interview:
TYPE O NEGATIVE "Die pure
Lebensfreude?"
"Life Is Killing Me" lautet der Titel des neuen Albums von New
Yorks Düsterkönigen Type O Negative. Doch ganz so fatalistisch wollen
Type O Negative ihr neues Album wohl nicht verstanden wissen, denn schliesslich
war und ist Sarkasmus ein gerne und häufig verwendetes Stilmittel der
Brooklyn-Connection, das Hand in Hand geht mit der Fähigkeit, sich
über sich selbst lustig zu machen, ohne sich dabei der Lächerlichkeit
Preis zu geben. Viel ist seit der Veröffentlichung von "World Coming Down"
passiert. Vor allem die Terrorakte des 11. September haben ihre Spuren
hinterlassen, doch rein auf menschlicher Ebene. Wo viele Bands aus den USA und
vor allem New York sich nun patriotisch zu ihren Gefühlen dem Vaterland
gegenüber geäussert haben, haben Type O aus Respekt vor den Toten
bewusst einen anderen Weg gewählt. Peter Steele, Hauptsongwriter und
Texter der Band, macht aus seinem Herzen nach wie vor keine Mördergrube
und trägt viel lieber seine tiefsten Gefühle in die
Öffentlichkeit anstatt sich medienwirksam und plakativ zu den
Geschehnissen in seiner Heimatstadt zu äussern. Kaum vorstellbar, wenn man
bedenkt, dass eben jener Peter Steele noch zu Zeiten Carnivores Texte wie "Race
War" verfasst hat und mit "Ground Zero Brooklyn" von Carnivores 1987
veröffentlichtem zweiten Album "Retaliation" beinahe schon prophetische
Wesenszüge offenbarte, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen.
Auch wenn Type O Negative in der
Vergangenheit häufig und gerne missverstanden wurden, von dem einen oder
anderen Kritiker vielleicht auch missverstanden werden wollten, und vor allem
für "World Coming Down" viel Kritik einstecken mussten, so zeugt "Life Is
Killing Me" doch von der Stärke, sich diese Kritik zu Eigen zu machen,
damit leben zu können und vor allem in positive Energie umwandeln zu
können. Vor allem diese Selbstreflektion ist es, die "Life Is Killing Me"
zu einem ungemein spannungsgeladeneren Album werden lässt, als noch das
vor mittlerweile über vier Jahren veröffentlichte "World Coming
Down", das in Reihen der Band nicht unumstritten ist, wie Schlagzeuger Johnny
mir in einer Kölner Nobelherberge unweit des Messegeländes zu
Protokoll gibt.
Johnny: Es gab zu der Zeit ein paar
Entscheidungen abseits der Musik, die dem Erfolg der Platte nicht sonderlich
zuträglich waren. Einer der Gründe war unter anderem, dass wir
für dieses Album nicht so intensiv getourt sind, wie für die beiden
Vorgänger. Das Album ist sicher düsterer und hoffnungsloser gewesen.
Es ist ein verzweifeltes Werk gewesen mit einer Tendenz zur Selbstaufgabe, und
das hat dem kommerziellen Erfolg vielleicht ein wenig geschadet. Ich glaube
aber nicht, dass "World Coming Down" ein Fehler war. Peter hatte seine Probleme
damit.
GW: Probleme, die sogar so
weit gehen, sich bei den Fans für das schlechte Album zu entschuldigen,
wie das Info der Plattenfirma verrät. Johnny: Er ist der Meinung, dass er die
Erwartungshaltung der Fans nicht erfüllt hat, da das Album sehr
selbstgefällig war. Das Album handelt nun aber mal über Pete und
beinhaltet viele Themen, die Pete selbst betroffen haben.
GW: Johnny hingegen sieht "World Coming Down"
auch heute noch als gelungenes Album, vor allem aus künstlerischer Sicht.
Johnny: Ich finde auch heute noch,
dass "World Coming Down" eine gute Platte war. Alleine der Titeltrack
rechtfertigt die Existenz dieser Platte. Für mich ist das einer der besten
Songs, die Peter je geschrieben hat.
GW: Mit dem
Wissen um diese Unzufriedenheit und der Erwartungshaltung an das neue Album im
Hinterkopf haben sich Type O Negative weder unter Druck gesetzt gefühlt,
noch die Arbeitsweise an den Songs zum neuen Album verändert.
