exclusive interview:

MozartUmbra Et Imago
Zehn Jahre Energie und kein bisschen müde, ...

Eric Burton von Public Propaganda, welche dieses Interview organisierte, hatte mich ja vorgewarnt, Mozart ist wirklich der "Meister der Monologe". Noch bevor ich die erste konkrete Frage gestellt habe, hatte er schon fünf weitere auf meiner Liste beantwortet. Dabei hatte ich das Glück, an einem harten Interview-Tag von UMBRA ET IMAGO den letzten von 12 Dates des Tages zu haben. Um so intensiver war das Gespräch mit Mozart und Lutz zum Ausklang eines harten Promo-Tages der Band, die gerade ihr zehnjähriges Bandjubiläum feiert und jetzt das neue Album "Dunkle Energie" am Start hat:


GW: Erstmal Glückwunsch zum neuen Album, das zum September zu haben ist und Glückwunsch zum UMBRA-Geburtstag! Ihr feiert die Tage ja Euer zehnjähriges Bandjubiläum. Macht sowas stolz oder zählt für Euch eher der Moment bzw. mehr die Zukunft?

Mozart: Also ehrlich gesagt sind wir sogar superstolz, auf das was wir in den letzten zehn Jahren erreicht haben. Auch wenn wir immer noch nicht in der Lage sind, ausschließlich von unserer Musik zu leben, haben wir durch harte Arbeit eine ganze Menge, von dem was wir uns erträumt haben auf die Beine gestellt. Wir betreiben unermüdlich einen ungeheuren Aufwand, auf der Bühne wie im Studio und das ohne daß uns irgendjemand jemals großartig finanziell unterstützt hätte. Wir haben uns schon viel Kritik anhören müssen in den letzten zehn Jahren, von der wir uns aber niemals haben einschüchtern oder entmutigen lassen. Im Gegenteil, mit jedem Album ist die Zahl der Fans größer geworden und immer mehr Kritiker sind verstummt. Wir sind in der Lage die Gothic-Kultur aktiv mit zu gestalten und das ist es was uns stolz macht. Nicht reich, aber stolz auf unser Schaffen und das Feedback der Fans.

LutzGW: Die Geschichte mit UMBRA ET IMAGO ging also so 1991 los, läßt sich da rückblickend ein bestimmter Jahrestag festmachen?

Mozart: Ja, unser erstes Album "Träme, Sex und Tod" erschien schon 1992 und bald waren wir schon dabei beim ZILLO-Festival. Aber die ersten Jahre waren gleichzeitig auch die schwersten. Und ich muß ehrlichgesagt auch zugestehen, daß aus heutiger Sicht nicht noch einmal die Kraft hätte, so etwas nochmal durchzustehen. Alles in allem eine harte Zeit.

GW: Von der damaligen Besetzung sind heute allerdings auch nicht mehr viele übrig, was?

Mozart: Nee, nicht wirklich also eigentlich nur ich. Der Lutz kam 1995 dazu und ich muß sagen, ohne Lutz wär UMBRA ET IMAGO für mich heute nicht mehr vorstellbar. Später kam dann noch Mike von ARTROCITY zu uns und heute kann ich sagen, daß wir durchaus ein tolles Bandgefüge zusammen haben. Jeder trägt mit Begeisterung seinen Beitrag zu UMBRA ET IMAGO bei und das ist verdammt wichtig für das Bestehen einer Band.

GW: Was waren die bewegensten Momente dieser Zeit für dich?

Mozart: Da gibt es tausende bewegende Momente, ich wüßte da gar nicht anzufangen, geschweige denn jemals aufzuhören zu erzählen. Das fängt wirklich mit den ersten Auftritten an, das erste Mal das Master vom Debütalbum zu hören und einfach vor Glück zu weinen. Unser Leben ist hart aber sehr ergreifend, immer wieder.

GW: Gibt es auch Sachen, die du aus heutiger Sicht so nicht mehr machen würdest?

