interview:

STONE SOUR
Corey Taylor:
"...die Idee hinter Slipknot, vollkommen aus den Fugen geraten!"

Corey Taylor (Stone Sour/Slipknot)Nach einigen sehr erfolgreichen Festival-Auftritten u.a. Rock am Ring/Rock im Park, ging es für STONE SOUR in die deutschen Clubs und hinein in Schweiß, Mief und tobenden Moshpits. Den Auftakt gab die Band in Hamburg und so ergab sich die Gelegenheit, einen extrem entspannten und relaxten Corey Taylor (auch bei SLIPKNOT, sollte eine arme Seele es noch nicht wissen) ein paar Fragen zu stellen. Mr. Taylor ließ sich dabei zu einigen deftigen, deutlichen und überraschenden Statements über SLIPKNOT und auch die heutige Musikszene hinreißen…

GW: Wie läuft die Tour bisher? Bist Du mit Euren bisherigen Festivalauftritten zufrieden?
Corey: Definitiv zufrieden. Wir touren ja schon seit einiger Zeit um die Welt und da dauerte es nicht lange nach kurzer Pause wieder in den Rhythmus zu kommen.

GW: Wie waren Eure Rock am Ring/Rock im Park Auftritte?
Corey: Einmalig und ungewöhnlich zugleich. Beide mal hatte es kurz vorher geregnet und die Menge und der Schlamm dampften vor sich hin, dann kamen wir und die Fans explodierten regelrecht. Es war überwältigend!

GW: Zumal da ja ein Festival zusammen mit einigen Giganten der Rockmusik gespielt hast, und wie ich lesen konnte bist Du ein eisenharter Iron Maiden Fan. Hattest Du Zeit Ihren Auftritt anzuschauen?
Corey: Ich bin der größte Fan den es gibt! Und die Zeit Ihren Auftritt anzuschauen habe ich mir einfach genommen. Es war unglaublich, die ganze Bühnenshow, das ganze drum und dran. Und erst die Setlist…Ein absolutes Best-Of Programm. Ich war schwer begeistert. Leider konnte ich Metallica nur Stückweise sehen, aber das war das gleiche Kaliber. Ein unglaublichen Sound den die da aufgefahren haben.

Stone SourGW: Hast Du schon ins "St.Anger" Album reinhören können?
Corey: Nein, nur Ihre erste Single hab ich bisher gehört. Ich gebe zu am Anfang war ich enttäuscht, aber die Musik wächst mit jedem Hören. Jetzt bin ich nur noch begeistert, ich denke Sie sind auf dem Weg in alte Zeiten.

GW: Wie es ist dann nach solch Superlativen in die Clubs zu wechseln?
Corey: Nicht so schwierig wie man denkt. Und ich persönlich unterscheide da nicht groß. Das wichtigste ist die Energie und das Feedback. Ob ich nun vor 1000 oder 10.000 Menschen auf der Bühne versage, das Ergebnis ist das gleiche. Genauso natürlich andersherum.

GW: Gerade das deutsche Publikum ist in der Angelegenheit ja berüchtigt hart.
Corey: Ja, Ihr seid schwer aus der Reserve zu locken. Zu beginn drehen zwar alle ab, es wird aber auch wieder schnell ruhig. Für mich ist das allerdings eine echte Herausforderung.

GW: Vielleicht eine seltsame Frage angesichts Deiner extensiven Bühnenshow, aber ist Dein Schwerpunkt eher das Livespielen oder doch eher das Songwriting?
Corey: Nein das ist eine gute Frage, aber ich bin auch da eher unentschieden. Obwohl das Songwriting deutlich an Wichtigkeit für mich zugenommen hat, seitdem ich wieder mit Stone Sour aktiv bin.

GW: Grad heute habe ich zum ersten Mal Euer neues Video zur neuen Single "Inhale" gesehen. Ich bin schwer beeindruckt und auch immer noch nachdenklich über die ernste und äußerst intensive Atmosphäre des Clips. Erzähl doch mal die Story dahinter mit Deinen Worten.
Corey: Der Clip ist eine kleine Geschichte über die täglichen Kämpfe der Obdachlosen. Jeder von uns in der Band spielt seinen eigenen Part und erlebt im Clip das Leben auf der Straße anders. Wir kommen dennoch immer wieder zusammen.

GW: Plötzlich seid Ihr als eine Art Big Band in weißen aalglatten Anzügen vor einer gehobenen Gesellschaft zu sehen …
Corey: Ja, man muss schon schmunzeln, aber es symbolisiert schlicht die andere, die weiße Seite des Lebens. Nach und nach verschwindet allerdings alles Oberflächliche wieder und wir sind wieder da wo es angefangen hat, auf der Straße.

GW: Wie kamst Du auf diese Ideen?
Corey: Es ist teilweise aus meinem Leben genommen. Ich war in Des Moines 1 Jahr komplett obdachlos und lebte auf und von der Straße. Ich gerade mal 17, ein Kind, und schaffte es nach dem Jahr glücklicherweise wieder zurück ins "normale" Leben. Aber ich traf viele Menschen, die keinerlei Chancen mehr haben. Aber es gab niemand auf, sondern man kämpfte sich unentwegt durch. Diese Kraft wollte ich in dem Song einfangen. Eine einfache Botschaft: Never give up …

GW: So etwas wäre mit Slipknot nicht denkbar gewesen. Hattest Du am Anfang befürch ...
Corey: Oh No … !