Johnny: Nein. Wir haben alles immer
so wie immer gemacht. Der Prozess des Songwritings, der Proben und auch der
Aufnahmen ging so wie immer vonstatten. Es gab von unserer keine Entscheidungen
derart, dass wir gesagt haben, dass wir nun eine Platte dieser oder jener Art
machen wollen. Das einzige, was Pete im Vorfeld der Aufnahmen angedeutet hatte
war, dass er sich wieder mehr an "Bloody Kisses" oder "October Rust"
orientieren wollte.
GW: Dennoch
fällt auf, dass der Sound des Albums, verglichen mit "World Coming Down",
offener geworden ist und Type O weniger in düsteren Sounds schwelgen. An
der Produktionsweise muss sich demnach dennoch etwas verändert haben.
Johnny: Wir haben dieses Mal auf
etwas mehr Technologie zurückgegriffen. Wir haben es geschafft, die
Stimmung, die die Demos hatten, im "System 2" bei den eigentlichen Aufnahmen
wieder einzufangen.
GW: Ein
grosser Teil der Songs wurde bereits vor dem Januar 2001 geschrieben, bevor
Schlagzeuger Johnny zum ersten Mal Vaterfreuden entgegen sehen durfte. Zum
Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Life Is Killing Me" sind ein Grossteil
der Songs also bereits über zwei Jahre alt, so dass man sich unweigerlich
die Frage stellt, wie repräsentativ die Stücke für den heutigen
Stand der Band sind. Handelt es sich bei "Life Is Killing Me" daher nicht viel
mehr um eine Reflektion der Band von vor zwei Jahren? Johnny: Die Songs ändern sich ständig,
auch wenn sie bereits vor zwei Jahren geschrieben wurden. Als wir im November
ins Studio gegangen sind, haben sich die Songs noch einmal verändert, und
sie verändern sich auch jetzt noch ständig. Dadurch kannst du Type O
und die Songs auch nie auf eine bestimmte Zeit festlegen.
GW: Type O stammen aus New York und sind auch
heute noch immer noch tief in Brooklyn verwurzelt, welche Spuren hat demnach
der 11. September hinterlassen? Johnny:
Pete hat ganz bewusst versucht, die Ereignisse vom 11. September
keinen Einfluss auf die Musik nehmen zu lassen. Er wollte kein Kapital daraus
schlagen oder sich nach Sensation heischend nun darauf stürzen. Er fand,
das wäre nicht sehr respektvoll. Ich kann ihm in diesem Punkt nur
zustimmen. Viele der Songs entstanden vor dem 11. September und wir haben sie
anschliessend nicht noch einmal bearbeitet, nur um einen Bezug auf die
Ereignisse zu nehmen.
GW: In der
Tat findet sich auf "Life Is Killing Me" kein musikalischer Bezug zum
11.September, doch bleibt fraglich, was sich seit diesem fürchterlichen
Ereignis für den Menschen Johnny Kelly verändert hat. Johnny: Es hat alles verändert. Die ganze
Art und Weise, wie wir in New York leben. Wenn du beispielsweise eine
Brücke überquerst siehst du überall nun Sicherheitsposten oder
Militär stehen. Es ist alles nicht immer so frei und ungezwungen, wie es
einmal war. Jeder von uns hatte Freunde, die dort gearbeitet haben. Ich kannte
Feuerwehrleute, die dabei ums Leben kamen oder dort anschliessend gearbeitet;
Freunde, die die Trümmer beseitigt und fürchterliche Dinge dabei
gesehen haben. All diese Leute sind vollkommen fertig und bis an ihr Lebensende
gezeichnet.
GW: Der 11.
September hat aber nicht nur in New York seine Spuren hinterlassen und so bin
ich sicher nicht der Einzige, der in einem Hochhaus arbeitet und ein jedes Mal
ein ungutes Gefühl bekommt, wenn er in der Ferne Flugzeuge am Himmel
sieht. Johnny: Man kann sich
eigentlich nur schwer vorstellen, dass es Menschen gibt, die solche Dinge in
Erwägung ziehen. Diese Taten auf eine rationale Ebene zu verlagern ist
unmöglich. Die Leute, die für die Taten verantwortlich sind, sind
psychisch vollkommen fehlgeleitet. Das waren keine normalen Menschen. Man
beginnt darüber nachzudenken, was einen selbst dazu bringen könnte,
solche Terrorakte zu verüben. Für mich ist es unvorstellbar, sich
alleine solchen Gedanken hinzugeben. Es war füchterlich. Ich konnte nicht
glauben, dass das, was ich da sah, wirklich wahr war.
