CD-Classics:

Children of God    SWANS:
"Children of God" CD (1987)
     

Im Jahr 1987 gab es die Swans schon eine Weile. Mit ihrer brutalen Coverversion von "Love will tear us apart again" und den minimal, düsteren Album "Greed/Holy Mony" hatten sie auch schon für einige Aufmerksamkeit gesorgt.

Ihre Songs die bis dahin nur aus einem treibenden Schlagzeug, einem sägenden Gitarrenakkord und der tiefen Stimme Michael Giras bestand, welcher brüllend immer nur ein, zwei Zeilen intonierte war schon gewaltig.

1987 gab es dann eine kleine Veränderung in der Band. Der Dummer Roli Mosimann stieg aus um sich anderen Projekten zu zuwenden und dafür betrat Jarboe die Bildfläche. Jarboe die geheimnisvolle Schöne mit der sanften Stimme und den Keyboards. Dann erschien "Children of God". Ein Radiomoderator sagte damals, das diese Scheibe der perfekte Soundtrack zu "Der Name der Rose" wäre. Ich schaute mir den Film an, hörte dann die Platte und mußte ihm recht geben.

Immer noch waren die Swans brachial, minimalistisch und düster. Norman Westberg sägte immer noch in ewiger Wiederholung ein und die selben düsteren. Psychobluesakkorde. Gira brüllte immer noch seine knappen Textzeilen, oft in der übereinandergeschnitten Wiederholung an den Gesang von Kettensträflingen erinnernd. Das Schlagzeug bestand hauptsächlich immer noch aus Bassdrum und vielen Metallteilen. Aber plötzlich war da auch ein Piano, Streicher, eine Oboe, die sanfte Stimme Jarboes und Songs die vor dem inneren Auge Landschaften entstehen ließ. Bei "In my garden" glaubt man zwischen den zarten Klängen der Akustikgitarre und des Pianos plötzlich die heiseren Schreie von Krähen zu hören. Man schließt die Augen und sieht eine karge Winterlandschaft, mit kahlen Bäumen und umgestürzten Grabsteinen...

Nur um dann wieder von Giras düsterem Organ in die harte, dunkle und brutale Wirklichkeit zurück geprügelt zu werden. Vor "Trust me" gibt es ein ellenlanges Zwischenspiel bei dem man in einem Ruderboot über einen mit Blättern besäten See paddelt, dann ertönen wieder die hämmernden Schläge und die verzerrte, schleppende Gitarre. "Children of God" ist bis heute eines der düstersten Alben das ich je gehört habe. Und bildete auch den Abschluß eines Kapitels in der Geschichte der Swans. Nie wieder waren die Swans so minimalistisch, düster, bedrohlich, karg und doch so schön, wie bei jenem Album, wo man sich unweigerlich in das kalte Kloster aus der Name der Rose versetzt fühlte. Mit all seinen rätselhaften, dunklen, bizarren Gestalten und Ereignissen.

Einem wohligen Schauer über den Rücken laufend und in der Gewißheit dahin dämmernd das Musik auch noch Bilder erzeugen kann.


Thomas Sabottka für THE GOTHICWORLD


  "Children of God" - Tracklist:

01. New Mind
02. In My Garden
03. Our Love Lies
04. Sex, God, Sex
05. Blood And Honey
06. Like A Drug
07. You're Not Real, Girl
08. Beautiful Child
09. Blackmail
10. Trust Me
11. Real Love
12. Blind Love
13. Children Of God
          Kontakt:

Homepage: www.swans.pair.com



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