exclusive interview:

THE CRÜXSHADOWS:
"Ich mag keine Halbherzigkeit, entweder ganz oder gar nicht."

RogueDiesen Sommer sorgte eine neue amerikanische Band für Furore auf deutschen Bühnen:
THE CRÜXSHADOWS erspielten sich u.a. auf dem ZILLO-Festival mit einer warmherzigen Show die Herzen vieler Fans. Hier endlich das Interview, das wir mit Rogue, dem symphatischen Mastermind der Band bereits am 08.August vor ihrem Konzert mit IKON im Heidelberger Schwimmbad Musikclub geführt haben:


GW: Hi Rogue, wie fühlt es sich an in Deutschland auf der Bühne zu stehen? Ist ja nicht gerade ein leichtes Unterfangen, so ein Trip über den Ozean für ein paar Shows, oder?
Rogue: Oh nein, wirklich nicht ganz einfach, vielleicht haben wir es uns anfangs leichter vorgestellt. Aber nach den durchaus gelungenen ersten Teil der "Intercontinental Drift Tour" im Juni mit dem Highlight auf dem ZILLO-Festival, freut es uns schon im August, dieses Unternehmen, daß mir manchmal wirklich wie die Erstüberquerung des atlantischen Ozeans vorkommt, fortsetzen zu können. Wir sind ja zum ersten mal hier live in Europa. Das birgt natürlich immer ein großes, schwer abzuschätzendes Risiko, vor allem finanziell total unvorhersehbar. Aber so wie wir hier allerorts mit offenen Armen empfangen wurden, das war schon toll. Die Shows sind gut besucht und vorhin hab ich Leute getroffen, die uns auf dem Zillo gesehen haben und sich unsere Show nochmal gönnen wollen. Das hätten wir gar nicht erwartet.

GW:Vor ein paar Monaten kannte die CRÜXSHADOWS hierzulande ja fast kein Mensch, scheint sich durch diese Tour aber gehörig geändert zu haben?
Rogue:Nun, das haben wir natürlich zuerst mal NOVA MEDIA zu verdanken. Ohne daß man unsere CDs hierzulande kriegen kann, hätte dies Tour absolut kein Sinn gemacht. Auf Grund des Interesses beim ZILLO-Festival war erstmal die Basis für diese Tour gegeben. Und es ist wirklich verblüffend festzustellen, wie uns das Publikum hier aufnimmt. Obwohl ich schon merke, daß das deutsche Publikum recht kritisch und erstmal verhalten, abwartend ist. Aber ich bin sicher, daß wir am Ende unserer Shows viele neue Fans auf unserer Seite haben werden.

GW:Dabei ist Deutschland gar kein so unbekanntes Terretorium für Dich. Ich habe erfahren, daß du ein paar Jahre hier in Deutschland gelebt hast?
Rogue:Ja, mein Vater war Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte und hier in Deutschland stationiert. Ich ging hier zur Schule, aber das ist schon sehr lange her, allzuviel Deutsch kann ich nicht mehr.

The CrüxshadowsGW:Was spielt ihr für ein Programm? Hauptsächlich die neueren Sachen oder das gesamte Spektrum?
Rogue: Na schon das ganze Spektrum, sogar Sachen, die bisher noch gar nicht veröffentlicht sind, zum Beispiel eine Coverversion von THE PET SHOP BOYS.

vJa ich hab von der Tribute to ... CD gehört. Ihr habt "The Sin" gecovert, stimmts? Spielt Ihr das heue abend?
Rogue: Ja klar, warts mal ab!

GW:Ihr habt ja sogar eine komplett neue CD im Gepäck?
Rogue: Wir haben extra für diese Tour eine Art "Best of ..." die es auch nur in Europa zu haben gibt im Gepäck, sozusagen die CRÜXSHADOWS-Einstiegsdroge mit vielen Remixen und auch neuen Stücken. Ansonsten hoffen wir natürlich auch das Backprogramm während der Tour gut unter die Leute zu bringen.

GW: Das Lineup der Band hat sich nun auch etwas geändert. So ist Euer ehemaliger Gitarist nicht mehr dabei und die älteren Songs fand ich auch immer gitarrenlastiger als die neuen Sachen. Ist das die neue Richtung, hin zu mehr Elektronik?
Rogue: Ich bin sehr zufrieden mit Stacey unserer neuen Gitarristin, obwohl sie bisher noch keine eigenen Songs mit in die Band gebracht hat. Aber sie hat die CRÜXSHADOWS-Songs schnell draufgehabt und alles weitere wird weiter zusammenwachsen. Wir kommen alle vier sehr gut zusammen aus und es macht großen Spaß mit dieser Band unterwegs zu sein.

GW: Mir ist zu Ohren gekommen und werd es nachher ja erleben, daß Du Dich bei denen Auftritten, weniger auf der Bühne aufhälst als, dank Funk-Headset Dich lieber mehr mitten im Publikum bewegst?
Rogue: Ja, Mensch. Ich will doch nicht wie der Prediger da vorne auf der Kanzel stehen, sondern versuche möglichst viel das Publikum mit in die Show einzubeziehen. Dazu muß man je nach Location improvisieren, aber das macht einfach Spaß. Nur hier in Deutschland hab ich festgestellt, daß die Leute etwas verhaltener sind, ja zuerst fast ängstlich auch mein Aufsiezugehen reagieren. Vielleicht weil es nicht so gewohnt sind, oder weil sie unsere Songs noch nicht so richtig kennen, aber wenn ich erstmal zehn, fünfzehn von ihnen auf die Bühne geholt habe, ist das Eis gebrochen und ich spüre ihre Befreiung und wie sie unsere Musik genießen. Das ist jedesmal ein großartiges Gefühl. Dafür mache ich Musik.