GW: Ähnlich
erging es vielen und so habe ich damals die Ereignisse live am Bildschirm
verfolgen und beobachten müssen, wie auch die zweite Maschine im World
Trade Center einschlug. Bis heute ein unvergesslicher Anblick. Johnny: Ich habe das nicht direkt am Fernsehen
verfolgt. Ich war gerade dabei meine Tochter anzuziehen, weil wir zum Wasser
und uns einen schönen Tag machen wollten. Mein Bruder rief an und fragte
mich, ob ich Fernsehen anhätte, und ich antwortete "nein". Er meinte zu
mir "schalte den Fernseher an", und ich fragte "warum", und er sagte nochmal
"schalte den Fernseher an". Also habe ich den Fernseher angemacht und er fragte
mich " siehst du das World Trade Centre" im Fernsehen, und ich antwortete "ja".
Er sagte dann nur noch "schau genau hin", und dann begann schon die Reportage
und die fortwährenden Wiederholungen der Szene, wie die Flugzeuge in die
Gebäude stürzten. Und eine Stunde später stürzten die
Gebäude in sich zusammen.
GW:
Die weitere Abfolge der Geschehnisse ist bekannt und auch der
daraus resultierende Krieg im Irak zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein.
Doch wo vor allem die Europäer Zweifel an der Rechtfertigung dieses
Krieges durch den 11. September hatten und ein direkter Zusammenhang bis heute
nicht nachgewiesen wurde, stellt sich für Johnny diese Frage nicht.
Johnny: Von da, wo ich stand und
Richtung Manhattan geblickt habe, war dieser Krieg in jedem Fall
gerechtfertigt. Ich bin kein Mensch, der Rachegelüste hegt oder der das
Töten von Menschen billigt, aber die Menschen, die nicht mit uns
übereinstimmen, waren nicht in New York. Was den Irak angeht, so
hätte das schon vor langer Zeit passieren sollen. Ich verstehe bis zum
heutigen Tage nicht, warum nicht schon der erste Bush-Krieg noch mehr zu einem
Zusammenbruch des irakischen Regimes beigetragen hat. Dieser Job hätte
schon beim ersten Mal erledigt werden können. Wenn es wahr ist, das
behauptet wird, dass er Massenvernichtungsmittel hat
Hussein hat die
U.N. ohnehin lächerlich gemacht. Wenn er nichts zu verheimlichen hatte,
warum hat er die Waffeninspektoren dann nicht ins Land gelassen und ihren Job
machen lassen? Ich denke, dass er wirklich etwas zu verstecken hatte.
GW: Doch produziert man durch
diesen Krieg nicht weitere Terroristen, die, angestachelt durch in ihrem
Glauben fehlgeleitete Islamisten, zu eben jenen Taten wie dem des 11. September
verleitet werden? Johnny: Die
wären ohnehin da. Lass sie doch alle in den Irak kommen, so dass wir sie
dort bekämpfen können. Diese Form des Radikalismus ist dort ohnehin
weit verbreitet. Was würde sich aus heutiger Sicht in einem Jahr daran
ändern? Nichts. Wenn es uns ermöglicht, die Situation heute zu
klären, dann sollten wir den Job heute erledigen.
GW: Die USA waren, abgesehen von der
Unterstützung aus Grossbritannien und Spanien, in Europa mit dieser
starren Kriegshaltung weitestgehend isoliert. War diese Kritik an der
amerikanischen Regierung und vor allem George W. Bush für dich
nachvollziehbar? Johnny: Ja und
nein. Ich denke, die Europäer haben vergessen, was in der Vergangenheit
geschah. Sie waren der Auffassung, sich aufgrund des Geschehens von vor sechzig
Jahren über die Dinge stellen zu können. Aber auch das kostetete
damals viele Menschenleben und viel Energie, es zu stoppen. Viele Menschen im
Nahen Osten leben in einer Welt, die der von vor sechzig Jahren sehr
ähnlich ist, auch auf geistiger Ebene. So lange es Typen wie Saddam
Hussein gibt, müssen diese auch beseitigt werden. Natürlich wäre
es schöner gewesen wenn man in der Lage gewesen wäre, ihn direkt zu
fassen zu bekommen.
GW: Was
durch das sogenannte "Surgical Bombing", also durch exakt platzierte und
lasergesteuerte Bomben, die die Zivilbevölkerung weitestgehend verschonen
soll (dass dem leider nicht so war, steht aus heutiger Sicht ja leider
unzweifelhaft fest, d.Verf.), ja auch beinahe gelungen wäre. Johnny: Ich finde, dass dies eine gute Sache ist.
