interview:
ZOMBIE JOE "Wir distanzieren uns nicht von der
Popkultur; wir fordern sie heraus."
Dieser Tage feiern ZOMBIE JOE die VÖ ihres neuen
Albums "Vegas". Grund genug mit den charismatischen Frontmann Cornelius aka
"Ochs" ein paar Worte zu wechseln:
GW:
Hi ZOMBIE JOE! Sprech dich aber lieber doch mit deinem richtigen
Vornamen an, oder Cornelius? Cornelius:
Ja, bitte! Denn ZOMBIE JOE ist einfach nur der
Bandname.
GW: Ich hab Euch
tatsächlich auch schonmal live gesehen. Das war im Frühjahr 2001 im
Vorprogramm zu SUBWAY TO SALLY? Cornelius:
Ach ja? Ich kann mich dunkel dran erinnern (lacht). Hoffentlich hat
es dir gefallen.
GW: Muß
gestehen, daß ich damals sehr auf den Headliner fixiert war, die damals
ja ihr aktuelles Album "Herzblut" live vorstellten. Nun habt ihr selbst eine
neue, beeindruckende CD in den Startlöchern. Aber erzähl doch mal ein
wenig über Eure Bandgeschichte. Cornelius: Nunja, wir haben so 96, 97 angefangen
und spielen seit 1998 in dieser Besetzung. 1999 haben wir so'nen Band-Award
gewonnen, den f6 und seither Demos gemacht und hauptsächlich live
gespielt. Im Mai 2001 gabs dann endlich unsere erste Single "Sukkubus" und
Tourneen mit Marylin Manson, Subway To Sally, Die Happy, etc. Mehr gibts zur
Vergangenheit eigentlich gar nicht zu sagen. Die Zukunft ist doch auch viel
spannender!
GW: Aber hallo!
Deshalb flugs zum aktuellen Album "Vegas". Hat mich allerdings etwas verwirrt,
da der ursprünglich angedachte Titel "Schlachthaus, Baby" lauten sollte
... Cornelius: Richtig, aber das
war nur ein früher Arbeitstitel, später haben wir das Album nach dem
Song "Vegas" benannt, zu dem wir gerade ein Video drehen.
GW: Ihr habt Euch ja nicht gerade einen
Unbekannten, nämlich Franz Plasa (Echt, Selig, Fury In the Slaughterhouse,
...) als Producer angeln können. Wie war die Zusammenarbeit
verlaufen? Cornelius: Nun erstmal
war die Situation so, daß wir Material für sicherlich drei oder vier
Alben zusammen hatten, Franz hat aus dem ganzen Fundus genau die Rosienen
rausgepickt, die "Vegas" nun ausmachen. Unsere Songs haben im Laufe der
unzähligen Livegigs natürlich eine gewisse Starrheit gekriegt und uns
war klar, daß wir ohne Produzenten die Stücke einfach nur so auf CD
gerotzt hätten. Franz Plasa für das Album zu gewinnen war wirklich
ein sehr großer Glücksgriff. Einerseits hat er uns unsere Songs
spielen lassen, wie wir es gewohnt sind und andererseits hat er mit uns
gespielt und uns völlig neue Möglichkeiten in Sachen Sounds gezeigt.
Experimente, auf die wir uns ohne ihn warscheinlich niemals eingelassen
hätten. Trotzdem haben wir das Gefühl, das es 100 Prozent ZOMBIE JOE
ist.
GW: Wie entstehen ZOMBIE
JOE-Songs? Cornelius: Nun am Anfang
stehen erstmal die Riffs, die wir zusammenjammen, weil das wichtigste ist uns
einfach das Zusammenspielen. Die Texte schreibe ich und irgendwie, irgenwann
passen plötzlich Hookline und der Groove und ein neuer Song ist aus dem
Chaos geboren. Es passiert einfach und ich will gar nicht erst hinterfragen
warum, weil du damit dir selbst schon wieder eine Blockade deiner
Kreativität zwischen die Beine wirfst. Wie gesagt, Songs sind genug da
mehr als auf dieses Album passten.
GW:
Welche Band haben Euch und Eure Musik am meisten
beeinflusst? Cornelius: Mit
Sicherheit war Faith No More sehr prägernd für unseren
Musikgeschmack, auch die ganz alten, wirklich guten Sachen von The Doors und
Jimi Hendrix. Daran möchte ich mich eher messen lassen als an aktuellen
Größen.
GW:
Interessant ist aber doch die Tatsache, daß obwohl "Vegas"
eigentlich sehr international klingt, Du ausschließlich deutsch singst.
Und der Klang Deiner Stimme wird immer wieder mit dem unvergessenen Rio Reiser
in Verbindung gebracht. Cornelius:
Nun so ein Vergleich ehrt natürlich sehr, aber ich sehe keinen
Grund meine Gedanken in eine andere Sprache zu übersetzten. Ich singe wie
ich denke und ich glaube, daß das kein Nachteil ist.
GW: Bestimmt nicht, zumal man von ZOMBIE JOE
immer wieder auf neue überrascht wird. Auf einen bestimmten Stil werdet
Ihr Euch bestimmt auch selber nicht festlegen wollen? Cornelius: Auf keinen Fall, denn es gehört
einfach zu unserer Philosphie in unserer Musik lebendig und unberechenbar zu
bleiben. Das ist die Freiheit die uns bleibt und die wir ausnutzen müssen
um nicht zu Grunde zu gehen. Wir sind beileibe keine sturen Eigenbrödler,
doch unsere musikalische Eigenständigkeit ist uns wichtig und so ziehen
wir es durch. Dabei distanzieren wir uns keinesfalls von der angesagten
Popkultur, im Gegenteil fordern wir sie geradzu heraus.
GW: Starker Satz! Stichwort: Coverversion. Da
habt ihr Euch mit "Ich weiß es wir einmal ein Wunder geschehen...." aber
wirklich an einem Klassiker vergriffen! Cornelius: Es erschien uns langweilig uns an
irgendeinem aktuellen Song zu versuchen. Im Prinzip ist das ja auch gar keine
Coverversion, sondern von der Musikalität ein eigener Song , in den wir
den berühmten Zarrah-Refrain eingebaut haben. Den Knalleffekt bringt die
krasse Gegensätzlichkeit, die wir in vielen Texten und auch in der Musik
versuchen aufzuzeigen.
GW:
Auch live überraschst Du ja immer wieder, wenn Du zum
Beispiel eine Tuba zückst ... Cornelius:
Ja, das ist auch ein solcher Moment der Gegensätzlichkeiten,
die wir auch immer in unseren Songs aufzeichnen möchten. So wie der
Einsatz eines eigentlich völlig unpassenden Instruments in einer
völlig unmöglichen Situation. Macht einfach Spaß die Reaktionen
im Publikum zu sehen.
GW: Sind
wir wieder beim Live-Thema angelangt. Was geht diesen Sommer mit ZOMBIE
JOE? Cornelius: Nach dem WAVE GOTIK
TREFFEN gibts noch ein paar weitere Festivals, wie auf dem diesjährigen
ZILLO-Festival. Wir führen gerade Verhandlungen in verschiedenen
Richtungen was eine Support-Tour betrifft, aber auf jeden Fall gibts eine
ZOMBIE JOE-Clubtour im Herbst.
GW:
Na dann wünsch ich doch weiterhin viel Spaß auf der
Bühne des Lebens und viel Erfolg mit dem Album "Vegas". Cornelius: Ja, danke und Euch auch viele, viele
Klicks!
Sir Ritchie
für GOTHICWORLD
zum Review
von "Vegas"
www.zombiejoe.com
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