exclusive interview:

God Module - Künstliche Intelligenz

God Module zählen, nimmt man ihr Debüt "Artificial" zum Maßstab, zu den hoffnungsvollsten Newcomern der düsteren Elektro-Zunft.
"Artificial" erscheint dabei zunächst als kompakte Einheit auf hochstehendem Niveau, dessen wahre Klasse sich erst nach und nach herauskristallisiert, wobei nicht eines der Stücke die sebstgestellten Vorgaben als potentieller Club-Smasher unterschreitet. Neben der Musik ist es vor allem auch die ungewöhnliche Wahl des Bandnamens, wonach der menschlichen Spezies durch eine höhere Macht ein Modul implantiert wurde, das den Glauben an Gott und seine religiösen Auswüchse steuert, mit der God Module die Aufmerksamkeit auf sich lenken und die mein Gesprächspartner Jasyn Bangert zu Beginn unseres nachfolgenden Interviews zunächst einmal ausführlich erläutert.



Jasyn : "Der Hauptgrund, warum wir uns für diesen Namen entschieden haben, war die verlockende Idee, daß uns als menschliche Spezies durch die genetische Evolution eine Form der Kontrolle auferlegt wurde. Die Idee, durch eine außenstehende, nicht menschliche Kraft kontrolliert zu werden, ist alleine schon beängstigend. Durch die moderne Technologie, die es uns in der Zukunft durch das Klonen von DNA ermöglichen wird, menschliches Leben zu erschaffen, stellt sich natürlich erst recht die Frage, wie schwer es für uns dann sein wird die Fähigkeiten zu erwerben, auch das Bewußtsein eines anderen zu kontrollieren. "

Im Zusammenhang mit der Rechereche nach einem geeignetem Bandnamen sind God Module sicherlich auch mit religiösen Gedanken sowie Glaubensfragen an sich konfrontiert wurden, wobei man über die Verfehlungen der christlichen Kirchen beginnend im Mittelalter bis hin zum heutigen Tage sicherlich kaum ein Wort zu verlieren braucht. Toleranz im Bezug auf den Glauben zählt für God Module aber zur Selbstverständlichkeit.

Jasyn : "Einem jeden sollte es erlaubt sein, fest an bestimmte Dinge zu glauben oder sich ihnen ganz hinzugeben. Die Religion, vor allem aber der Glaube, können für viele ein hilfreiches Werkzeug sein. Spiritualität sollte zur gleichen Zeit vor allem eine sehr persönliche Angelegenheit sein, doch im Gegensatz dazu scheint es, als ob diese Spiritualität die Basis für die breitangelegte Dummheit unserer Rasse zu sein. Wenn dir der Glaube an etwas hilft, so ist das schön, wenn man aber den Punkt erreicht, wo die Gläubigen den Zwang verspüren, ihren Glauben anderen Menschen ohne das Akzeptieren einer anderen Meinung aufzuzwingen, wird dies zwangsläufig zum Problem. "

Der Anspruch, den God Module an sich selbst stellen ist der, mit jedem Song, der kompniert wird, einen potentiellen Clubhit zu erschaffen. Neben einem unglaublichem Druck, den God Module sich damit selbst auferlegen, ist natürlich ein untrügliches Gespür für Clubtaugichkeit Voraussetzung für dieses Unterfangen, und wer sich jemals mit Künstlern, egal welcher Couleur, unterhalten wird ganz schnell feststellen, daß diese ihren eigenen Ansprüchen selten genügen.

Jasyn : "Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, daß wir bislang jemals den Punkt erreicht haben, wo wir einen Song als wirklich beendet angesehen haben. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, daß die Zeit ungücklicher Weise eine entscheidende Rolle in unserem Leben spielt. Unausweichlich erreicht man den Punkt, Dinge zu akzeptieren und weiter voranzuschreiten um produktiv zu bleiben. Das Integrieren all der unterschiedlichen Stile macht uns unheimlich viel Spaß und da wir uns nicht auf einen bestimmten Bereich beschränken, geben wir unserer Musik die Chance länger zu überdauern als Projekte, die sich ausschließlich der EBM-, Techno/Trance- oder Synthie Pop-Schiene verschrieben haben. Es gibt daher kaum andere logische Optionen, als uns mit unseren Songs gut in den Clubs zu behaupten. Es ist uns viel zu häufig passiert, daß wir CD's gekauft haben, nur um anschließend wieder einmal festzustellen, daß rund um zwei bis drei Tracks mit einem gewissen Wiedererkennungswert nur eine Stunde zweitklassiges Füllmaterial gruppiert wurde. Dies waren die Momente, die dazu beigetragen haben, daß wir anfingen unsere eigene Musik zu schreiben. Es lastet daher auf uns als Künstlern natürlich schon ein gewisser Druck, aber damit können wir gut umgehen. Warum sollten wir Zeit damit verschwenden Songs zu schreiben, die nicht einmal unseren eigenen Ansprüchen genügen? "

