Interview, Review und wissenschaftliche Abhandlung:

KNORKATOR
"... dieses Lied ist zur Rettung der Welt und früher war alles besser."

Ich hasse MusikDeutschlands meiste Band der Welt hat wieder eine neue Scheibe am Start, die da "ICH HASSE MUSIK" heißt. Außerdem soll diese CD derzeit der weltweit einzige Tonträger, welcher das GWA-Prinzip beinhaltet (Gravitation Wave Amplifier). Also das sind doch mindestens fünfundzwanzig Gründe für ein Interview mit ALF ATOR, dem Vordenker und kreativen Kopf der missverstandensten Band Deutschlands. Es war im frühen Morgengrauen und mein Kaffee war trotzdem schon kalt. Vielleicht lags an der Psionenstrahlung ...

GW: Morgen Alf! Wer von euch hasst denn Musik - und warum?
KnorkatorAlf: Dazu gibt es zwei Antworten... Eigentlich lieben wir Musik und diese Liebe wollte ich in dem Stück "ICH LIEBE MUSIK" ausdrücken. Dann war aber die Industrie dagegen und hat beschlossen, dass ich das so nicht singen kann. So etwas könnte ein UDO JÜRGENS singen, aber nicht KNORKATOR. Da hab ich dann ein paar Worte geändert und "liebe" durch "hasse" ersetzt und dann durfte ich das singen.
Als zweites muss ich anmerken, dass wir gerne etwas Gewaltiges schaffen wollten. "ICH HASSE MUSIK" klingt gewaltig - so ähnlich wie "Sex, Drugs and Rock ‚n' Roll". Dieser Satz "Ich hasse Musik" hat etwas absurdes, denn jeder Mensch mag Musik. Manche mögen kein Techno oder Hip Hop, aber jeder hört irgendwelche Musik. Insofern entsteht da natürlich eine Diskrepanz. Aber es waren auch immer diese großen, gewaltigen Sätze, die die Welt bewegt haben. Wir als Menschen neigen dazu, solchen Sätzen unseren Lebensinhalt zu geben. Und dieses Album mit diesem Satz ist zur Rettung der Welt.

(Anm. des Autors: Da ich den Waschzettel habe und ihr nicht, wusste ich das natürlich schon und bin deswegen erstmal nicht darauf eingegangen, denn ihr werdet bei einer späteren Antwort wissen, warum es zur Rettung der Welt gemacht ist.)

KnorkatorGW: Wo stehen KNORKATOR im Moment konzeptionell?
Alf: Da waren zwei Alben, dann der Grand Prix, dann wieder ein Album. Dazwischen haben wir ein Buch geschrieben, Volksmusik (HIGH MUD LEADER) und ein wenig Quatsch gemacht. Wir wollten für diese Platte richtig Zeit haben und die haben wir uns auch genommen. Dazu noch ein großes Studio und einen Produzenten, damit ich mich beim Aufnehmen nicht noch auf jeden Regler konzentrieren muss - und mit einem Produzenten konnten wir endlich das Volumen unseres Hirnes ausnutzen. Diese anarchischen Sprüche sind nicht ernst, sondern Alltagserklärung. Man wird älter, man wird Vater und plötzlich hat man Themen, über die man schreiben kann.

(Anm. des Autors: Ich frage mich, warum er Lieder covert, wenn er jetzt doch Themen hat... und deswegen frag ich ihn jetzt.)

KnorkatorGW: Warum habt ihr "MA BAKER" von BONEY M verwurstet?
Alf: Bei der Auswahl ist uns egal, was wir covern. Die Ursache liegt im Song. Bei diesem Werk besteht im Original ein Wechsel zwischen hohem und tiefem Gesang, die Basslinie eignet sich wunderbar als Gitarrenriff. Ein Coversong muss aus einer musikalisch anderen Ecke kommen, sonst macht es doch gar keinen Sinn, ihn zu covern. Bei diesem AALIYAH Song haben wir das Geträller im Hintergrund - RNB-Sänger können einfach nicht still sein - zu einem bombast Rockwerk verändert: Ein Kanon. Bei einem Song, den wir bearbeiten, ist es egal, von welchem Künstler er kommt oder welches Image der Song oder Künstler hat.

