt einen Fond in Holland für kreative Projekte. Unser Manager brachte uns damals darein, in der Hoffnung eventuell ein wenig finanzielle Unterstützung zu bekommen. Wir dachten, ok lass es uns probieren, aber so richtig daran geglaubt haben wir nicht, so das wir einfach weiter mit den Aufnahmen zur CD machten. Es dauerte ein halbes Jahr, dann bekamen wir plötzlich die Antwort: Ok ihr habt das Geld! Die Begründung war, das diese Mischung von Kunst und Musik, vorher noch nie da gewesen war, jedenfalls in Holland, so das wir also dieses "Stipendium" bekamen.
Arnold: Wir waren total stolz. Weil wir die erste "Rockband" in Holland waren, die aus diesem Fond Geld bekamen. Bis dahin waren es nur klassische Musiker oder Theatergruppen gewesen. Aber wir waren die "erste Popband", (so nannten sie uns, nicht wir!) die diese Unterstützung bekamen.
Liselotte: Mit diesem Geld konnten wir eine Ganze Menge, wie all die visuellen Effekte, den Film realisieren. Auch die reinen Aufnahmen im Studio.. aber ich denke, wenn wir es nicht bekommen hätten, dann hätten wir andere Wege gefunden unseren Traum zu verwirklichen. Wir müssen einfach kreativ sein, weil wir das ganze Zeug das wir verwenden nie und nimmer kaufen könnten.

GW: Kommen wir kurz zur Geschichte zurück. Für alle die es nicht kapiert haben, könntet ihr sie kurz erzählen. Vor allem weil Du Arnold ja auch zwei verschieden Charaktere spielst ist es vielleicht etwas schwer zu folgen.
Arnold: Ich spiele einen alten Mann und den, wir nennen ihn "Lord of the Underworld". Der alte Mann versucht seine geliebten Frau zu folgen, die aber tot ist. Um sie wieder zu gewinnen geht er eine Art Abmachung ein, bis er am Ende der Geschichte merkt das er selber tot ist. Das ist eigentlich alles. (Beide lachen!)

GW: Ok! Ist es in diesem Zusammenhang eigentlich geplant irgendwann mit mehr Leuten auf der Bühne zu stehen. Damit solche Sachen vielleicht leichter verständlich sind?
Arnold: Nein, weil Cirrha Niva einfach nur eine Band ist. Das ist unsere Geschichte, unsere Musik, deshalb haben wir nie jemanden gesucht der den anderen Charakter spielt. Und außerdem wollen wir das Ganze so klein wie möglich halten.

GW: In diesem Zusammenhang ist es ja auch sehr interessant, das ihr überhaupt keine gesprochenen Passagen verwendet, was ja doch meist ein wesentlicher Bestandteil von solchen Musiktheaterprojekten ist. Sie verwenden halt doch die Elemente des "normalen" Sprechtheaters.
Arnold: Ja, aber das ist halt schon da gewesen. Wir wollten es auf unsere Weise machen.

Cirrha NivaGW: So das es ja eigentlich mehr ein Musical oder eine Oper ist!
Liselotte: Einige Leute die uns gesehen haben, sagten, es wirkt ein wenig wie "Phantom der Oper".

GW: Ja oder ein wenig wie das Musical "Tanz der Vampire". Aber ich denke das ist doch ok, oder? Es ist ein Kompliment.
Liselotte: Auf jeden Fall! Solche Vergleiche sind ein Kompliment für uns!!
Arnold: Das zeigt uns das wir doch irgendetwas richtig gemacht haben.

GW: Ich denke das Cirrha Niva auch nur so funktionieren. Als Gesamtkunstwerk. Die CD an sich ist vielleicht etwas schwer...
Liselotte: Ja, aber nun hast du die Show gesehen und hörst die Musik ganz anders.
Arnold: Das ist es, was ich am Anfang versucht habe zu erklären. Das eine funktioniert nicht ohne das Andere. Nur die Musik ist zu wenig. Aber jetzt kennst du die Bilder, die Geschichte und wenn du nun die CD hörst, oder das Booklet liest erlebst du alles ganz anders. Nun hast du ein Gefühl! Das ist eigentlich alles was wir wollten. Musik ist Emotion.

GW: Plant ihr eigentlich so etwas wie ein Video oder eine DVD? Ich meine ein kleiner Anfang ist ja schon da.
Liselotte: Ja da ist ein ganz kleines Stück Film auf der CD.
Arnold: Aber das ist auch schon das Problem. Wenn wir etwas machen dann wollen wir es richtig machen. Und dazu bräuchten wir mehr... mehr Leute...

GW: Kameraleute, einen Regisseur...
Arnold: Ja, wir wollen es perfekt machen. Würden also nie selber hinter der Kamera stehen oder so. Und dazu bräuchten wir viel, viel mehr Geld. Aber die Idee ist schon irgendwie da, und jeder fragt uns auch danach...

GW: Ja so ein Projekt wie Cirrha Niva schreit förmlich danach!
Arnold: Mal sehen. Vielleicht kriegen wir ja das Geld zusammen.

GW: Vielleicht klappt es ja, ihr spielt jetzt ganz viele Konzerte, verkauft Unmengen an CD's...
Cirrha NivaLiselotte: (Lacht) Ja hoffentlich.
Arnold: Mal sehen. Am Anfang war es z.B. sehr schwer eine Show zu kriegen. Jeder den wir nach Auftritten fragten, schreckte erst mal zurück. Konnte nichts damit anfangen, was da auf ihn zukommt. Aber inzwischen ist es besser geworden. Die Leute die es gesehen haben, fanden es gut, das spricht sich herum... die CD erscheint in mehreren Ländern, wir haben gute Reviews.... es scheint langsam zu laufen. Auf jeden Fall wird es noch eine ganze Weile dauern, es ist ein langer Weg, aber die Erfolge stellen sich ganz langsam ein.

GW: Dann kann ich nur hoffen das es so weiter geht. Aber ich denke das es auf jeden Fall ein guter Start war, hier in Deutschland auf dem WGT zu spielen.
Arnold: Das hoffen wir auch. Es ist zwar noch nichts weiter in Deutschland geplant, aber wir würden sehr gerne wieder kommen.

GW: Na vielleicht kann "ich" Euch ja ein klein wenig dabei helfen. Auf jeden Fall werde ich nur Gutes über euch schreiben. Viel Glück für Euch in der Zukunft und vor allem den Erfolg, den ihr wirklich verdient.
Liselotte: Oh danke!
Arnold: Danke! Das selbe auch für Dich!!


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Review zu "Liaison De La Morte"

Homepage: www.cirrhaniva.nl