Live review:
NICK CAVE AND THE BAD
SEEDS 31.05.2003 -
Berlin, Arena
Enttäuschung, die erste: Das Konzert wurde verlegt von dem
ansprechenden Ambiente der Berliner Museumsinsel in die ganz und gar
untaugliche Arena. Enttäuschung, die zweite: der Kartenpreis von 41
Euro. Das letzte Mal hatte die Karte in DM noch weniger gekostet und da
tröstet es kaum, dass den Kiddies für Christina Aguilera 46 Euro
abgeknöpft werden. Enttäuschung, die dritte: Blixa Bargeld ist
nicht nur nicht da, sondern schlicht nicht zu ersetzen. Enttäuschung,
die vierte: Das Konzert war nicht besser als Nick Caves letztes Album
"Nocturama".
Das Gelände vor der Arena war schon
lange vor Beginn gut gefüllt, und man sonnte sich etwas im Schein des
Tagessterns und dem Wiedertreffen alter Freunde. Da es das einzige
Nick-Cave-Konzert in Deutschland war (abgesehen von einem kleinen Geheimkonzert
am Vorabend, das deutlich besser gewesen sein soll), brodelte die Vorfreude der
oft Weitgereisten beachtlich. Auftrieb bekam diese Vorfreude noch durch eine
gute bis sehr gute Vorband, deren Namen ich leider nicht in Erfahrung bringen
konnte. Als man dann in die Halle strömte, folgte bereits die
Ernüchterung: eine relativ kleine Bühne in dieser gigantischen Halle,
miserable Akustik war da vorprogrammiert. Bereits ab der fünften Reihe
konnte man über die Bühnenabtrennung links und rechts hinwegsehen und
blickte in das Arena-typische Baustellenflair hinter der Bühne. Somit war
kaum die Chance auf Atmosphäre gegeben.
Pünktlich betrat der
Meister des biblischen Gruftrocks die Bühne und schon die ersten Takte des
Openers "Wonderful life" offenbarten die Schwäche des
Veranstaltungsortes: dünn und breiig klang der Sound aus den Boxen. Der
Klang füllte die Halle nicht aus, und so war in den hinteren Reihen das
Gebrabbel lauter als die Musik. Nick Cave muss das bemerkt haben, denn sein
Elan schwand zusehends, er sprach kaum und bewegte sich eher müde
über die kleine Bühne. So etwas wie Stimmung kam erst mit dem vierten
Song auf, den er ausdrücklich Blixa widmete. Der Applaus war dann wohl
auch beinah ausschließlich dem fehlenden und so wichtigen Ex-Mitglied
gewidmet.
Das erste wirkliche Strahlen verursachte bei mir
"Deanna", mein Fast-Lieblingstitel der "Tender Prey".
Auffällig war, dass er neben dem erwähnten "Deanna" mit
"Mercy Seat" und "Watching Alice" insgesamt drei Titel seiner
1988er Veröffentlichung spielte und damit über dem Durchschnitt
seiner sonstigen Werkschau blieb. Aber viele Songs enttäuschten schlicht.
Während "The mercy seat" ja beinah eine Hymne ist, die man
hätte zelebrieren können wie The Cure ihr "A forest", blieb es bei
einer schwachen Version, die sogar kürzer war als die normale
Album-Version.
Obwohl ich sicher nicht auf die "Hits" aus war, fehlten
einige Werke doch. Dies war bei "Weeping song" und "Where the wild
roses grow" sicher Blixas Abgang geschuldet, aber bei "Tupelo" dann
doch unverständlich. Deutlich wurde: es fehlte der zweite Part und es
fehlten die Einlagen eines Blixa Bargeld, der charmant und witzig Kylies Part
hätte spielen können.
Lichtblick, Höhepunkt und Hoffnung
auf den Rest des Konzertes war dann ganz klar "From her to eternity" -
krachend, laut und herrlich intensiv gespielt. Leider flachte es danach gleich
wieder ab. Unfreiwillig humorvoll war Nick Cave, als er dann doch länger
in deutsch redete: "Der Bassverstärker ist kaputt - wir müssen das
sofort reparieren. Das dauert 10 bis 20 Sekunden!" Das wirkte echt, menschlich
und sehr sympathisch. Beinah das einzige Mal am Abend kam heimelige, warme und
schöne Stimmung auf.
Die Zugaben gebaren dann auch keine
Überraschungen mehr, allein der "Ship song" konnte stimmlich,
musikalisch und in der Art der Performance überzeugen. Cave muss
eingesehen haben, dass hier nicht viel zu holen war und so verknappte er den
Rausschmeißer "Babe, I´m on fire", der eigentlich ganze 15
Minuten lang ist, auf gerade mal die Hälfte und verzog sich.
Schade! Wirklich schade! Sicher taten die ungünstigen
Umstände, wie die Wahl der Arena, ihr Übriges, aber auch von der
Songauswahl her war es sicher kein großes Konzert. Was bleibt ist die
Hoffnung auf baldige Besserung. Leider.
Daniel "Bela" Bartsch für
GOTHICWORLD
SETLIST: Wonderful Life
Red Right Hand West Country Girl Halleluja (für Blixa)
???? Deanna Bring it on (feat. Chris Baily) Watching Alice
Christina the Astonishing The Mercy Seat Nobodys Baby Now From
Her To Eternity Henry Lee --- He Wants You Ship Song Do you
Love me? --- Rock of Gibraltar Babe I´m on Fire
www.nickcaveandthebadseeds.com
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