Vom Fan zum Musiker. Einhergehend mit solch einem Wechsel der Fronten und dem wachsenden Erfolg der Band verlagert sich natürlich auch die Sichtweise und der Anspruch der Musiker an sich selbst und ihre Musik. Wie äußert sich das im Falle God Module's?

Jasyn : "Wir beide sind große Fans der EBM/Elektro-Szene. Ich finde, daß sich unsere Meinungen in Bezug auf die Musk im Laufe der Jahre verändert haben, nicht allerdings aufgrund des Erfolges. Nachdem man sich damit vertraut gemacht hat, Musik mit Hilfe der Elektronik zu kreieren, scheinen Dinge, auf die man vorher sehr großen Wert gelegt hat, in ihrer Simplizität manchmal erschreckend einfach. Es fällt somit auch schwer zu verstehen, warum manche Leute, ohne hier Namen zu nennen, solch einen Erfolg haben. Ich verlange ja nicht, daß sich jeder nun in sein Keyboard verkriecht und Sounds kreiert, die seine Präsenz in der Szene festigen und rechtfertigen. Es geht nur darum zu erkennen, daß es noch andere Ausdrucksformen gibt, als die Sounds, die einem regelmäßig von den CD's bekannter Bands ins Ohr dringen."

Themenwechsel. Im Text zu "Re.Start" heißt es: "I've seen the future there's no past", wobei die Zukunft aus der Vergangenheit resultiert und nicht in ein Paradoxum mündet, wie es durch die Textzeile God Module's suggeriert wird. Überhaupt scheint das Spiel mit Paradoxien oder die Kürzung ganzer Textfragmente auf wesentliche Schlagworte zu den auserkorenen Stilmitteln der Band zu gehören.

Jasyn : "Beinahe alles im Leben ist doch vom Grundsatz her paradox. Alles kann so verdreht werden, daß es, wenn wir die Kehrseite zu sehen bekommen, nicht immer ein willkommener Anblick ist. Unbestritten ist, daß wir nicht immer die Kontrolle über unser Leben haben. Auf jede Handlung gibt es eine Gegenreaktion, und diesen Gedanken im Hinterkopf, erwacht jeder unserer Texte zu neuem Leben. Wenn ich Texte schreiben, versuche ich zu übermitteln, wer ich bin, wie immer sich das am Ende auch darstellenen mag. "

Auch wenn God Module eine Elektroband sind, so sind sie sich der Gefahr moderner Technologien deutlich bewußt, wie das folgende Zitat aus einem Interview der Band mit dem "Electroage-Webzine" zeigt. Dort heißt es: "...strange uncertainty of our destiny regarding technology". Für eine Band dieses Genres, das gerne mit den vermeintlichen Errungenschaften und Novitäten der Technologie kokettiert, ist dies eine erstaunliche Aussage, die Jasyn im folgenden jedoch etwas relativiert.

Jasyn : "Diese Angst rührt nicht von der Techologie an sich, sondern von dem, was die menschliche Rasse im Stande ist, damit zu tun. Als Spezies haben wir die offensichtliche Tendenz etwas Positives zu nehmen und erst einmal jede einzelne negative Verwendung dafür herauszufinden, bevor wir es gewinnbringend einsetzen. Gleichzeitig kann die Technologie, die dafür sorgt, daß unsere Lebensqualität ständig steigt, auch dazu führen, uns zu zerstören. Es scheint keine Möglichkeit zu geben dies zu vermeiden; das ist ganz offensichtlich die menschliche Natur. Was unsere persönliche Einstellung angeht, so gibt es von unserer Seite aus keine Animositäten gegenüber der Technologie. Wir nutzen diese als Werkzeug um uns auszudrücken und werden dies tun, so lange es uns möglich ist. Der Versuch, die besten Aspekte der Musik, die wir mögen, mit unseren Ideen zu vermischen und etwas zu erschaffen, von dem wir begeistert sind, ist unsere Form von Kunst. "



Michael Kuhlen (OBLVION) für GOTHICWORLD

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