interview:

SCHANDMAUL
19.07.03 - Pösinger Open Air

SchandmaulDa stehen wir in Pösing und suchen das Open Air. Nachdem wir den Ort einmal durchfahren haben, finden wir es auch. Mitten in einem Waldstück liegt der Festplatz. Man hat mit viel Liebe eine Bühne gezimmert, die ein wenig hoch geraten ist, so dass man keine Crashbarriers braucht. Dummerweise sieht man aus der ersten Reihe auch nur Beine.
Ich werde jetzt nicht über das Konzert berichten, sondern einfach auf die Live-DVD "Hexenkessel" verweisen, da dieses Konzert ein typisches SCHANDMAUL-Konzert war, wie wir es kennen und lieben. Hernach hatten wir aber die Gelegenheit, die Schandmäuler zu treffen, so dass uns Thomas, Anna, Birgit und Ducky Rede und Antwort standen.


SchandmaulGW: Erstmal Glückwunsch zu dem wundervollem Konzert gerade eben. Da fällt mir auch schon gleich die erste Frage ein: Wenn diese brillanten "Ausziehen!"-Rufe (die es auch auf diesem Konzert mal wieder gegeben hatte) erschallen, wie nehmt ihr das als Band auf? Kommt man sich da nicht ein kleinwenig beschissen vor?
Thomas: Das ist total beschissen, aber das überhört man.

Birgit: Nee, das überhört man nicht!

Thomas: Ja, man hört es schon aber man "überhört" es auch.

Birgit: Na ....

Thomas: Nicht?

SchandmaulGW: Was macht man dann damit?
Birgit: Da sagt man dann: "Hey, da ist ja schon wieder ein junger Mann, der sich ausziehen will. Ist ja super! Komm doch hoch auf die Bühne!" (lacht) Der war so still ...

GW: Wo wir schon bei einem Konzert sind, bleiben wir auch gleich da. Wie macht ihr denn eure Setlisten fest? Willkür, Plan oder Dartscheibe?
Ducky: Wir haben, wenn wir alleine spielen, unser Vollset, das Tourprogramm. Das wird dann je nach Länge des Auftritts einfach gerafft. Wir schmeißen dann raus, was "B-Ware" ist. Man muss natürlich schon sagen, dass alles "A-Ware" ist, aber die "A2-Ware", die kommt dann raus (alle lachen) Da bleiben dann die Knaller übrig.

SchandmaulGW: Lieber Festival oder lieber eigene Tour?
Thomas: Das kann man gar nicht miteinander vergleichen. Das sind zwei verschiedene Welten. Die Clubtouren sind sehr intim, man ist alleine mit dem Publikum, das nur wegen einem extra gekommen ist. Die Festivals sind draußen, es sind meistens mehr Leute da, als wenn man alleine unterwegs ist, da ja mehr Bands spielen. Das Fremdpublikum muss erst noch überzeugt werden - es sind halt zwei Welten, die jede Menge Spaß machen.

GW: Mal eben zum Publikum: Ihr habt ja Fans aus allen Bereichen. Da ist der Hardrocker neben dem Grufti, da sind die Mittelalterer und Gebumfidler und irgendwo steht auch noch das HipHop-Kind. Wo seht ihr den gemeinen Schandmaulfan?
Anna: Ich finde, dass hast du eben sehr treffend ausgedrückt. Den findet man in jeder Szene - überall. Das finde ich auch wichtig, dass da nicht nur eine Gruppe da ist.
Ducky: Wir haben mal in unserem Forum einen Thread gehabt: "Was hört ihr sonst so für Musik?", wo die Fans untereinander erzählten, was sie so hören. Da war wirklich komplett gemischt - man kann es nicht fest machen. Die klassische Szene so "In EXTREMO, SUBWAY" ist eigentlich immer dabei, dann geht's so ein bisschen in die Melody Rock Ecke á la DREAM THEATRE. Der Rest ging von HERBERT GRÖNEMEYER bis SEPULTURA. Also wirklich alles.

