CD-REVIEWS:

Tribute to THE PET SHOP BOYS    V.A.: "Very introspective, actually"
- a tribute to THE PET SHOP BOYS
(Dancing Ferret Discs)
     

Nachdem Dancing Ferret Discs uns bereits mit den erfolgten CRÜXSHADOWS -Veröffentlichungen ein paar echte Perlen beschert haben, sollte hier auch der äußerst hörenswerte PET SHOP BOYS -Tribute erwähnt werden. Zunächst sei hier einmal festgestellt, dass der Kauf dieses Samplers nicht danach getätigt werden sollte, ob man die Elektrpopkönige mag oder nicht. Die auf dem Sampler vertretenen Bands aus dem Gothic-, Elektro- und Wavebereich präsentieren fast durchgängig äußerst eigenständige Versionen, welche meist zu gefallen wissen und mich teilweise richtig begeistern. Besonders empfohlen sei das Teil allen artverwandten Wesen, welche bisher wenig über die Szene außerhalb des europäischen Festlands, insbesondere der Vereinigten Staaten wissen und hier erleben können, dass die Eitelkeit und Selbstbespiegelung, der die deutsche Szene manchmal anheim fällt, nicht viel wert ist. Die Zeit, welche man benötigt um diese CD zu geniessen, sollte man sich entgegen der Schnellebigkeit unserer Szene unbedingt nehmen. Zu den einzelnen der insgesamt 15 Tracks:

The CrüxshadowsZunächst präsentieren THE CRÜXSHADOWS ihre Version vom allseits bekannten Discohit "It´s A Sin", welche, wie könnte es bei ihnen sonst sein, gelungen ist und durch Rogues exzellenten Gesang dominiert wird.

Auch nicht verachtenswert ist die Version von "Rent" der heimischen BEHIND THE SCENES. Schade nur, dass sie es trotz des guten Ansatzes wieder nicht lassen konnten ihr Kirmeskeyboard auszupacken. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Human DramaVersöhnt wird man jedoch sofort mit dem minimalistisch gehaltenen Darkfolk von HUMAN DRAMA. Mit Gitarre, Flöte und Gesang hat man aus "This Must Be The Place I´ve Waited Years To Leave" eine wunderschöne Ballade geschaffen, die jedem unter die Haut gehen sollte.

Kontrastreich geht´s weiter mit FICTIONAL, welche mit "Opportunities" einen der besten PSB -Songs tauglich für unsere Elektro-DJs machen.

Eine wirklich abgedrehte Version von "Left To My Own Devices" haben sich MOTORMARK einfallen lassen: durch die Mangel gedrehte und beschleunigte TripHop -Beats und Sängerin Jane´s freche Vocals können einen schon wahnsinnig machen.

EndangerENDANGER bleiben mit "ihrem" "Surburbia" recht dicht am Original. Allerdings hat man dem Song einen eher Depeche Mode -mässigen Sound verpaßt, was durchaus gefällt.

SWEEP entwickeln "Love Comes Quickly" nach einem trancemäßigen Einstieg in einen sehr gelungenen Synthiepopsong, der vor 80er-Jahre-Feeling nur so strotzt. Einfach schööön!

ATHAN MAROULIS & ZEITMAHL legen in einer Coproduktion hier mit "Heart" die wohl eigenständigste Version vor. Man stelle sich einen Sänger vor, welcher die Qualitäten von Frank Sinatra und Jim Morrison vereint und zu Melodien singt welche als "bluesig" und dennoch auch "gothic" bezeichnet werden können. Eine Komposition, welche in dieser Form bisher nur in den Staaten möglich zu sein scheint. Für Leute, welche ausser Standardbummbumm auch noch anspruchsvolle Musik mögen genau das Richtige für einen lauen Sommerabend mit Getränken ab 35% vol.alc. aufwärts. "On the rocks"? - Na gut.

Reah´s ObsessionDass die Sängerin von RHEA`S OBSESSION nicht nur ausnehmend hübsch ist, sondern mit "What Have I Done To Deserve This?" auch noch einen ausgesprochen gelungenen Beitrag ableistet war, für jeden zu erwarten, der schon eimal in Berührung mit diesem Projekt gekommen ist. Trancewave vom Feinsten.

Leichtere Kost, aber deswegen keineswegs zu verachten sind ICON OF COIL, deren Umsetzung von "New York City Boy" ebenfalls Respekt verdient und bestens dazu taugt den Electro -Dancefloor zum Kochen zu bringen.

Icon Of CoilAls schwer zugänglich erwies sich zunächst "So Hard", hier interpretiert von MOMUS aus Großbrittanienen. Auf jeden Fall kann man dem Stück kompositorische Kühnheit und eine Menge Humor bescheinigen. - Britischen, wohlgemerkt.

Bei "Jealousy", hier umgesetzt von HUNGRY LUCY wird einmal mehr bewußt, dass die amerikanische Szene über erheblich stärkere weibliche Vokalistinnen verfügt als beispielsweise die deutsche Gothicszene, der man vorwerfen muß, dass in den meisten Fällen die Tiefe des Ausschnitts oder die Ambitionen des männlichen Composers vor Können und Stil geht. Naja, jedem das Seine. Christa Belles Gesang ist jedenfalls anbetungswürdig.

Technoid gehts weiter mit CLEANER, welche hier mit "You Now Where You Went Wrong" sicher keine schlechte Arbeit abliefern. Mir ist der Technosound jedoch etwas zu gewöhnlich.

Und auch nach diesem Stück wird man sofort wieder verwöhnt. Die Coproduktion von NICOLE BLACKMAN & JOHN VAN EATON ist eine hörspielartige Vertonung von "West End Girls", welche durch ambientartige Soundteppiche unterlegt eine derart düstere Atmosphäre erzeugt, der einen fragen lässt, wann die beiden einen wirklich düsteren Soundtrack schreiben werden. Mehr davon!!!

DAVID J schafft mit seinem "Being Boring" einen gelungenen, getragenen Ausklang. Gesang und Gitarre reichen bei guten Künstlern eben vollkommen aus.


Martin KA (THOU) für GOTHICWORLD


Mehr Infos: www.ferret.com/discs/



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