(Anm. des Autors: Wow. Der macht sich ja richtig Gedanken. Aber mit meiner nächsten Frage kriege ich ihn. Ganz bestimmt. Denn was kann man schon über einen Song sagen, der eine Minute lang Stille enthält?)

GW: Erzähl mir doch mal was über die "SCHWEIGEMINUTE". Wie und vor allem: Warum?
Alf: Da habe ich das gute mit dem nützlichem Verbunden. Ich hatte von meinem Verlag einen Vorschuss zum verprassen. Nachdem ich dies getan hatte, las ich im Kleingedruckten, dass auf der nächsten Platte X Eigenkompositionen sein müssen. Ich brauchte also noch einen Song. Die "SCHWEIGEMINUTE" war ein völlig improvisierter Firsttake. Ich habe sie bei der GEMA angemeldet und darf das Geld jetzt behalten. Auf der Special Edition von ICH HASSE MUSIK wird es ein Making of der "SCHWEIGEMINUTE" und des Albums geben. Wir haben für dieses Album die ganze Welt bereist und sogar mit durch einen Bekannten, der Astronaut ist, ein Diktaphon auf der ISS gehabt. Der andere Grund für dieses Lied: Wo man denkt, es herrscht Stille, hört man schon etwas. Im Weltraum gibt es die Psionenstrahlung. Diese Wellen liegen im unhörbaren Bereich. Diese Strahlung wirkt Bewusstseinserweiternd und macht glücklich. Wir haben die "SCHWEIGEMINUTE" mit diesen Strahlen unterlegt (das Aufnahmegerät auf der ISS...) und so kann man sich diese Glücklichmacher nach Hause holen. Dieses Lied ist zur Rettung der Welt und früher war alles besser.

(Anm. des Autors: Aha. Jetzt wissen wir, warum es zur Rettung der Welt ist, dieses Album! Für alle die es noch nicht kapiert haben, hier die wissenschaftliche Erklärung aus dem offiziellen Pressetext:

Psionenstrahlung sichtbar gemacht"... wenn im Universum große Massen unter dem Einfluss großer Kräfte bewegt werden, senden sie sogenannte Gravitationswellen aus, die mit Lichtgeschwindigkeit das All durchqueren und die Raumzeit abwechselnd dehnen und stauchen. Supernova- Explosionen sind die hauptsächlichen Verursacher dieses Phänomens. Die Veränderungen unserer Umgebung sind allerdings so gering, dass wir es nicht bemerken. Es sei denn, wir benutzen den Gravitationswellenverstärker. Das Prinzip ist relativ simpel. Es gab in jüngster Vergangenheit einige dutzend Supernova-Explosionen, deren Gravitationsfeld noch heute nachschwingt. Jedes von ihnen hat seine eigene Frequenz und kann durch Messungen zugeordnet werden. Von den Liedern auf dieser CD entspricht jedes in seiner Geschwindigkeit (BPM) der Frequenz einer bestimmten Supernova. Ein spezieller Chip in der CD sorgt dafür, dass jedes Lied so gestartet wird, dass die Viertelschläge absolut zeitgleich mit den Amplituden der Gravitationswellen erfolgen. Dieses kann die räumliche und zeitliche Verzerrung von normalerweise 0,00003% bis 0,00007 % auf knapp 100% verstärken. Das bedeutet fast eine Verdopplung sämtlicher Ausmaße!

Praktisch gesehen wird der Raum, in dem man diese CD hört abwechselnd doppelt so hoch oder doppelt so breit. Auch die Zeit läuft mal schneller und mal langsamer ab. Da der Hörer aber Teil der Umgebung ist, wächst und schrumpft er mit dem Raum, was dazu führt, dass er von all dem nichts mitbekommt ... "


Erst ein toller Spruch und dann noch die ominösen Strahlen... Klingt irgendwie nach Veralberung. Mal fragen, ob sie nicht eher Comedy als anständige Musik machen.)