GW: Ihr seid ja auch in Eurer Heimat sehr viel unterwegs, habt Ihr sonst irgendwelche Jobs oder könnt Ihr ausschließlich von THE CRÜXSHADOWS leben?
Rogue: Ja, das ist alles was wir tun. Wir sind zwar nicht reich, manchmal ist es schon nicht einfach, aber es ist einfach ein wesentlicher Vorteil, die ganze Energie in die Musik legen zu können, als sich mit anderen Jobs koordinieren zu müssen. Der Amerikanische Musikmarkt bietet ein sehr großes Betätigungsfeld, aber du mußt am Ball bleiben und immer schnell reagieren können. Wir spielen sehr, sehr viel live, soviel Urlaub hätte kein Mensch, um das alles hinzukriegen. Wenn du jedesmal erst bei deinem Boß nachfragen mußt, ob du zum nächsten Festival frei kriegts, hat dir derweil schon eine andere Band den Gig weggeschnappt. Ich mag keine Halbherzigkeit, entweder ganz oder gar nicht.

GW: Es ist schon lustig, wenn man sieht was für US-Bands hier in Europa gehyped werden, obwohl sie in ihrer Heimat gar nicht so angesagt sind. Wo steht THE CRÜXSHADOWS in diesm Zusammenhang?
Rogue: Die Medien kontrollieren alles. Haben sie an dir den Narren gefressen, müssen alle nachziehen und dir stehen plötzlich alle Türen offen. Dabei ist nie die Frage, ob die Band gut oder schlecht ist, sondern wie gut läßt sie sich verkaufen. Die Medien sind wiederum abhängig von der Industrie, das ist der Teufelskreis. Aber man sollte niemals die Macht der Fans vergessen, jene Leute die du mit deiner Show begeistert hast, mit denen du dich nach der Show unterhalten hast, mit denen du Spaß hattest. Die erzählen das weiter und das zählt für mich mehr, als irgendeine halbherzige Plattenkritik eines selbstverherrlichten Hochglanz-Magazins. Wobei es auch wirklich gute Schreiber gibt, denen man anmerkt, daß sie sich wirklich mit der Materie auseinandergesetzt haben. Aber du weißt ja wie das läuft, schaltest du viele Werbeanzeigen, kiegst du auch viele Berichte. Geld regiert die Welt.
Aber was ich zu deiner Frage noch anmerken möchte, ist umgekehrt auch ganz lustig. Du würdest dich wohl krank lachen, wenn ich dir ein paar Titelseiten amerikanischer Musikmagazine zeigen würde, auf denen auch schon europäische Bands gefeiert wurden, die bei Euch wohl auch kaum einer kennt. Manchmal schon lustig, wenn man beide Seiten wirklich kennt.

GW: Zurück zu den CRÜXSHADOWS. Wie läuft das Songwriting bei Euch ab?
Rogue: Ich schreibe die Texte und auch die meiste Musik. Racel hilft mir aber sehr dabei mit ihrem musikalischen Gespür, welche meiner Ideen letztendlich gut und ausbaufähig sind und welche wir lieber gleich wieder vergessen. Ich verlasse mich da sehr auf ihre weibliche Intuition. Chris, unser Keyboarder wiederum ist in der Lage, die passenden Sound zu meinen Songstrukturen zu finden, so tragen alle ihren Teil zu unseren Songs bei und können sich in ihnen selbst identifizieren. Stacey ist einfach noch zu neu in der Band. Zur Zeit interpretiert sie unsere Songs, aber ich bin mir sicher, daß auch sie sich mehr und mehr einbringen wird.

GW: Nach Eurem Trip durch Deutschland spielt ihr noch ein paar Gigs in Großbritannien und dann geht es wieder zurück über den großen Teich. Aber nicht um Euch zu erholen, oder?
Rogue: Nein, es geht nahtlos weiter. Wir steigen au dem Flugzeug und stehen am nächsten Tag gleich wieder in New York auf der Bühne. Insgesamt haben wir 60 Shows in USA im Programm. Dann wollen wir wieder ins Studio um dieses Jahr noch zumindest noch eine neue Single zu veröffentlichen.

GW: Wie sieht es mit der Planung eines neuen Albums aus?
Rogue: Ich würde sagen, ein neues Album eher im nächsten Jahr und dann vielleicht auch wieder ein paar Shows in Europa.

RogueGW: Tja, bei soviel Tatendrang will ich Euch nicht länger aufhalten. Ich freu mich auch eine klasse Show mit den CRÜXSHADOWS und wünsche Euch noch viel Spaß und Erfolg dieseits uns jenseits der Ozeane. Noch ein paar Worte an die Fans?
Rogue: Am liebsten möchte ich mich bei jedem einzelnen Konzertbesucher persönlich bedanken, was ich aber zeitlich nie so ganz schaffe. Die Tour durch Deutschland war bisher wirklich eine tolle Erfahrung. Wir haben viele Menschen kennen gelernt, denen wir ein ein wenig unserer Intension geben konnten und die uns wiederum ermutigt haben so weiterzumachen. Ich hoffe, auch im nächsten Jahr in der Lage zu sein, wieder mit neuen Songs vorbeizuschauen und alle wieder zu sehen und noch mehr neue Menschen kennen zu lernen.


Ritchie für die GOTHICWORLD

Fotos vom ZILLO-Festival (www.zillo.de)

Einen Live-Bericht vom THE CRÜXSHADOWS-Konzert in Heidelberg gibts hier.

Das Review zu "Mystery Of The Whisper" findet Ihr hier.

The Crüxshadows im Netz:
Homepage: www.thecruxshadows.com
Label: www.ferret.com/discs/
Booking: www.wod.de