interview:
PLASTIC "Der Stoff, aus dem Kunst gemacht
ist"
Eine der
herausragenden neuen Elektro-Bands aus deutschen Landen sind PLASTIC, die mit
ihrem Debüt "[kunst]:Stoff" für Furore sorgen konnten. Der
unerwartete Einstieg in die DAC-Charts sowie der Gewinn des "Zillo
Newcomer"-Contestes zeigen deutlich, dass Plastic eben nicht nur die Akzeptanz
der Medien, sondern bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere eben
auch die Akzeptanz der Fans gewonnen haben.
Wer sich intensiv mit
"[kunst]:Stoff" auseinandersetzt wird feststellen, dass PLASTIC nicht alleine
darauf aus sind, die Tanzflächen zum Kochen zu bringen, was ihnen mit
Songs wie "Star" oder "Kreatur
" im übrigen hervorragend gelingen
dürfte, sondern vor allem auch atmosphärische Stimmungen zu
vermitteln, was der Band um Matthes Ewald und Tina Le Dabo hervorragend
gelingt.
Doch wenig ist bekannt über die musikalischen
Hintergründe der Band und den Werdegang ihrer Musiker. So ist
"[kunst]:Stoff" zwar das erstes Album PLASTIC´s, doch bei der hier
gebotenen Klasse ist kaum davon auszugehen, dass PLASTIC das erste msuikalische
Betätigungsfeld von Matthes und Tina darstellt.
GW: Habt ihr bereits
vorher in anderen Bands mitgewirkt und dort auch CD´s etc.
veröffentlicht? Matthes: In
der Tat ist "[kunst]:Stoff" mein/unser Erstlingswerk. Mein Werdegang bis zu
Plastic ist allerdings auch nicht ganz typisch, glaube ich, für Bands
dieses Genres. Angefangen Musik zu machen habe ich ca. 1992. Damals war ich als
Gitarrist und Bassist in verschiedenen Death- und Black Metal-Bands. Mit der
Zeit merkte ich aber, das diese Musikrichtung nicht das richtige Ventil
für mich ist. Mich hat es dann immer mehr in die "schwarze" Szene bewegt
und schließlich 1999 habe ich dann Plastic gegründet.
GW: Stilprägend bei Plastic ist
sicherlich auch der weibliche Gesang von Tina Le Dabo. Wie hast du Tina
kennengelernt und was hat dann zur Gründung von Plastic
geführt? Matthes: Tina habe
ich vor ca. drei Jahren auf einer Party kennengelernt. Sie hat damals bei
diversen Bands (z.B. Therion usw...) die Live Backing Vocals gesungen.Wir sind
seit dem sehr gut befreundet. Mitte 2001 hab ich sie dann zu Plastic geholt.
Ganz frisch dabei ist unsere Live Keyboarderin Ute Meyer. Eigentlich "nur" als
Vertretung für den eigentlichen Keyboarder gedacht, ist sie nun auch
fester Bestandteil der "Kunststoff"-Familie, da dieser aus gesundheitlichen
Gründen leider nicht mehr zur Verfügung stand. Plastic habe ich 1999
gegründet. Ich hatte endlich das richtige "Sprachrohr" für meine
Gedanken gefunden.
GW: Was waren
und sind eure musikalischen Vorbilder? Matthes:
Ich bin ein Kind der 80er und mit Bands wie z.B. Depeche Mode,
Human League usw... gross geworden. Das hat mich bestimmt auch beeinflusst,
jedoch mache ich mir beim Schreiben neuer Songs eigentlich keine Gedanken um
Einflüsse, sondern lasse einfach meinen Gedanken freien Lauf und versuche
kein Klischee zu erfüllen. Jedoch schätze ich Bands wie z.B. Diary of
Dreams, die sich doch immer wieder von der groben Masse abheben... aber da gibt
es auch noch sehr viele andere echt gute Bands!
