Festival-Bericht:
CASTLE ROCK 2003 12.07.2003 -
Schoß Broich, Mülheim an der Ruhr
 Pünktlich um 13.00 öffneten
sich nun zum vierten Male, die Pforten des malerischen Schloß Broich in
Mülheim zum alljährlichen Castle Rock. Jenem kleinen, aber um so
feineren Festival, das wie immer, im Alleingang von Michael Bohnes initiiert,
seit Wochen restlos ausverkauft, sich zu einem der besseren Events entwickelt
hat.
Das dürfte sicher daran liegen, das Hr. Bohnes trotz
erlaubter 2200 Gäste nie mehr als 1800 herein lässt und man sich so
in einer überschaubaren Schar an schwarzgewandeten Publikum, ganz der
gemütlichen Atmosphäre dieses Festes hingeben kann. Im Innenhof des
Schlosses, gab es neben der Bühne, den einen oder anderen Verkaufs -
Merchandisingstand und Nahrungs - und Getränkehändler, deren
Preisniveau soweit an der unteren Grenze liegt, dass es eine wahre Freude ist.
Hinzu kommt die fast unwahrscheinliche Beziehung zu den Wettergöttern,
die auch dieses Jahr für strahlenden Sonnenschein, bei mittleren 20 Grad
sorgten, was also genügend Luft für allerlei Stylingexperimente
ließ, wie sie für unsere Szene ja so wichtig sind.
Ziemlich pünktlich, nach Einlass, bei einem noch nicht
ganz gefüllten Schloßhof begannen THANATEROS aus Berlin mit
ihrem Ging. Live eher Heavy denn Mittelalter orientiert, brachten die trotz der
Wärme in Felle gehüllten Recken, die Stimmung von Angang an zum
Kochen, boten eine Energie und Spaß geladenen Show, die den ersten
Gästen zeigte wo der Hammer hing. Für einen Auftakt schon sehr
beeindruckend.
Welcher durch die
nachfolgenden SALTATIO MORTIS noch um einiges übertrumpft wurde.
Welch Freude, wenn es Spielleute schaffen, selbst dem sonst so coolen
Gotenvolk, das Lachen zu entlocken und durch geschickte Ansagen zum Mitsingen,
Tanzen und Mitmachen zu animieren. Mit ihrer an sich nicht so neuen Mischung
aus Sackpfeifen, Drehleier, E-Gitarren und Syntheziser, gehören sie meiner
Meinung nach trotzdem zu den besseren Acts dieses Genres. Da sie sich durch
ungebärdige Spielfreude und hinterfotzigem Humor, abgedrehten Spass und
Irrsinn auszeichnen, den alle Beteiligten sehr charismatisch und ausdrucksstark
vortrugen. Erholsam in meinen Ohren, vor allem der eher in den höheren
Lagen liegende Gesang, der mal nicht das "Böse" in der Stimme herauf
beschwor. Müßig zu erklären das ihre Version des "Rockn Roll
all Time Klassikers" aus der Augsburger Puppenkiste auch in Mülheim
für freudig, feuchte Augen beim Publikum sorgte.
Nach einer kurzen Umbaupause erschienen dann Torben Wendt und
seine zwei Mitstreiter auf der Bühne um, einen zumindest von mir fast
sehnsüchtig erwarteten, DIORAMA Auftritt zu beginnen. Schade,
schade das die Drei wirklich keine richtige Liveband sind, und vor allem nicht
so recht in einen Sonnendurchfluteten Nachmittag passen. Trotzdem sorgte der
perfekte, melancholische Dreiergesang, die sparsamen, filigranen Arrangements
und unglaublich feinen Melodien für die eine oder andere Gänsehaut,
was anbetracht der Temperaturen ja auch nicht schlecht war. Ich beneide
zumindest all jene, die irgendwann einmal das Glück hatten DIARY OF DREAMS
zu sehen, als DIORAMA Sänger Torben noch dabei war. Kaum vorzustellen in
welch abgehobenen Sphären, voller Schönheit sich die Stimmen von
Adrian Hates und ihm einst zusammen bewegten. Trotz der etwas ruhigeren und vor
allem auch leereren Atmosphäre vor der Bühne, ein feines Konzert.
Ebenso ruhig, ein Stück sogar durchgeistigter ging
es dann mit QNTAL weiter. Fast eine musikwissenschaftliche Darbietung in
ihrer Mischung aus Barock, Renaissance, lateinischen Gesang und elektronischer
Klangexperiemente, bewiesen QNTAL durchaus ihre Ausnahmestellung, auch wenn sie
ebenso wie ihre Vorgänger mit dem nicht ganz so passenden
äußeren Rahmen zu kämpfen hatten.
