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Samsas Traum    SAMSAS TRAUM vers. Rock Hard
"Arschbombe" nächster Akt:


Kaschte rennt, so schnell er kann.
Gekonnt führt er den Ball;
geradezu magisch gleitet sein Körper über das Spielfeld.

Der kränkliche Fußballverachter und Sportgegner vollführt eine Reihe wundervoller, zauberhafter Bewegungen: einen Schweif aus Glitter und Regenbogenglamour nach sich ziehend wird der Ball von ihm zum dritten Male in der ersten Halbzeit im Tor versenkt. Die Fans jubeln frenetisch. Kaschte ist außer sich vor Freude; der Hattrick ist sein, der Sieg ist unser.

Nachdem letzten Monat ASP dran war haben es SAMSAS TRAUM wieder einmal geschafft.
Zum dritten Mal in Folge (bei drei Alben!) wurde ihre neueste Veröffentlichung vom Rock Hard zur „Arschbombe des Monats" gekürt. Rülps.


UtopiaLange haben wir diesen Augenblick herbeigesehnt, und jetzt ist er gekommen.
Das Rock Hard, Deutschlands führendes Musikmagazin, hat auf ein neues seinen runzligen Mund geöffnet und uns in einer Wolke ekelhaftesten Mundgeruches eingenebelt. Abgestandenes Bier, abgeschnittene T-Shirt-Ärmel, Schweiß, Zahnbelag und Dreitagebart. Flink ziehen wir unsere seidenen Tüchlein aus unseren Täschchen und wischen uns damit die Kotze aus dem Gesicht.
"Größe und Würde" hätte man bewiesen, wenn man das neue Samsas Traum Album "Utopia" einer fairen Beurteilung durch einen objektiven Rezensenten, der auf plausible Art und Weise die Fehler und Schwächen der CD hätte darstellen können, unterzogen hätte. "Überlegenheit", strategisches Geschick und taktische Klugheit hätte man demonstrieren können, indem man dem Album zwar die grottenschlechte Review, nicht aber zum dritten Male den kapitalen, legendären und von unserer Seite zutiefst erhofften Titel "Arschbombe des Monats" verliehen hätte. "Intelligenz" hätte man durch das bedingungslose Ignorieren und Totschweigen des neuen Machwerkes unter Beweis stellen können. Besser noch: das Eingliedern von "Utopia" in die Rubrik "10 mal Dynamit" in Verbindung mit einem Lobgesang auf Samsas Traum als Review wären die besten Möglichkeiten gewesen, mir Schaden zuzufügen und sich auf gemeinste Art und Weise über mich lustig zu machen.

Statt dessen hat man erneut auf ganzer Linie verloren, den Kürzeren gezogen und ist uns jubilierend ins Messer gelaufen. Man gibt sich ungehaltenen Formulierungen und billigen Gags hin, wie wir sie von Raab, Kalkove und Konsorten schon weitaus erfrischender zu Ohren bekommen haben; Witzeleien, die wahrscheinlich nicht einmal mehr den besoffensten Hardrocker zum Schmunzeln bringen können. Doch was bleibt dem Rock Hard anderes übrig ? Rhetorik, fehlende Nebensätze und Beleidigungen auf dem Niveau von Erstklässern künden noch stolz von den primitiven Metal-Fanzine-Wurzeln, die das Rock Hard offensichtlich niemals perfektionieren und abstreifen konnte. Der Mensch stammt nun mal vom Affen ab.

Alles begann mit der ersten, von Wolf Rüdiger Mühlmann verfaßten Arschbomben-Review zu "Die Liebe Gottes". Mühlmann: Jahrgang 1968, 10 Jahre älter als ich, desillusioniert, vom Leben gezeichnet. Er kann mich nicht verstehen. Hühnerfreund, Journalist für Lokalzeitungen und selbsternannter Schriftsteller. Chef der zweitklassigen Promoagentur Sure Shot Works, die mich schon in meinen Wintersonne-Zeiten mit minderwertigem Geknüppele versorgte. Mühlmanns Äußerungen gestalten sich in Tagen wie diesen äußerst zweifelhaft und hinterfragenswert. In der Arschbomben-Review der Gruppe ASP-Der Schwarze Schmetterling z.B. hofft Mühlmann auf "lebenslängliches Maulhalten als Strafmaß für selbsternannte Künstler". Der politisch korrekte Autor des Buches "Letzte Ausfahrt: Germania" sollte eigentlich besser wissen, wie er seine Wortwahl zu gestalten hat.