GW: Warum habt ihr euer Debüt
"[kunst]:Stoff" genannt? In Anspielung auf die Namenswahl der Band im Sinne von
Plastic = Kunststoff, oder gibt es vor allem aufgrund der besonderen
Schreibweise einen anderen Hintergrund für diese Wahl? Matthes: Zum einen ist es einfach das Wortspiel
zu unserem Bandnamen, zum anderen soll es aber, genau wie Du es bemerkt hast,
durch seine Schreibweise, also die Wortsplittung, auf die Vielschichtigkeit des
Albums aufmerksam machen.
GW:
"[kunst]:Stoff" ist nun bereits einige Zeit auf dem Markt und die Reaktionen
der Presse wie auch der Fans waren, soweit ich das verfolgen konnte, recht
positiv. Habt ihr mit diesen positiven Resonanzen gerechnet? Matthes: J Ich hab die Rezensionen einfach auf
mich zukommen lassen und versucht überhaupt nicht daran zu denken. Wir
sind natürlich überglücklich mit der Reaktion der Presse und vor
allen Dingen der Fans. Der DAC Album Charts Einstieg auf Platz 8 war dann
sofort das nächste Highlight und als wir jetzt auf dem Zillo-Festival beim
Newcomer Contest teilnehmen durften und diesen obendrein noch gewonnen haben
konnte ich mir erstmal Kreislauftropfen besorgen. Unser Publikum hat uns bisher
fantastisch unterstützt und haben jeden einzelnen der bisherigen Auftritte
zu etwas besonderem gemacht.
GW:
Beim Betrachten der Texte fällt auf, dass sie sich fast
ausnahmslos um (enttäuschte) Liebesbeziehungen drehen. So viele
beziehungstechnische Enttäuschungen kann man doch gar nicht erlebt haben,
dass sie Stoff für ein ganzes Album liefern, oder? In welchen Stimmungen
entstehen die Lieder? Matthes:
(lacht) In meinen Songs verarbeitete ich unter anderem schon die eine oder
andere Beziehung. Aber die Texte leben von noch viel mehr. Ich verarbeite
Träume, Ängste, Hass oder auch Hoffnung in meinen Liedern. Den Text
zu "Das Licht" habe ich z.B. bereits 1998, ein Jahr nach dem Tod meines Vaters,
geschrieben. Ich habe ihn jedoch nie eingesetzt, weil ich mich nicht stark
genug fühlte, wieder mit dieser Situation konfrontiert zu werden. Es
steckt soviel mehr in meinen Texten, aber ich habe auch viel Platz "zwischen
den Zeilen" gelassen, damit der Zuhörer ein bisschen von seinem eigenen
Leben darin finden und verarbeiten kann. Es gibt soviele verschiedene Facetten
der Liebe.....
GW: Gibt es bei
Plastic Raum für politische oder soziale Themen oder seht Ihr euch eher
als eine Band, die unterhalten will, ohne eine bestimmte Botschaft zu
übermitteln? Matthes:
Politische Äusserungen wird es in unseren Texten nicht geben. Nicht, weil
ich Angst hätte Leuten vor den Kopf zu stossen oder mich einer Diskussion
zu stellen, sondern einfach nur, weil das nicht zu Plastic gehört. Und man
soll natürlich auch prima dazu tanzen können (lacht).
GW: Du scheinst alleine verantwortlich zu sein
für die Musik und auch die Texte. Wie gross ist demnach der Einfluss von
Tina Le Dabo? Matthes:
"[kunst]:Stoff" ist komplett meiner Feder entsprungen. Tina hat aber gerade bei
Songs wie "In my eyes" an dem Arrangement des Liedes mitgearbeitet, wobei ich
zu dem Song noch eine andere, sehr liebe Freundin mit im Studio hatte. Sonja
Kraushofer von L´Âme Immortelle stand uns bei diesem Stück zur
Seite.