KnorkatorGW: Wo seid ihr denn Einzuordnen: Im ernsthaften Musikerbereich oder eher als Komödianten?
Alf: Die Industrie versucht uns schon immer einzuordnen. Wir sind Musiker, die mit allen Sinnen unterhalten wollen (Anm. des Autors: Ich freu mich schon auf die erste Riechplatte!) und wir machen uns Gedanken und ne tolle Show. Das was ich gut kann, mache ich auch - unterhalten. Man erreicht vielleicht weniger Leute, aber die dafür richtig und so haben wir Menschen, die uns über Jahre begleiten. Man will auch mal nur leicht unterhalten werden. Aber ich mache das lieber so, wie wir es machen.

(Anm. des Autors: Wunderbar. Hat der denn auf alles eine Antwort? Dann lass ich ihn mal seine Platte analysieren. Mal sehen, was das wird.)

GW: Könntest du kurz zu jedem Lied der Platte ein paar Worte - nicht mehr als einen Satz - sagen?
Alf: Natürlich.
01. DER ULTIMATIVE MANN: Rache des Frauenverstehers, der wegen eines Idioten sitzen gelassen wurde
02. ICH HASSE MUSIK: Bombastisch schöne Worte
03. TRY AGAIN: Vom Kopf auf die Füße gestellt
04. ICH BIN ÜBERHAUPT NICHT DA: Interessanter perfider Trick
05. MAI KHO DJAI: Nix verstehen
06. SCHMUTZFINK: Mein Sohn ist zwei Jahre
07. SCHÜCHTERN: Zusammenspiel von Text und Musik
08. AEGER SUM: Ich bin krank - wie gut, wenn man ein Wörterbuch hat
09. MA BAKER: Seelenverwandt mit BOBB FARELL
10: WIE WEIT IST ES BIS ZUM HORIZONT: Ohne Worte
11: MAKELLOS: Ich hab die fetten Beats
12: SCHWEIGEMINUTE: Tipp: Sampeln und vier Oktaven höher abspielen (= 400% GWA!!!)
13: BEATIN GAROUND THE BUSH: Dick und Doof.

KnorkatorGW: Das war jetzt sehr aufschlussreich. Das mit seinem Sohn find ich am spannendsten. Erzähl mir doch noch was über den SCHMUTZFINK.
Alf: Man ist ja Rockmusiker, weil man sich irgendwann in der Jugend dazu entschlossen hat. Gerade als Hardcore-Band ist es sehr wichtig zu schimpfen und schlimme Wörter zu benutzen. Als Jugendlicher schimpft man über die Schule und die Langeweile, später über die Politik. Es gibt immer einen Grund für Aggression und schlimme Worte. Ab 40 sind es die eigenen Kinder. Dieses Lied ist quasi die tragische Gestalt eines alternden Rockmusikers.

(Anm. des Autors: Mit diesen Worten war alles gesagt. Der Mann ist verrückt, die Scheibe genial und umgekehrt. Musikalisch bleiben sich KNORKATOR treu und überraschen doch immer wieder mit tollen Dingen. Ich finde, es ist eine sehr emotionale Scheibe ...)

KnorkatorAlf: Danke. Davon bin ich jetzt überwältigt. Das liegt zwar im Auge des Betrachters, aber ich hatte ja insgeheim gehofft, dass das jemand mal sagen würde.

(Anm. des Autors: ... auweia, er hatte mich gehört! Lieber schnell jetzt das Telefon auflegen.)

GW: Äh, hallo? Noch da?
Alf: ...

Gut, ich kann wieder offen reden und muss mich nicht mehr in Klammern verstecken.
KNORKATOR haben wieder mal eine richtig gute Platte gemacht. Vergesst die "HASENCHARTS" oder die anderen. Hört diese Platte, denn es ist lustig, traurig, kitschig und auch immer wieder hochtragisch. "AEGER SUM" (Ich bin krank) sag ich nur noch und gehe jetzt schlafen. Muss vorher noch den CD Spieler ausmachen, denn bei KNORKATOR muss man immer tanzen und wippen und schunkeln und hüpfen, da geht das nicht mit dem Schlafen.


Stephan für GOTHICWORLD

KNORKATOR-Houmpaidsch: www.knorkator.de