Nachdem der Arschbomben-Megamogul Mühlmann mit seinem Verriß von "Oh Luna Mein" den humoresken Charakter und die komödiantischen Qualitäten seines Erstlingswerkes nicht mehr erreichen konnte und sich statt dessen selbst in Unoriginalität und Haßtiraden zugeifert, setzt man mir mit der Review zu "Utopia" einen Schreiberling untersten Ranges in der Rock Hard Hierarchie vor, der nicht einmal meine Sprache korrekt beherrscht. Jan Jaedike äußert sich ähnlich faschistoid wie es Mühlmann zuvor getan hat und hofft auf eine "Geschmackspolizei", die mir den Einsatz bestimmter Instrumente besser verbieten sollte. Der unsportliche Berliner geht sogar noch einen Schritt weiter; nicht genug, daß er meinen Tod als sehr erfreulich empfände (ein Kompliment, daß ich mit den besten Wünschen zurückgeben kann), holt er zu einem kleinen, verzweifelten Rundumschlag aus und beleidigt obendrein noch andere, der schwarzen Szene zugehörigen Bands. So wie Samsas Traum sind auch Umbra et Imago "Berufsdilletanten", Weltenbrand und Illuminate sind nach seiner Ansicht "Tiefflieger". Ein Glück für den Punkrocker Jaedike, daß er sich nicht auch noch getraut hat, "die Reihe weiterer Schwachmaten" namentlich zu nennen.

Vielleicht wollte Jaedike nur sein Weltbild schützen; ein bißchen etwas für seine rauhe Musik und ihre Kulte tun; vielleicht wollte er aber auch einfach nur einen Wall errichten. Einen Wall gegen den musizierenden Enkel tschechischer Einwanderer, der in seiner männlichen, reinen Welt aus Fels und Stahl nichts zu suchen hat.

"Lieber doof als Samsarianer": Lieber Samsarianer als doof.
Im Hause Rock Hard braucht man sich darum keine Sorgen zu machen. Ich gehe stillschweigend davon aus, daß der Tag, an dem eine neue Samsas Traum CD nicht vom Rock Hard in Grund und Boden gestampft werden wir, der Tag sein soll, an dem alle Samsas Traum Fans weltweit meine Alben vernichten und die Existenz meiner Band verleugnen werden. Darauf bestehe ich.

Sollten wird dem Rock Hard nicht sogar dankbar sein ?
Ich brauche nach jedem weiteren Verriß durch die Feder dieses Megazines nur einen einzigen Schritt in einem Samsas Traum T-Shirt vor meine Haustür zu setzen; prompt wachse ich um zwei Zentimeter in die Höhe und meine Brust erglüht vor Stolz.
Schweißt uns das Rock Hard nicht zusammen ? Bestärkt es uns nicht in unserem Selbstverständnis ? Ist es nicht schön, daß es "uns" und daß es "die anderen" gibt ? Ich jedenfalls bin stolz darauf, ein wichtiger Teil von Samsas Traum zu sein. Ich bin stolz darauf, daß ich es geschafft habe, sehr viele Leute gegen mich aufzuhetzen. Ich bin stolz darauf, daß ich es schaffe, andere beständig Öl in ein Feuer gießen zu lassen, das sie eines Tages selbst verbrennen wird. Wir dürfen ebenso froh sein, in einer Zweiklassengesellschaft auf eine sich aus dem harten Kern der Rock Hard Leserschaft zusammensetzende Unterschicht blicken zu können, die unsere Schuhe putzt, unseren Kaffe kocht, unsere Autos repariert aber vor allen Dingen unsere Dächer deckt. Bei allem Respekt: diese Form des Heavy Metal stinkt.

Wie ein wilder Stier, der hirnlos auf ein rotes Tuch losrennt, ließ sich das Rock Hard durch die von mir in meinen Interviews getätigten Aussagen und Seitenhiebe provozieren. Das Rock Hard ist der willenlose, leicht steuerbare Spielball der Kommando-Zentrale von Samsas Traum. Ob das wohl immer so einfach ist ? Ob sich dieser Vorgang wohl beliebig oft wiederholen läßt ? Ich, die Gothic-Schwuchtel, senke demütig mein schwules Haupt vor Euch, den Kulturpäpsten.

Ich erwarte ergebenst meine Bestrafung durch Euch, oh Götter der Nieten und Heavy Metal Kutten. Bitte tötet mich. Bitte ballert mir Eure Gnadenkugel in den Kopf; so laßt doch endlich einen lauten, das Universum erschütternden Startschuß erschallen.
Alles, was ich will, ist eine einzige, boshafte Beleidigung, die sich nicht gegen meine Musik, sondern gegen mich als Person richtet. Nur ein klitzekleines Wort, bitte...nur ein einziges, schlimmes Schimpfwort, bitte...bitte...ich bitte Euch...

WIR können nicht verlieren, denn wir wissen, wie man Steinschleudern baut, oder ?

Alexander Kaschte, SAMSAS TRAUM
ungeziefersoldat@gmx.de
http://www.utopia-ist-ueberall.de

Photo by Thorsten Richter