GW: Songs wie "Star",
"Das Licht" oder auch "Kreatur (fahr zur Hölle)" sind für mich
Stücke, die aufgrund ihrer Eingängigkeit und ihrer Tanzbarkeit das
Potential zu absoluten Clubhits beinhalten. Was denkst du, kann man einen
Clubhit planen und bewusst schreiben? Matthes:
Wenn dem so wäre, würde ich bereits meine roten
Sportwagen Sonntags ausfahren und mich entspannt zurücklehnen können.
Man kann bestimmte Aspekte in Lieder unterbringen, die einen Song zu einem
"Clubhit" machen können. Letztlich entscheidet das aber immer noch das
Publikum.
GW: Einer der, der
neben den vorgenannten Stücken, herausragenden Songs ist "Being Boiled",
eine, wie ich finde, mehr als gelungene Human League Coverversion. Habt Ihr
weitere Coverversionen im Programm oder in Planung für das nächste
Album? Matthes: Generell bin ich
guten Coverversionen nicht abgeneigt, aber "Being Boiled" ist derzeit die
einzige Interpretation aus der guten alten Zeit. Für das nächste
Album, was für ca. Februar / März 2003 geplant ist, steht allerdings
noch nichts in dieser Richtung fest. Es müsste dann allerdings auch wieder
ein Lied sein was mich genauso fasziniert. Mal schau´n....
GW: Faszination scheint allerdings auch eine
Band wie Diary of Dreams auszuüben, scheint doch gerade "Cry" sehr von der
einzigartigen Atmosphäre Adrian Hates´ beeinflusst zu sein.
Betrachtest du solche Vergleiche eher als Beleidigung oder als Auszeichnung
deiner Arbeit. Matthes: Eher als
Auszeichnung, aber keinesfalls als Beleidigung! Wie gesagt, Diary of Dreams ist
eine fantastische Band und ich mag die Art, wie Adrian Hates seine
Traumtagebücher schreibt. Wir haben kürzlich auch noch über
"Cry" gesprochen und hätte es zeitlich geklappt, hätten Adrian und
ich diesen Song zusammen beim "Xtreactor"-Festival im Juni performed. Er mag
ihn auch sehr.
GW: Auch wenn
"[kunst]:Stoff" ja eigentlich gerade erscheinen ist, habt ihr bereits eine
Vorstellung davon, wie das nächste Plastic-Album klingen wird? Werdet ihr
den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen? Matthes: Das nächste Album wird auf jeden
Fall genauso vielschichtig und facettenreich wie "[kunst]:Stoff" werden, und
wie uns unser Publikum gezeigt hat, ist unser Weg auch richtig. Aber es wird
keinesfalls ein einfacher Aufguss von unserem Debüt sein. Im Rahmen
unserer nächsten Live-Shows werden wir auch nach und nach schon mal den
ein oder anderen Song präsentieren.
GW:
Ihr habt ungefähr zeitgleich mit dem Erscheinen des Albums
ein paar Clubshows gespielt. Sind weitere Shows oder gar eine Tour in Planung?
Wie muss man sich eure Show vorstellen? Matthes: Unsere geplanten vereinzelten Konzerte
haben sich mittlerweile zu einer Tour gemausert. Wir stehen derzeit mit einer
Booking-Agentur in Verhandlung damit wir eine Tour, wenn möglich direkt in
der ersten Jahreshälfte 2003, realisieren können. Bei den Gigs
versuchen wir jeden einzelnen im Raum in unseren Bann zu ziehen und meistens
hält es mich nicht lange auf der Bühne. Ich suche immer wieder den
direkten Kontakt zum Publikum, vor, während und nach dem Konzert. Aber ich
könnte ja viel erzählen, lasst Euch einfach auf einer unserer
nächsten Shows davon überzeugen. Wenn man als Konzertbesucher meist
gutes Geld auf den Tisch legen muss, soll man auch wirklich das beste
für´s Ohr und für´s Auge bekommen.
Michael
Kuhlen (OBLIVEON) für
GOTHICWORLD
Pics: Silke Jochum Review zu
"[kunst]:Stoff" www.plasticmusic.de
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