SchandmaulGW: Kurz zur "HEXENKESSEL"-DVD. Wie lange habt ihr daran gearbeitet, wer hatte die Idee?
Birgit: Auf den Studioalben hat man leider nicht den Flair, den SCHANDMAUL live ausstrahlt, eingefangen. Wir wollten dem Fan also was bieten, wo er nachvollziehen kann, was live bei SCHANDMAUL so abläuft. Man hat dann im Oktober angefangen vorzubereiten - da wurde das erste Mal mitgefilmt.
Thomas: Das ging früher los.
Ducky: ging schon bei der Produktion der letzten Studioplatte "NARRENKÖNIG" los.
Birgit: Stimmt....
Ducky: Da war das Filmteam mit im Studio und hat ein bisschen aufgezeichnet. Da haben wir schon gewusst: WIR MACHEN EINE DVD. Die Idee war da, aber keine Form und kein Konzept. Dann hat man angefangen, ein wenig zu filmen, sind dann auf der Tour nach der VÖ mitgefahren und da hat es dann Formen angenommen. Wir haben dann gesagt, dass wir die DVD irgendwann Anfang diesen Jahres bei einem Konzert aufnehmen und das Bonusmaterial auf der Tour und der Zeit zwischen großer Tour und Wochenendgigs.

GW: War es Eure Idee oder die eurer Plattenfirma?
Thomas: Wir wollten schon immer eine Liveplatte machen. Das war ein großer Traum. Der Anstoß kam dann von der Plattenfirma, die sagten, dass wenn Liveplatte, dann in dem Zeitalter, wo der DVD-Player das meistverschenkte Weihnachtsgeschenk ist, auch eine DVD.

GW: Wo wir jetzt bei Platten angekommen sind: Die neue Platte kommt Anfang 2004. werdet ihr wieder ein Stück härter? Die "NARRENKÖNIG" ist ja die mit abstand härteste Platte, die ihr gemacht habt.
Thomas: Die "NARRENKÖNIG" ist nicht härter als die anderen, sondern die Platte, die unserem Livesound am nächsten kommt.
Ducky: Da ist bei den ersten Platten eher was schief gelaufen, als dass die NARRENKÖNIG sich von dem, was SCHANDMAUL ist, abhebt. Im Gegenteil: der "NARRENKÖNIG" trifft die Band SCHANDMAUL am ehesten.
Anna: Wir werden auch auf der neuen Platte so bleiben.
Ducky: Live klingen wir auch wie eh und je! Mit der letzten Platte hat sich am Livesound nichts geändert, wir haben uns nur dem Livesound mit der Platte angepasst.
Birgit: Es gibt nun mal ein paar Elemente, die sind für uns sehr typisch; das Folkloristische und das Mittelalterliche und der Rock. Und genau diese Elemente wird's auf dem neuen Album wieder genauso geben.
Thomas: Es wird auch wieder zwei Instrumentale geben.

SchandmaulGW: Das ist eine gute Überleitung zu eurer musikalischen Ausbildung. Thomas, ich meine gelesen zu haben, dass du eine Gesangsausbildung hast.
Thomas: Was heißt hier Ausbildung. Das klingt, als hätte ich irgendwas studiert. Ich habe zwei Jahre lang privat bei einem Opernsänger klassischen Gesangsunterricht genossen. Das war sehr geil und hat meiner Meinung nach meiner Stimme auch viel gebracht - mittlerweile habe ich nicht mehr die Zeit dafür und ich versaue sie mir auch mit jedem Konzert und jedem Bier ein Stück mehr, um klassisch irgendwas zu machen. Das hat auch so irgendwie keinen Taug.

GW: Kontakt zu den Fans: Ihr seid nach jedem Konzert am Merchstand, habt einem verdammt guten Fanservice. Wie liegt da die Wichtigkeit?
Ducky: Es ist und verdammt wichtig, nur je bekannter man wird, desto schwieriger wird es auch.

GW: Inwiefern?
Ducky: Weil immer mehr Leute was von einem wollen und weil immer mehr dazu kommen, die nicht zwischen "Wer ist mein Bester Freund" und "Wer ist das, den ich flüchtig bis gar nicht kenne" trenne können. Und es gibt leider leider immer wieder Menschen, die den Service dann dazu ausnutzen, Telefonnummern abzugraben oder die Mädels angraben. Es wird immer wieder eine Grenze überschritten, was die ganze Sache dann schwierig macht. Dann überlegt man, ob man das weiter macht, nur ist es insgesamt zu wichtig.