Natürlich hat es das Gesicht des Krieges verändert. Anstatt nun ganze
Städte auszuradieren kann man bestimmte Ziele anvisieren und somit den
Schaden so gering wie möglich halten. Man minimiert den Schaden und
natürlich auch die Zahl der Opfer. Die wahren Opfer des Krieges sind doch
die Zivilisten, die damit eigentlich gar nichts zu tun haben. Sie sind die
Leidtragenden. Ich denke, niemand hätte ein grösseres Problem damit,
wenn es nur um Saddam Hussein gehen würde. Der Krieg hat sich
verändert. Die Menschen, die heute den Krieg führen, sind Techniker.
Was ich überhaupt nicht mag, sind diese Journaillisten, die direkt aus den
Einheiten berichten. Hier wird der Krieg zur Sensation. Wenn in Bagdad gerade
nichts los war, dann hat man eben schnell Videotapes von früheren Aktionen
eingespielt. So lief die Berichterstattung den ganzen Tag im Fernsehen ab,
wobei man immer den Eindruck hatte, dass es nur um die Einschaltquoten der
Sender ging, und um nichts anderes.
GW:
Zurück zur Musik. Um den Titel gab es im Vorfeld der
Veröffentlichung einige Irritationen, war doch bereits "The Dream Is Dead"
angekündigt. Nun heisst das Album "Life Is Killing Me" und spiegelt
eigentlich das wider, was seit je her zu Type O Negative gehört. Eine
gehörige Mischung aus Ironie, Sarkasmus und Zynismus, der häufig
falsch verstanden wurde und nicht selten zu Missverständnissen in der
Auseinandersetzung mit der Band geführt hat. Johnny: Wir hatten immer diese tragische und
beinahe schon komische Perspektive. Sarkasmus war dabei immer einer der
wichtigsten Aspekte bei Type O Negative. Ich denke, nemand von uns wäre in
der Lage, ohne diesen Sarkasmus zu kommunizieren oder sich selbst darzustellen.
Ich glaube, dass vor allem Europäer Sarkasmus nicht sonderlich
schätzen. Vieles wurde falsch verstanden oder aus dem Zusammenhang
gerissen. Es scheint, dass viele die Problematik daginter einfach nicht sehen
oder vielleicht auch wahr haben wollen. Den Titel des Albums haben wir nur
einmal geändert. Zunächst sollte das Album "The Dream Is Dead"
heissen. Ich finde, der neue Titel beschreibt sehr genau, was los ist. Es gab
sehr viel Stress, Drama und Frustration, um dieses Album fertigzustellen,
sowohl im persönlichen Leben, wie auch innerhalb der Band.
GW: Auf der
anderen Seite finden sich auf "Life Is Killing Me sehr persönliche Songs
wie "Nettie", eine Danksagung Peters an seine Mutter, oder "Todd´s Ship
Gods (Above All Things)", wo Peter über das Verhältnis zu seinem
Vater singt, die man von diesem muskelbepackten Zweimeterhünen, der mit
Type O Negative ja auch ein bestimmtes Image verkörpert, in dieser
Ehrlichkeit und Offenheit gar nicht erwarten würde. Wie vereibart sich
diese Offenheit mit dem Zynismus und der Ironie der Band? Johnny: Wir machen uns ja nicht nur über
Dinge lustig. Das ist halt eine dieser Situationen, wo Pete sich selbst
darstellen möchte, vielleicht auch die einzige Art und Weise, in der er
sich darzustellen weiss. Nicht alles im Leben ist ein Witz. Und manchmal ist es
auch wie im richtigen Leben. Manchmal ist ma in einer ruhigen Stimmung, dann
wieder in einer sehr zynischen Stimmung uind das nächste Mal wieder in
einer ganz anderen Stimmung. Das ist immer von der jeweiligen Tagesform
abhängig.
GW: Und ein, wie
ich finde, sehr mutiger Schritt. Johnny:
Ja. Das mag auch einer der Gründe für mich persönlich
sein, dass ich kein grossartiger Songschreiber bin. Ich mag es einfach nicht,
mich so offen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Von daher sag
ich mehr, besser er als ich. Ein Song gibt einem immer die Möglichkeit
sich auf eine Art und Weise zu äussern, wie man es sonst wahrscheinlich
nicht tun würde. Für mich ist daran nichts falsch oder verkehrt. Es
gibt viele Songs, in denen man sich bedankt, sei es nun bei seinen Eltern, oder
bei anderen Menschen. Vielleicht erscheint es heutzutage gerade deswegen
ungewöhnlich, weil es nicht sonderlich angesagt ist. Man sollte sich viel
öfter damit beschäftigen, wo man herkommt und wer dafür
verantwortlich ist, wie man geworden ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es
nun die Eltern, der Freund oder die Freundin waren.
