CD-REVIEWS:

Coma - Soundtrack against animal testing    1972
"Coma - Soundtrack against animal testing"
CD (Eigenvertrieb)

Fast möchte ich diese CD als "emotionale Erpressung" bezeichnen. Da steht im Untertitel dass es ein Soundtrack gegen Tierversuche sei! Hm? Nun, das ist zumindest ein heikles Thema. Einerseits möchte man nicht auf all die feinen Errungenschaften der westlichen Zivilisation verzichten, aber Fotos von gequälten Kreaturen in den einschlägigen Versuchslaboren der Welt schaut man sich ja auch nicht so gerne an. Und prinzipiell ist man ja auch dagegen. Zumindest würde man nie die eigene Katze an BASF verkaufen. Also verdrängt man jeden Gedanken daran.

1972 haben sich also des Themas angenommen und daraus eine CD gemacht. OK neu ist der Gedanke nicht. Selbst Punk-Pop-Queen NINA HAGEN hat so was schon mal propagiert. Und ich denke mit ihren Möglichkeiten hat sie auch mehr erreicht. Weil sie halt populärer ist.

Mit "Coma" nämlich liegt eine CD im Player, so schwer wie das Thema im Magen (bzw. Kopf). Diese CD ist ein emotionaler Abgrund aus Soundcollagen, Industrialsamples und Störgeräuschen, der nur allzu selten den Titel (herkömmlicher) Musik verdient. Düster, elegisch und auf eine Art fast krank, bauen sich ellenlange Stücke aus Geräuschen, Tonfetzen, destruktiven Krachmomenten zu einer bedrohlichen Experimentalsymphonie auf. Vielleicht ist es Industrial. Konsumierbar ist es nicht. Leicht ist es auch nicht. Eine Ahnung dessen, was die gequälten Tiere in den Laboren der Pharmaindustrie durchmachen, bekommt man durchaus. Denn hier wird der EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN Titel "Hör mit Schmerzen" durchaus zu brutaler Wahrheit getrieben.

Wenn dies der Ansatz hinter der CD ist, dann ist es gelungen. Ob es allerdings ausreicht eine derartig schmerzhafte Soundlandschaft aufzubauen um (welche auch immer) Hörer dazu zu bringen über das Thema nachzudenken, wage ich ehrlich zu bezweifeln.
Und schon bin ich der "Arsch"! Denn unter anderen Vorzeichen würde ich diese CD verreißen, da sie mir zu schwer, zu kompliziert, zu anstrengend und vor allem auch zu ermüdend ist. Bei dem Untertitel und dem Cover aber? Ich will 1972 nicht vorwerfen dass sie kalkuliert mit dem schlechten Gewissen der Hörer umgehen. Aber das ist es was ich mit "emotionaler Erpressung" meinte.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD



Tracklist:
01 - injection
02 - no romance
03 - dead drive
04 - seytan
05 - myst
06 - consequence
07 - over the rainbow
08 - atom(ohn)macht
09 - thinxs
10 - krieg


www.1972music.de



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