GW: Die Frage hast Du sicherlich schon hundertemale gehört … Aber hattest Du wirklich keine Befürchtungen am Anfang, das Stone Sour nicht als eigenständige Band akzeptiert wird?
Corey: Zuballerst noch mal eine Botschaft an all die, die Stone Sour, oder meine Meinung darüber nicht akzeptieren wollen. Ohne Stone Sour würde es Slipknot schon länger nicht mehr geben. Diese Einschränkungen, was die musikalische Abwechslung angeht waren nicht mehr auszuhalten. Meinst Du etwas melodisches wie "Bother" wäre mit Slipknot möglich gewesen? Außerdem ist die Idee hinter Slipknot, vollkommen aus den Fugen geraten.

GW: Das Prinzip der totalen Konzentration auf die Musik?
Corey: Genau das. Deshalb trugen wir Masken und die Overalls. Es sollte einfach scheißegal sein ob man gut oder scheiße aussieht. Genau das Gegenteil, wie die "Musikszene" heute funktioniert. Es zählt nur die Energie. Das war der Gedanke. Slipknot sollte mit seiner Musik die Welt erobern. Wir kommen in Deine Stadt, zerstören Sie, fressen Dich bei lebendigem Leibe, kauen Dich durch und ko**** oder sch**** Dich wieder aus. Danach ziehen wir weiter. Damit hat es sich aber auch.

GW: Ihr hattet aber allerdings dadurch weltweit Erfolge und eine Millionenfanschar weltweit.
Corey: Ich beschwere mich darüber auch nicht. Slipknot ist verdammt erflogreich, mehr als viele denken. Aber es schlug in die für uns vollkommen falsche Richtung, es ging nur noch um die Masken, nur noch um die Overalls, nur noch um die Bühnenshow, Fuck! Aber es wird noch ein Album mit Slipknot geben, vielleicht auch mehr. Wir werden sehen. Jetzt, mit Stone Sour, ist es so wie ich es immer wollte. Grundehrlich und schnörkellos. Wir sind einfach nur 5 Freunde die in Ihren normalen Klamotten Musik machen und mit den Fans feiern.

GW: Sicherlich schwer sich mit diesem Image in der heutigen extrem oberflächlichen Musikszene durchzusetzen.
Corey: Nun, dieser ganze Good-Looking-Poppy-Shit hat wirklich Überhand genommen, aber wir haben es tatsächlich geschafft in den USA Gold für das Album zu bekommen, was in den Staaten mit solcher Musik sehr, sehr schwer ist.

Stone SourGW: Machst Du dir noch viele Gedanken darüber, was an Bands im härteren Bereich so nachkommt? Der Strom an sogenannten "NuMetal/NuRock" Bands ist ja immer noch ungebrochen.
Corey: Dieser ganze Mist hat schon etwas nachgelassen. Nur diese ätzende ständige Klassifizierungen von Musik hat zugenommen und macht mich wahnsinnig. Und dieser ganze Retro-Hype. Hör Dir die "White Stripes" an. Das ist doch grauenvoll! Und die spielen doch nur das was, was früher Grunge genannt wurde. Genauso wie "The Hives". Was spielen die denn? Punk, mehr nicht. Dann soll man dazu auch stehen und nicht einem Hype hinterher rennen. Schlimmer noch ist so was wie "Good Charlotte". Das ist überhaupt nix. Nur ein weiterer Nagel in den Sarg dessen, was mal echter Punk oder echter Hardcore war. Das gleiche passierte mit KoRn. Ich habe die Band geliebt. Jetzt habe ich nur einmal in "Untouchables" hineingehört und die Scheibe doch tatsächlich weggeschmissen. Ich habe echte Angst vor der Entwicklung der Musik allgemein. Es läuft alles auf einen großen Knall zu.

GW: Aber hat Dich nicht auch irgendeine der letzten Veröffentlichungen überzeugen können? Was ist mit dem neuen Deftones Album? Ich finde es brillant und absolut unangepasst zugleich.
Corey: Ja, aber können Die auch mal einen anderen Song spielen? "White Pony" fing schon so an und nun spielen Sie eigentlich nur noch einen Song, in anderen Varianten. Wo bleibt die Abwechslung?

GW: OK, Themawechsel. Was planst Du als nächstes mit Stone Sour, wie geht es weiter?
Corey: Momentan liegen gut 24 neue Songs bereit. Von extrem Hart bis extrem Melodisch. Und alles verdammt gut. Das nächste Album wird das aktuelle noch Toppen. Ihr werdet überrascht sein.

GW: Damit bedanke ich mich, das Du Dir soviel Zeit hast und noch ein paar letzte Worte an Deine Fans?
Corey: Bleibt ehrlich, bleibt Ihr selbst und zieht Euer Ding durch!



No Comment, Alexander Treder für GOTHICWORLD


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