CD-REVIEWS:
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FINISTERRA:
"Kein Evoe Kein Requiem" CD (Trisol / EFA)
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Die Faszination des Mittelalters scheint ungebrochen. Auf
Märkten aller Art, mischen sich in Fell gekleidete und
schwertgegürtete Recken, mit gewandeten Bardinnen die zu ihrer Laute die
liebliche Stimme erklingen lassen. Noch immer herrschen Sackpfeifen, Drehleiern
und die Fidel, genauso wie sich aber schwarzes Volk immer noch zwischen die
Rollenspieler und um Authentizität bemühten Clans mischen, mischen
sich Syntheziser, E-Gitarre und Drumset unter die alten Klänge. Innovation
sucht der kritische Zuhörer meist vergeblich, zu übersättigt ist
der Markt mit Bands dieses Genres, zu oft gehört diese Mischung aus
mittelalterlichen Tänzen, finsteren Gitarren, klaren Chören, sakralen
Keyboards und reißenden Gitarrenriffs.
Inzwischen streitet man
sich nur noch darüber, wer denn zuerst da war, den Stein ins Rollen
gebracht hat, nur um die Anderen damit als billige Kopien abzustempeln und sich
so ruhigen Gewissens einer kritischen Auseinandersetzung zu entziehen. Leider
ist der Anspruch eines "Musikkritikers" weit höher gesteckt und unter
diesen Gesichtspunkten, konnte ich dann FINISTERRA doch einige Reize
abgewinnen.
Hier dominieren die Frauenstimmen und die Fidel den
verträumten Klangkosmos, welcher manch schöne Blüte erwecken
kann. Sie unterscheiden sich in sofern, das ihre Stimmen reiner, fast klassisch
ausgebildet klingen, ihre Melodien oft leichter, beschwingter und eher
melancholisch sind, die Arrangements von Elektronik beherrscht wird und die
Brachialität anderer Bands weitestgehend fehlt. Keine dröhnenden
Pauken, keine allzu harten Gitarren, die sich mit tiefen Männerstimmen um
die Wette prügeln. Darf das "Palästinalied" schon nicht mehr
fehlen, sticht es in seiner sehr kreativen 8minütigen Fassung doch noch
heraus und das traurige "Abendmahl" bildet in seiner klagenden Weise zusammen
mit dem folgenden "Krähen schrein" auch die Hightlights des Albums.
Mit Einem überraschen FINISTERRA auf jeden Fall. Neben den
obligatorischen Latein-Ausflügen und Walter von der Vogelweide Texten,
tauchen als Textautoren plötzlich auch so Namen wie Hermann Hesse,
Friedrich Nietsche und Gottfried Benn auf. Alles Namen die man ja nun nicht
unbedingt mit dem Mittelalter verbindet. Um so mehr haben FINISTERRA
damit einen Pluspunkt verdient, das sie diese Texte in einem neuen Kontext
bringen.
Ein Makel haftet allem aber irgendwie doch an. Manchmal
klingen FINISTERRA schon fast zu perfekt, als würde man dem
diktatorischen Proben eines Kirchenchors lauschen, oder jenen unseligen, zum
Glück längst vergessenen (verdrängten?) Gesangsensembles der
untergegangen DDR. Etwas mehr Gebrochenheit, etwas mehr verspielte Leidenschaft
auch wenn sie dann amateurhaft klingen würde, ein paar Dissonanzen
würden den Jungs und Mädels gut zu Gesicht stehen.
Ein
Rätsel bleibt am Schluss übrig. Wie zum Teufel kommt die Plattenfirma
im "Beipackzettel" auf die Idee FINISTERRA mit SOPOR AETERNUS zu
vergleichen? Mal abgesehen davon, das es eh kaum möglich sein
dürfte Anna Varneys morbiden Charme nach zu empfinden, mit dieser
düsteren, klagenden, gebrochenen Traurigkeit haben FINISTERRA nun
wirklich nichts zu tun.
Für alle die aber ein leichtes Maß
an Traurigkeit in einem leicht rockenden Mittelaltergewand haben.... zugreifen!
Thomas Sabottka für
GOTHICWORLD
"Kein Evoe Kein
Requiem": 01 - Babylon 02 - Tempus Transit 03 -
Palästinalied 04 - Der Pfalzgraf 05 - Ducita 06 - Abendmahl 07
- Krähen Schreien 08 - Seltsam im Nebel 09 - Verlorenes Ich 10 -
Babylon Tranx 11 - Kein Evoe für Babylon 12 - Kein Requiem für
Babylon
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Kontakt:
www.finisterra.de
www.trisol.de |
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