GW: Die Metal- und auch weite Teile der
Gothic-Szene vermitteln immer wieder den Eindruck, mehr mit sich selbst
beschäftigt zu sein und sich selbst wichtiger zu nehmen, als es nötig
wäre. Die Erfüllung eines bestimmtes Images scheint dabei wichtiger
zu sein, als der künstlerische Aspekt. Johnny: Wir haben dies sicherlich nie getan, aber
ich bin mir der Bands bewusst, auf die du hier ansprichst. Wir sind immer sehr
auf dem Boden geblieben und haben unser Ding durchgezogen. Wir haben immer
gesagt wo wir herkommen und den Leuten nie etwas vorgemacht.
GW: Dazu
zählen sicher auch die unüberhörbaren Referenzen an die Beatles
in Songs "(We Were) Electrocute" und "Less Than Zero", die man als musikalische
Einflüsse einer Band, die das düstere Image lebt und verkörpert,
wohl kaum erwarten würde. Ist dies die musikalische Verbeugung vor den
"Fab Four"? Johnny: In jedem Fall.
Wir wollten zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur von Black Sabbath, sondern
eben auch stark von den Beatles beeinflusst sind. Das haben wir immer gesagt
und es ist sicherlich auch kein grosses Geheimnis. Mit "Day Tripper" hatten wir
ja bereits ein Coverversion der Beatles gemacht. Während andere Kids mit
irgendwelchen Märchplatten aufwuchsen, wurde ich mit "Sgt.Pepper" oder dem
"Weissen Album" gross. Mein Vater wollte meinen Bruder sogar Paul nennen. Auch
wenn jeder von uns verschiedene andere musikalische Einflüsse hat, bei den
Beatles und Black Sabbath sind wir uns immer einig. Natürlich haben uns
auch Bands Deep Purple, Led Zeppelin, AC/DC oder Kiss beeinflusst.
GW: Neben Bands wie Bauhaus,
Sisters of Mercy, Laibach oder Curve, die als Einflüsse der Band aus
Brooklyn ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben, wobei Type O mittlerweile
ihre eigene und unverwechselbare Identität gefunden haben. Wie aber stehen
Type O zu einer Band wie den Tschechen Frown, die teilweise mehr nach Type O
klingen, als Type O selbst. Johnny:
Du bist bereits der vierte oder fünfte Journaillist, der mich
darauf anspricht. Ich betrachte Type O Negative eigentlich nicht als eine Band,
die andere beeinflusst. Ich hätte neimals gedacht, dass wir einmal solch
einen Status bekommen würden, der uns in eine Reihe mit Bands wie Black
Sabbath stellt Mir kommt das so vor, dass man unter solchen Vorzeichen nur eine
geringe Erwartungshaltung an die eigene Karriere hat.
GW: Dass Type O Karriere gemacht haben,
hätte nach den Kontroversen, die Peters Vorgängerband Carnivore
damals ausgelöst haben, wohl kaum jemand für möglich gehalten.
Und dennoch, trotz des Erfolges hat sich für die sehr heimatverbundene
Band kaum etwas verändert. Immer noch wohnt die Band in Brooklyn, zum Teil
in den slben Appartments. Ist diese Bodenständigkeit und das Wissen darum,
wo man hingehört, vielleicht auch das Geheimnis des Banderfolges? Braucht
die Band diese vertraute Umgebung? Johnny:
Ich weiss nicht. Ich bin bereits ein paar Mal umgezogen, seit ich
bei Type O Negative bin. Ich fahre schon seit ein paar Jahren den selben Wagen
Natürlich hat sich persönlich im Laufe der Jahre einiges
verändert. Ich habe eine Familie - mit Ausnahme Peters haben alle Familie
-, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir diese Vertrautheit wirklich
benötigen. Pete und Josh brauchen sicher so etwas wie eine "Comfortzone",
was sich ja auch darin äussert, dass Pete viele Songs über seine
Umgebung geschrieben hat. Ich liebe es zwar in New York zu leben, könnte
mir aber auch vorstellen, irgendwo anders zu leben. Damit hätte ich
überhaupt kein Problem.
Michael Kuhlen (Obliveon) für
GOTHICWORLD
Homepage:
www.typeonegative.net
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