GW: Ihr habt ja ein paar Fans, die euch schon fast "vergöttern". Wie geht ihr mit so was um?
Thomas: Es ist ne Art von sich geschmeichelt fühlen, nicht verstehen und auch peinlich berührt werden. Es ist schön und auf der anderen Seite sind es auch die, die total ausrasten. Das sind die einen, da sieht man: Das passt, das sind nette Leute. Die Leute, die glauben, mit dem Kauf deiner Platte ein Teil von deinem Leben eingekauft zu haben, die sind komisch, die machen ärgerlich. Das geht nicht - das ist dieser Unterschied...

Schandmaul-InterviewGW: Dann können wir ja zu "WILLST DU" umschwenken. Wie viel Heiratsanträge habt ihr schon auf der Bühne gehabt? Mitgezählt?
Ducky: Fünf oder Sechs müssen es schon gewesen sein. Es sind immer mehr geworden, wir haben es nicht mehr durchziehen können und es wurde zu einer "Massenware". Letztens hatten wir ein Konzert mit drei Anfragen für einen Heiratsantrag und dann wird es peinlich und es ist auch für die Leute, die es machen wollen nichts besonderes mehr. Und deswegen machen wir das eigentlich nicht mehr.
Thomas: Wenn einer mal kommt ist das in Ordnung. Nur sind das jetzt immer mehrere pro Konzert und das funktioniert dann nicht. Dann wünscht man lieber von der Bühne runter alles gute. Ist aber doof wenn da Einer steht und dann kommt der Nächste. Das ist dann doch kein Heiratsantrag mehr.
Ducky: Und nichts besonderes.

GW: Euch sind ja auch andere Musiker sehr wichtig, IN EXTREMO usw. Inwiefern sind das Einflüsse? Künstlerische Ergänzungen unabhängig von einem gemeinsamen Projekt?
Anna: Ich glaube, so etwas passiert unterbewusst. Wir kommen sowieso aus verschiedenen bereichen der Musik und haben von da schon unseren Einflüsse, die wir mit rein bringen.
Ducky: Ich muss auch einfach mal festhalten, dass wir bestimmt nicht mit IN EXTREMO oder SUBWAY TO SALLY irgendwie wetteifern und beeinflussen lassen wir uns von ganz anderen Dingen. Ich habe IN EXTREMO erst kennen gelernt, als mich immer mehr Menschen drauf ansprachen und mir sagten, dass wir so klängen wie sie. Da musste ich mir die Platten auch mal anhören und: AHA! Die haben auch Dudelsack und Drehleier - ist aber keine Band, der wir nacheifern wollen.
Birgit: Wir tauschen uns dahingehen aus, was auf der Bühne instrumententechnisch funktioniert und was nicht.

GW: Wo kommt ihr denn musikalisch ursprünglich her?
Schandmaul-InterviewDucky: Ich habe klassische Gitarre studiert, da ich Lehramt mit Didaktikfach Musik studierte und komme von den Einflüssen über meinen Daddy aus der Liedermacherecke - als kleiner Bub Reinhard May und dann kamen alle Bands, bei denen Gitarren im Vordergrund standen - METALLICA und wie sie alle heißen. Inzwischen steh ich in der Hardrockecke. Thomas: Ich kam aus der Deutschrockecke - HEINZ RUDOLF KUNZE, z.B. und steh jetzt in der melodisch bis harten Rockecke.
Thomas: Ich kam aus der Deutschrockecke - HEINZ RUDOLF KUNZE, z.B. und steh jetzt in der melodisch bis harten Rockecke.
Anna: Eigentlich nur aus der Klassik - seit 14 Jahren spiele ich Geige und studiere seit 4 Jahren klassische Geige.
Birgit: Ich habe auch klassisch angefangen mit Kontrabass, Klavier und Querflöte und komme ansonsten aus der Folklore- und Mittelalterecke.


Mit diesen Worten beendeten wir das Interview noch lange nicht. Auf dem Band ist noch viel mehr drauf - Man versteht nur leider trotz Restaurationsversuchen eines befreundeten Tontechnikers kein Wort. Die Band, die gerade spielte, schluckte jeden Ton. Schade. Leider weiß ich auch nicht mehr, was ich gefragt habe. Sicher gibt es irgendwann wieder Gelegenheit das Interview fortzusetzen.


Stephan für GOTHICWORLD

Photos: Gwydion Enbarr

DVD-Review: Schandmaul: "Hexenkessel"

Offizielle Homepage: www.schandmaul.de