interview:

SUBWAY TO SALLY
Eric Fish zur anstehenden "Live" - Doppel-DVD:
"... morgens um Sechs ein Becks, aber nur fürs Video!"

Die Gelegenheit nutzend, sich nicht nur auf der Bühne (literarischer Support) zu tummeln, sondern auch weiterhin seiner "Verpflichtung" nachzukommen, verwickelte unser Mitarbeiter Thomas Sabottka beim Chamber-Release-Konzert Eric Fish anlässlich der SUBWAY TO SALLY Live DVD, welche im Oktober erscheinen wird, in ein Gespräch. Welches natürlich später fortgeführt wurde und nun hier nachzulesen ist.

GW: Auch wenn die DVD ja nicht unbedingt eine Best Off ist, so würde ich doch damit anfangen, dass Du ein wenig mal die letzten Jahre SUBWAY an Dir vorüber ziehen lässt. Wir hatten ja schon mal festgestellt, dass ich Euch Anfang der 90er im Berliner Tempodrom zusammen mit ELEMENT OF CRIME und FISHER Z gesehen habe. Von da bis zu "Engelskrieger" ist ja schon ein langer Weg. Vielleicht gehst Du an dieser Stelle auch noch mal auf die Veränderungen bei Engelskrieger ein, von denen Du ja selbst sagst das sie nicht unbedingt von allen (Publikum/Presse) mitgetragen wurden.
Eric: Ich sagte, aufs Publikum bezogen, "anfangs" und auch, dass bei den letzten Konzerten - wir liegen jetzt ca. 3 Monate nach VÖ - ganz deutlich zu sehen und zu spüren war, wie sehr die Engelskrieger Thematik inzwischen bei den Leuten angekommen ist. Ich fühlte mich sowieso jederzeit unwahrscheinlich stark mit dieser unserer Musik! Einen historischen Abriß müssen wir den Lesern nicht zumuten, den können sie sich auf unserer Homepage anschauen, nur soviel: Die angesprochenen Veränderungen waren und sind bei SUBWAY TO SALLY immer ein Ausdruck der Entwicklung, des Reifeprozesses und damit für mich ein Element, welches wir so manchen Bands auf dieser Erde die sich immer wieder selbst klonen, voraus haben, ein Element, welches mir jedes Mal aufs Neue beweist, dass ich einem lebenden, fühlenden und denkendem, fast organischen Corpus angehöre, der nicht automatisiert funktioniert sondern als Teil der Gesellschaft, diese leibhaftig reflektiert.

GW: Denkst Du das die anfänglichen Schwierigkeiten, nur mit den neuen Themen, den nachdenklicheren Texten zu tun hatten. Oder auch mit Eurer Entfernung von diesem ganzen "Mittelalterzeug" zusammenhing. (Obwohl Ihr eigentlich nie so recht dazu gehört habt, dafür war Euer Stil wirklich immer zu eigen, aber gerne so verkauft wurdet.) Ich erinnere mich, das es vielen Leuten (zumindest am Anfang) zu "heavy" war.
Eric: Mit der Umschreibung "heavy" sind sicher auch die Texte gemeint. Ich kenne viele Frauen und Mädchen, denen es in der Tat schwer viel, diese Platte zu hören ohne depressiv zu werden oder zu heulen, auch Männer. Doch wahrhaftige Musik wird sich immer einen Weg suchen zu den Menschen die, die Adressaten sein können. Und wer sich zufrieden gibt mit den Fernseh - und Radioplattitüden, der soll seine "Superstars" abfeiern und sich verarschen lassen. Mit diesen Leuten kann man die Welt nicht verändern. Das hat also alles nur marginal mit Dudelsäcken und Schalmeien zu tun, die Trennlinien verlaufen woanders.

GW: Hast Du eigentlich selbst den Eindruck, das sich auch Euer Publikum in den letzten Jahren (mit Euch?) gewandelt hat? Gerade damals Anfang der 90er waren es nun nicht unbedingt "Gothics" die im Publikum waren. Jetzt überwiegen die "schwarzen Gestalten" schon. Oder könnt ihr sogar nachvollziehen ob noch "alte" Fans dabei sind? In diesem Zusammenhang würde es mich auch interessieren, was Du denkst, warum Ihr gerade in dieser "Szene" so erfolgreich geworden seid? Warum nicht auch im "Mainstream" in dem es ja eigentlich anfing. (Damals wurde noch im "Musik Express" über Euch geschrieben.) Denkst Du vielleicht das es damals Anfang der 90er, also kurz noch der Wende, gerade auch auf musikalischem und kulturellen Gebiet, noch sehr "anarchistisch" war und man einfach "mehr" machen konnte als heute? (Ich meine damit, das Ihr heutzutage vielleicht gleich in einer "Szene" starten würdet/müsstet.)
Eric: SUBWAY hört man nicht mal eben so nebenbei wie etwa Manowar oder Linkin Park, diese Unmöglichkeit oder umgekehrt die Notwendigkeit sich mit dem Gehörten , weil ja muttersprachlich und verständlich gesungen, sofort auseinander zu setzen, beschränkt natürlich unseren Zugang. In der Gothic Szene sind eben viele, viele Leute per se eher bereit, auch mit ihrem Kopf Musik zu hören. Klar waren die 90er anfangs herrlich anarchisch! Folk, Punk, Ost, West, Rock und Death Metal, erfrischend auch in den Mischformen. In den letzten 10 Jahren allerdings glattgebügelt von den ratlosen Plattenfirmen und dem immer größeren Bedürfnis, sofort massenkompatible Bands und Musik anzubieten. Man muß auch beklagen, dass unter diesen Umständen bzw. diesem Druck kaum Nachwuchs auf die Idee kommen wird, mal was krudes, aber eigenes, zu machen oder sich der deutschen Sprache zu bedienen.

