SHORT-REVIEWS - Perlen dieses Jahres:

Time And The Maiden    CLAIRE VOYANT:
"CLAIRE VOYANT" (49:02 min)
"TIME AND THE MAIDEN" (69:30 min)
(ACCESSION / EFA)
     

Wie geschaffen für kalte Wintermonate (kommt aber auch im Sommer gut! Anmerkung vom Netzmeister) scheinen die Wiederveröffentlichungen dieser beiden Alben der Amerikaner Claire Voyant. Etherischer Dark Wave mit absolut traum- und zauberhaftem Gesang von Victoria Lloyd, der einfach zeitlos ist und voller Emotionen zum Träumen verleitet, wobei sich zwischen beiden Alben keinerlei qualitativen Unterschiede feststellen lassen. Im Vergleich zu anderen Bands dieses Genres - Love Spirals Downwards mögen einem da in den Sinn kommen - bürgen Claire Voyant für eine kompositorische Detailverliebtheit, die den Liedern der Band immer wieder eine neue und unerwartete Wendung verleiten und den Zuhörer auf immer neue musikalische Entdeckungsreisen geleiten, seien es nun sphärische Keyboardflächen, kraftvolle Percussion-Elemente oder diffizile Gitarrenharmonien, die Victoria Lloyd's Stimme einrahmen. Traumhaft.

Michael Kuhlen für OBLIVION / GOTHICWORLD

Homepages: www.clairevoyant.com


Her Liquid Arms    DIORAMA:
"HER LIQUID DREAMS" (61:50 min)
(ACCESSION / EFA)
     

Man möge es mir verzeihen, wenn ich mit meiner Kritik, voll der Euphorie und der Begeisterung über die Entwicklung, die Diorama aka Torben Wendt seit dem beileibe nicht schlechten Vorgänger "Pale" durchlaufen hat, hier weit über das Ziel einer objektiven Kritik hinaus schieße. Wo "Pale" noch wie das Album eines introvertierten Künstlers klang, der sich seine ersten Sporen und seinen Platz im harten Musikgeschäft noch erkämpfen muß, ist "Her Liquid Arms" ein perfekt abgestimmtes Album voller Melancholie, deutlich tanzbarerer Arrangements und unbeschreiblich besinnlicher Momente. Ein Album, das uns die Intimität der zerbrechlich wirkenden Seele seines Protagonisten suggeriert, dabei doch so kraftvoll und mitreißend ist und uns bei allen besinnlichen Momente so lebensbejahend und fröhlich erscheint. Auch wenn es sich eigentlich verbietet, aus diesem Meisterwerk ein Stück besonders hervorzuheben, spätestens wenn das getragene "Das Meer" erklingt, ist es Zeit inne zu halten und sich in seinem eigenen Meer der Gedanken treiben zu lassen. Wundervoll.

Michael Kuhlen für OBLIVION / GOTHICWORLD

Homepages: www.accession-records.com


Artifictial    GOD MODULE:
"ARTIFICIAL" (68:12 min)
(MATRIX CUBE / EFA)
     

God Module stellen an sich selbst den Anspruch, mit jedem Song eine Hymne für die Tanzflächen zu komponieren. Ein herer Anspruch, denn wahrscheinlich jeder Elektro-Künstler für sich in Anspruch nimmt. Doch während Legionen von Musikern und Bands kläglich daran scheitern, haben God Module in der Tat den Bogen raus. Fünfzehn düster eingefärbte Elektrohymnen, die von sphärischen und beinahe Trance-inspirierten Arrangements ("Divine Separation") bis hin zu krachenden Beats reichen ("Companion", "Submission") reichen und die vor allem eins gemeinsam haben, nämlich Klasse und ein untrügliches Gespür für Melodien. Während manche Bands Jahre brauchen, alleine um solch einen Track wie "Illusion" zu schreiben, schütteln sich Jasyn Bangert und Andrew Ramirez auf ihrem Debüt (!!!) Songs von solch einem Kaliber gleich im Dutzend aus den Ärmeln. Zusammen mit Assemblage 23, die im letzten Jahr ein ähnlich gutes Album veröffentlicht habe, scheint da eine neue Phalanx wirklich erstklassiger EBM-Acts düsterer Färbung aus den USA auf uns zuzurollen. So laßt sie denn kommen...

Michael Kuhlen für OBLIVION / GOTHICWORLD

Homepages: www.inception-records-records.com/godmodule


Vampire Book    UNTOTEN:
"VAMPIRE BOOK" (40:00 min)
(SONIC MALADE / EFA)
     

Natürlich spielen die Untoten mit Klischees und für viele mag der Bogen dabei - ähnlich wie bei Cradle of Filth - vollkommen überspannt sein, doch "Vampire Book" ist, wie bereits seine Vorgänger, ein musikalisch überzeugendes Album, das alleine durch seine Klasse für sich spricht und sämtliche Kritiker schlagartig verstimmen lassen müßte. "Vampire Book" ist Deathrock pur, dargeboten mit einer Intensität, die einem wohlige Schauer über den Rücken laufen läßt und mit zum Besten gehört, was in diesem Genre seit langem zu vernehmen war. "Abdomination", das erste Stück des Albums, lädt durch seine kraftvolle Performance auf eine musikalische Reise ein, die zwischen manisch-düsterer Tanzbarkeit auf der einen und lasziv unterkühlter, stets umschmeichelnder Erotik auf der anderen Seite hin und her pendelt und das vertonte Grauen in beinahe naiv unschuldiger Form von seinen Zuhörern Besitz ergreifen läßt. Sich diesem schaurig schönen Vergnügen zu widersetzen, hieße sich der musikalischen Integrität einer der beeindruckendsten Gothic-Bands unserer Tage zu verweigern.

Michael Kuhlen für OBLIVION / GOTHICWORLD

Homepages: kiss.to/untoten


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