Mozart: Fehler gehören dazu, denn vieles läßt sich anscheinend nur durch Fehler lernen. Wir haben damals ein eigenes Label gegründet, weil uns niemand haben wollte. Damit mußt du dich plötzlich mit Dingen auseinandersetztn, die mit deiner Musik herzlich wenig zu tun hat. Da redet man nur noch von Einheiten, nicht mehr von den Gefühlen, die du bei deiner Musik empfindest. Das ist ein unheimlich frustrierender Bussiness. Das geht zuweilen schon sehr an die Substanz und oft möchte man einfach aufgeben. Du mußt verdammt zäh sein, wenn du da Erfolg haben willst und dabei überhaupt noch Zeit für die Gefühle, die doch eigentlich nur ausdrücken willst zu haben.

GW: Eure Bühnenshows sind anfangs ja recht zwiespältig aufgenommen worden, selbst von Kollegen seid ihr lange eher belächelt worden, wobei ihr Mitterweile durchaus auch Nachahmer gekriegt habt. Wie gehst du mit solcher Kritik um?

Mozart: Nun, Kritik muß ja nichts zwangsläufig Schlechtes sein, denn wenn sie berechtig ist, kannst du es immer noch beherzigen und besser machen. Wenn sie unberechtigt ist, gewissermaßen aus Neid oder Mißgunst, ist sie zumindest immernoch die beste Werbung für dich und kehrt sich sich irgendwann, wenn du dir unbehelligt weiter treu bleibst, ins Gegenteil um. Und irgendwann verstummt auch der letzte Kritiker, weil er nicht mehr glaubwürdig ist. Bei unserem Lebensstil muß man immer mit Kritik rechnen. Sie wissens halt nicht besser.

GW: Werden wir uns über weitere 10 Jahre UMBRA ET IMAGO freuen dürfen?

Mozart: Wie gesagt, im Moment sind wir gut dabei. Nochmal so zehn Jahre, wie die die hinter uns liegen, würden wir nicht mehr verkraften, aber nachdem uns die Hardcore-Kritiker keine zwei Jahre gegeben haben, sind wir zumindest für die nähere Zukunft guter Dinge.

GW: Zu Bandjubiläen schmeißen die meisten Bands ein "Best-of"-Album auf den Markt, Ihr hingegen veröffentlicht nun ein reguläres Album mit dem Titel "Dunkle Energie"?

Mozart: Ja haben wir uns zunächst auch überlegt, aber da wir nicht einfach ein Album mit einem Querschnitt der vergangenen Platten stückeln wollten, sondern besondere Versionen, Videos und Specials für die Fans haben wollten, wäre das definitiv zu teuer geworden. Somit sagten wir uns, ein neues Album ist eh fällig und für die Fabns haben wir noch zwei Bonustracks von "Gothic Erotic" in einer wirklich unerhörten Version und "Mea Culpa" draufgepackt.

GW: Hat es im Vergleich mit dem Vorgängeralbum "Mea Culpa" Unterschiede in der Herangehensweise an die Arbeit zu "Dunkle Energie" gegeben?

Mozart: Nicht wirklich, das meiste Material ist in Laufe des letzten halben Jahres entstanden. Natürlich gab es bei diesem oder jeden Stück das übliche Gekloppe in der Band, aber das ist ja normal und gehört zu einem gesunden Schaffensprozess.

GW: Gibt es Teamwork beim Songschreiben oder gibst du die Themen vor?

Mozart: Nein, da geht es eigentlich sehr demokratisch zu bei uns. Ich liefere zwar die meisten Textideen, aber musikalisch sollen alle hinter dem Ergebnis stehen können. Es würde mir absolut keinen Spaß machen, mit einem Haufen lustloser Musik-Robotern auf der Bühne zu stehen, die apathisch ihr aufgetragenes Programm runternudeln. Es ist genau wie mit den Models, die wir in der Show haben. Hey ja, wir haben Sex zusammen und deshalb sieht bei uns auch alles weniger gekünstelt aus, als im Fernsehen! Die Mädels haben mindestens genau soviel verrückte Ideen wie ich selber und genau so verhält es sich mit der Musik.

GW: "Dunkle Energie" - der Titel klingt ja schon interessant, kannst du uns was über die Bedeutung erzählen?