Die danach folgenden,
teutonisch, martialisch, hart und posend agierenden SECRET DISCOVERY
nutzte ich, um einige Getränke und feste Nahrung zu mir zu nehmen, mich in
den angrenzenden Park zu setzten und einfach nur das Ambiente, das einzigartige
Flair dieses Events genießend. Der Gig der Band war laut genug, um ihre
Heavylastige Show trotzdem wahrzunehmen, wobei auffallend war, das sie den
meisten Applaus bei der zum Schluss dargebotenen U2 Coverversion "With your
without you" erhielten. Hmm?
Mit
Freude begab ich mich danach zurück in den Innenhof, um die Band zu sehen,
von der ich gerade Live nie genug bekommen kann. Zum ersten Mal seit dem
Bestehen des Castle Rock, feierte nun eine ausländische (sprich
amerikanische) Band hier ihren Auftritt. THE CRÜXSHADOWS aus
Florida. Wie immer enterte Rogue die Bühne vom Publikum aus, stellte sich
auf den Absperrzaun, erklomm die Lichtmasten, brachte die Security mit seinen
andauernden Ausflügen ins Publikum zum Schwitzen. Neben der perfekten
musikalischen Leistung der Gitarristin, der Violinistin und dem Keyboarder,
kann man getrost die Performance der beiden Tänzerinnen erwähnen.
Wobei vor allem Mrs. Lackey (nicht "Lucky" wie es beim Vorstellen an einen
Pornostar erinnernd immer klingt!) die mit ihren braunen Augen, die Pressemeute
im Fotograben schlicht um den Verstand brachte.
(Das war übrigens die Rechte vom Publikum aus
gesehen!) Auch wenn man sagen muss das die Leistung der Anderen, rein
tänzerisch, zumindest technisch besser war, was ich nicht nur aus
Nettigkeit zu ihrem auf der Bühne gefeierten Geburtstag erwähne. Im
Grunde genommen also ein typisch, guter CRÜXSHADOWS Gig, der für
wahre Tanz - und Begeisterungsorgien sorgte. Die Frage die ich mir stellte war,
inwieweit irgend jemand bemerkte, dass Rogue seiner Vorliebe für alte,
europäische Mythen fröhnte und das Material der größten
Hits wie "Deception", Songs der letzten CD "Wishfire" und der gerade
erschienenden EP "Frozen Embers" durch seine Ansagen in die Sage von Hektor und
Paris einbaute. Auf jeden Fall interessant. Wohl nicht nur für mich, war
mit diesem Auftritt der Höhepunkt des Festivals eigentlich schon gesetzt.
Kaum eine Band wäre in der Lage, die
Messlatte der Erwartungen, die Rogue so hoch wie seine Ausflüge auf die
Bühnentraverse gehangen hatte, noch zu toppen. Somit war es gut das
gerade SUBWAY TO SALLY den Tag abschließend, noch einmal laut und
hart werden ließen. Ganz im harten Gewand der neuen CD "Engelskrieger"
boten die Mannen um Eric Fish und Fr. Schmidt, eine glänzende Show,
zwischen metallischer Bühnendeko und brachten noch einmal den
Schweiß zurück auf die Gesichter der
anwesenden "Grufties", im Schein der langsam,
rotglühend versinkenden Sonne. Ich kann leider nicht soviel dazu sagen, da
ich die Potsdamer schon seit ihren ersten Auftritten im Berliner Tempodrom
Anfang der 90er nicht besonders mag. Vielleicht ist es der Gesang von Hr. Fish,
der mich in seiner Tonlage und Intonation immer ein wenig an die alten
"Ostbands" erinnert, die ich vor und auch nach der Wende nicht hören
konnte. Aber das ist reine Geschmackssache... SUBWAY TO SALLY spielten auf
jeden Fall zum zweiten Mal beim Castle Rock auf, und waren für den Rest
zumindest ein Glücksgriff.
Wie auch das ganze
Festival überhaupt. Meinen Dank und meine Bewunderung, gehört dem
nimmermüden Michael Bohnes, der es in seiner Eigenschaft als Veranstalter
und Organisator wieder einmal geschafft hatte, dass man in Mühlheim einem
einzigartigen Event beiwohnen durfte. Bei super Wetter, freundlicher Security,
humanen Preisen, Top Acts und einfach nur geiler Atmosphäre. Bis zum
nächsten Jahr.
Thomas
Sabottka für GOTHICWORLD
Photos:
Michael Kuhlen
(OBLIVEON)
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