DVD-Check:
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MARC
ALMOND: "The Willing Sinner" DVD 1991, Kreuzberger
Passionkirche |
Damals war es für mich immer ein
Erlebnis gewesen, das Idol meiner Jugendtage live zu sehen. Immerhin hinderte
mich meine nicht selbstverschuldete, (geographisch gesehen) falsche Geburt bis
zum Jahre 1990 daran, an derartigen Ereignissen teilzunehmen... Die Zeiten
in denen MARC ALMOND das "Metropol" füllte waren vorbei, und so
wurde die Kreuzberger Passionkirche zum Stammauftrittsort des kleinen Briten.
So auch 1991 als ich ihn dann genau dort zum zweiten Mal sah.
Wurden seine Studioproduktionen zum damaligen Zeitpunkt immer
schwülstiger, kitschiger und bombastischer, suchte er erste Anlehnungen an
die Dance-Szene, so hatte er sich für diesen Abend etwas ganz Besonderes
einfallen lassen. (Und immerhin trat er in diesem Jahr NUR in Berlin auf!)
Damals noch unter dem Titel "10 years of tears" bot er, nur von
dem Pianisten Martin Watkins begleitet ein absolut geniales Best-Off-Programm
dar. Das seinen besonderen Reiz durch die Reduzierung auf Klavier und Stimme
erhielt. Einen Querschnitt aus Jaques Brel Interpretationen, eigenen
Kompositionen seiner 87er Glanzperiode und natürlich alten SOFT
CELL Klassikern. Nicht immer sofort zu Erkennen, da eine Pionaversion von
SOFT CELL Songs wie "Where the heart is" oder "Funcity"
genauso wie "Orpheus in red velvet" oder "Broken heartet and
beautiful" erst bei der zweiten Textzeile für Wiedererkennungseffekte
und dementsprechenden Applaus sorgten.
Insgesamt aber, bewies die
kleine Schwuchtel, das er unumstritten einer der besten und vor allem
stimmgewaltigsten Sänger und Interpreten des zwanzigsten Jahrhunderts ist,
der ganz alleine für anderthalb Stunden die sakrale Atmosphäre einer
Kirche mit dem anrüchigen Charme einer Nachtbar kombinieren kann.
Zielsicher und mit viel Selbstironie sich zwischen Kitsch, ernsthaften
Entertainment, lasziven Darkroom Attitüden und dem Stil einer Brecht/Weil
Darbietung bewegend, fesselte er seine Hörer von der ersten bis zur
letzten Minute. Ohne Lichtshow, Bühneneffekte, Soloeinlagen zelebrierenden
Gastmusikern, strippenden Tänzern oder ähnlichem Unfug. Einfach
nur: MARC ALMOND pur! Leidenschaftlich und besinnlich.
Absoluter Höhepunkt, die theatralische Darstellung des eher
unbekannten Duetts mit der alternden Diva Agnes Bernelle "Kept Boy", die
zusammen mit MARC ALMOND einen Hauch von morbiden Glamour entfaltete,
welcher einen Zeitsprung in das Cabaret der 20er Jahre in Berlin verschaffte.
Wenn es die MTV Serie "unplugged" nicht schon gegeben
hätte, dann hätte sie MARC ALMOND mit dieser "strip to the
Bones" Version all seiner Hits und Klassiker jedenfalls erfunden und alle
späteren Nachfolger, welche sich plötzlich auf eine Akustikversion
ihrer Songs besinnen würden, weit in den Schatten gestellt. Marc Almond
ist Entertainer, Torch Singer, Chansonier, Popstar und Cabaretdarsteller in
Einem.
Warum ich das alles schreibe? Nun damals waren auch ein paar
Kameraleute anwesend und nach über zehn Jahren Wartezeit, gibt es nun
endlich eben dieses Konzert auf DVD zu erleben und während alle die damals
nicht dabei waren, den einmaligen Charme dieses Abends jetzt erleben
dürfen, suche ich weiterhin nach meiner eigenen Person, die da irgendwo
vorne rechts vor der Bühne stehen müsste....
Thomas Sabottka für
GOTHICWORLD
Tracklist: "The Willing
Sinner" 01. Fun City 02. Stories Of Johnny 03. Broken Hearted
And Beautiful 04. Where The Heart Is 05. Waifs And Strays 06. A
Woman's Story 07. Torch 08. If You Go Away 09. Youth 10.
L'Esqualita 11. Toreador In The Rain 12. Mr Sad 13. In My Room
14. Something's Gotten Hold Of My Heart 15. Orpheus In Red Velvet
16. Kept Boy 17. A Man 18. Say Hello, Wave Goodbye
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