Mozart: Ich lese ja auch sehr gerne, nach Musik und Sex wohl an dritter Stelle. Neben klassischer Literatur und Fantasy-Themen, interessiere ich mich natürlich auch viele wissenschaftliche Themen. So hab ich mich ein wenig mit den Therorien der Quantenphysik beschäftigt und gerade auf dem Gebiet sind die hellsten Köpfe dieser Zeit auf der Spur einiger der größten Rätzeln des Lebens. Die Rede ist von Antimaterie, kleinere Teilchen als die Zellteilchen und warscheinlich genauso lebensnotwendig wie die Materie selbst. Ich hab das Ganze einfach auf die Szene projeziert, also die Gothicbewegung als nährende Quell für das normale Leben. Eben die "Dunkle Energie" die so verpönt, gefürchtet, verhaßt ist, trotzdem so ungeheuer wichtig für das Leben und die Entwicklung. Das fand ich toll und kommt in dem Song auch gut rüber, denke ich.

GW: Ist es Kernthema des gesamten Albums?

Mozart: Nein, eher ein Leitthema. Die einzelnen Songs stehen nicht im Widerspruch aber sprechen teilweise weitaus weltlichere und menschlichere Themen an, wie zum Beispiel den ganzen Schund, der uns täglich im Fernsehen vorgekotzt wird.

GW: Hast du ein persönliches Lieblingsstück, laß mich raten "She is calling"?

Mozart: Damit hast du den Nagel voll auf den Kopf getroffen! Und genau der Song hat auch den meisten Diskussionstoff in der Band provoziert, hier mußte ich mich sehr energisch durchsetzten. Viel zu viel Text und kein Groove, haben sie alle gesagt. Im Grunde besteht es ja wirklich nur aus vier Akkorden aber das Wichtigste dabei war mir die Geschichte, die ich genau so geträumt habe. Also eher eine Art Hörspiel. Aber ich ich hab es genau so geträumt. Mußt dir vorstellen, der Tod kommt nachts an dein Bett und heißt dich ihm zu folgen, nur daß der Tod in meinem Traum nicht dem typischen Sensenmann-Klischee entsprach, sondern eine wunderschöne Frau war, die mich mit allen ihren sinnlichen Waffen aufforderte ihr in den Tod zu folgen. Ich war ihr völlig erlegen und gleichzeitig steugte ich mich dagegen an. Der Traum war mir den Song wert, somit eine sehr persönliche Angelegenheit.

GW: "Das Buch" scheint auch ein weiterer sehr persönlicher Song zu sein?

Mozart: Ja, das ist so ein Ding von Lutz und mir. Wie gesagt lesen wir ja auch sehr gerne und wir wollten auch mal einen Song unseren Frauen widmen, die uns ja in allen Dingen unterstützen, während wir so viel Zeit im Studio ohne sie verbringen. So kam uns die Idee, unsere Lebensgefährtinnen mit einem Buch zu vergleichen, das wir ja auch oft nicht auf Anhieb verstehen. Wir wurden schon so oft mißverstanden, denn wir mißhandeln bestimmt keine Frauen. Wir verehren sie, denn sie sind uns Männern in den meisten Dingen weitaus überlegen. Und gerade deßhalb sind sie für uns so oft wie ein Buch mit sieben Siegeln.

GW: Das Album enthält auch eine Coverversion von "White Weddig", wie seid ihr auf die Idee mit der Billy Idol-Nummer gekommen?

Mozart: Ja, da kann dir am Besten der Lutz weiterhelfen, dann kann ich mir auch endlich mal was zu trinken besorgen hier.

Lutz: Also, der Song war ja schon lange Bestandteil unseres Liveprogramms, so zu den Zugaben hin. Die Fans haben uns ehrlich massiv bekniet, den Song auch endlich mal auf ein Album zu bringen. Wir haben ihn auch aufgenommen, so fetzig wie er live rüberkommt, also nah am Orginal. Ohne den Liveeffekt war uns das für ein Albumtitel aber zu unspektakulär. So haben wir einfach mal die Speed rausgenommen und das Ergebnis is ein herrlich doomiges Powerteil geworden mit einer ganz neuen Note. Mal sehen, wie es ankommt.

GW: Auf den Promos zu "Dunkle Energie" gabt noch kein Cover. Wird es ähnlich dem Cover der Vorab-Single "Feuer und Licht"?

Mozart: Ja da haben wir uns auch einiges an Zeit, Geld und Arbeit für genommen, denn es war uns schon immer wichtig, die Verpackung gebührend den Inhalt unterstreichen zu lassen. Ich hör und schau mir ja so einiges von den Kollegen an und find es immer wieder schade, wie lieblos oft tolle Musik dem Fan dargeboten wird. Für uns gehört es zum Gesamtkunstwerk und auch diesmal haben wir weder Mühen noch Kosten gescheut. Es wird sehr erotisch, ein Schuß Trash, aber sehr esthetisch. Und wir können im Gegensatz unserer Kollegen behaupten, daß unsere Models wirklich Sex mit uns hatten, was die Glaubwürdigkeit nochmals unterstreicht. Aber abwarten!

GW: Ich geh mal davon aus, daß ihr wie gewohnt viel live unterwegs sein werden, gibt es eine Spezielle Tour zu "Dunkle Energie"?

Mozart: Ja, die Vorbereitungen laufen bereits seit Monaten. Wir haben unter anderem einen 360 Grad drehbaren Schwenkkran konstruieren lassen. Die Tour beginnt im Oktober, umfaßt warscheinlich nur 8 Termine, wobei die Highlights zwei Gigs zusammen mit TANZWUT sein werden, die aufgezeichnet werden und danach als Video-/DVD erscheinen sollen und zwar zwei Versionen von TANZWUT und UMBRA ET IMAGO mit jeweils einem gemeinsamen Part. Im Dezember werden wir wohl noch ein paar Dates nachschieben.

GW: Sind Eure Shows einstudiert oder passiert das alles bei Euch auf der Bühne eher spontan?

Mozart: Nun du kannst dir sicher vorstellen, daß wenn wir mit einem mobilen Drehkrahn auf der Bühne hantieren, nicht viel Platz für Spontanität bleibt. Das Schwierige an der ganzen Sache ist, daß es trotzdem alles autentisch und natürlich rüberkommt. Und zwischendurch ist immer noch genügend Raum für die Situation.

GW: Wie läuft UMBRA ET IMAGO eigentlich im Ausland?

Mozart: Ja da wüssten wir auch gern genaueres, aber da ist de Dunkelziffer warscheinlich wieder immens höher als unsere Verkaufszahlen, denn in Russland, Südamerika und Afrika wird verständlicherweise kopiert was das Zeug hält. Gerade letze Woche erhielten wir eine Anfrage aus Südafrika, daß die dortige Fanbase auf eine Tournee wartet. Aber es ist halt leider ein hohes finanzielles Risiko, ohne ein Label, daß so eine Tour sponsort, wie z.B. bei TANZWUT. Zumal wir ja unser ganzes Spielzeug mit rüberkarren müssen.

GW: Und was macht dein Side-Project DRACUL?

Mozart: Auch eine gute Frage. Nun, wir wollen bezüglich DRACUL auf jeden Fall weiter mit Ernst Horn zusammenarbeiten. Erste Tracks sind schon im Kasten und ein paar weitere Gastmusiker sollen noch dazukommen. Du weißt ja wie das ist, niemand kann über seinen Schatten springen und Lutz und ich sind nunmal UMBRA ET IMAGO. DRACUL soll aber nit UMBRA ET IMAGO sein, so sollen andere Einflüsse mit reinfließen. Aber Herr Horn, bekanntlich ja in der Klassischen Musik beheimatet, hat einen engen Terminkalender. So geht's halt nicht ganz so schnell, wie wir es gern hätten. Aber gut Ding braucht Weile, nächstes Jahr wird es ein neues DRACUL-Album geben. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es noch dieses Jahr mit dem DRACUL-Song "Leben" auf dem ORKUS-Sampler.

Umbra Et ImagoGW: Dich wollt ich schon immer mal fragen, welche drei Dinge du mit auf eine einsame Insel mitnehmen würdest?

Mozart: Also erstmal mindestens zwei Frauen, und äh.... ein Feuerzeug?

GW: Wozu ein Feuerzeug?

Mozart: Na um "Feuer und Licht" zu machen! Ich würd ja auch lieber den Lutz mitnehmen, wir sind ja schon wie ein altes Ehepaar, aber dann schleppt der seinen ganzen Studiokrempel an und dann sind wir schon bei tausend Dingen. Ich fürchte auf einer einsamen Insel ist einfach kein Platz für uns!

GW: Vielen Dank für das Gespräch viel Erfolg und Spaß und Energie ...



Ritchie für GOTHICWORLD
 

UMBRA ET IMAGO im Internet: www.umbraetimago.de

Das CD-Review zu "Feuer und Licht" gibts hier !