GW: Warum jetzt also eine DVD? Doch eine Art Bestandsaufnahme? Oder ist es heutzutage zwingend notwendig, dem Publikum mehr als nur CD und Konzerte zu bieten?
Eric: Das ist für uns vor allem eine Gelegenheit, endlich mal bewegte Bilder von uns zu präsentieren. Wir haben unser letztes Video `97 gedreht und seitdem können Menschen nur in Konzerten erfahren, was sich optisch und motorisch neben der reinen Musik bei uns abspielt. Von einem kurzen VIVA Spezial mal abgesehen, war ja Flaute auf dem Bildschirm, dabei wird Dir jeder bestätigen dass unsere Live Präsenz dazu gehört wenn man behaupten will, uns zu kennen. Auf dieser fast 4 Stunden DVD kann sich jeder satt sehen und hören an uns und er findet jede Menge sehr interessante Hintergrundinformationen.

GW: Kann man sagen, dass die DVD (auch) deswegen entstanden ist, weil das Publikum schon nach (wie Du so schön gesagt hast!) nach bewegten Bildern schreit, sie aber im Fernsehen, bei einer Band wie SUBWAY doch leider, eher selten zu sehen bekommt? Wobei sich das ja vielleicht auch langsam ändert, wenn eine Sendung wie "Schattenreich" sich etwas mehr etabliert.
Eric: "Schattenreich" ist eine absolut positive Geschichte, allerdings leider eine Ausnahme.

GW: Wann/Warum fiel eigentlich die Entscheidung, das eine DVD nicht nur einen Konzertmitschnitt enthalten soll? Gerade bei dieser DVD bekommt der Käufer damit wirklich eine Menge für sein Geld zu sehen. Ist einem das vorher klar? Oder denkt man nicht doch das ein gut mitgeschnittenes/gefilmtes Konzert reicht?
Eric: Wir bieten doch auch im Konzert eine Menge für`s Geld! Nee, nur ein Konzert wäre langweilig, wir haben doch soviel zu erzählen. Und eben auch Fans, die das interessiert, was wir zu sagen haben. Also war es immer klar, mehr als nur das Konzert bieten zu wollen. Da es dann auf einmal nicht mehr auf eine CD passte, haben wir die zweite auch gleich noch voll gemacht. Z. Bsp. Mit einem zauberhaften "Songwriting" Spezial des Meisters Ingo Hampf , sehenswert!

GW: Die 24h Reportage einen Tag mit SUBWAY. Am Anfang sieht man Dich morgens um 06:00 im Tourbus, aus dem Bett kommend und gleich ein Becks greifend... einerseits ja ein schönes Klischee vom Rockstar... andererseits zerstört gerade diese Szene das Klischee auch schon wieder. Morgens um 06:00 aufstehen, ist ja nicht gerade das was man von einem Rockstar erwartet. So finde ich gerade diesen Teil der DVD sehr spannend, weil er doch einen ziemlich guten Einblick in das Leben auf Tour gibt, wie anstrengend und wie viel Arbeit es dann doch ist. Vielleicht kannst Du dazu noch kurz was erzählen...
Eric: Um zehn vor 6 ist ja der letzte erst ins Bett gegangen, insofern musste ich schon froh sein, noch ein Bier vorzufinden. Auf ner Tour muß ich mich relativ diszipliniert benehmen, insbesondere nach Konzert und Dusche schleunigst pennen gehen um meine Stimme fit zu halten. Dies kommt dann meinen ohnehin legendären Frühaufsteherqualitäten zugute. Auf jeden Fall ist dieser Bonustrack eine Offenbarung für all jene, die sich fragen was sich über die zwei Stunden Konzert hinaus auf einer Tour so abspielt.

GW: Interessant fand ich wirklich zu sehen, wie viel die "Stars" noch selbst machen. Ich glaube von einer so erfolgreichen Band wie SUBWAY denken die Leute doch eher, das Ihr es Euch auf der Tour richtig gut gehen lasst... Lustig auch, das gerade im Zusammenhang mit dem Wortspiel "Krieger" das Bespannen und Reinigen der Gitarren, wirklich wie das Aus- und Wiederzusammenbauen der Selbigen, wie Waffenreinigen bei der Armee wirkt. Demontiert Ihr also mit diesem Bonus wirklich den Mythos vom "Sex Drugs and Rock'n Roll"? (Schade eigentlich!)
Eric: Mythos? So eine DVD muss ja auch noch durch die Zensur! Und klar machen wir vieles selbst. Wer hat denn mehr Rock`n Roll? Einer der seine Gitarre bespannen lässt oder einer, der sein Instrument als Geliebte betrachtet an die nur er Hand anlegt?

GW: Könntet Ihr Euch eigentlich vorstellen, die optische Komponente bei SUBWAY weiter auszubauen? Mehr in Richtung Video (im Sinne von kleinen Filmen) oder bleibt es "nur" bei Konzertmitschnitten? Wie läuft so was überhaupt? Schneidet man die halbe Tour mit und entscheidet dann, welche Gigs am Besten waren? Obwohl Ihr ja "nur" ein Konzert aufgenommen habt... Heißt das man investiert nen Haufen Kohle in Equipment und Filmcrew, für einen Ort, auch auf die Gefahr hin, das die Stimmung da dann mies ist? Oder wart Ihr Euch bei Berlin sicher? So eine Art Heimvorteil vielleicht?
Eric: Es war immer klar, dass dieser eine Gig mitgeschnitten werden würde. Er lag am Ende der Tour und wurde mit dem gleichen Equipment gefahren wie all die Tourtage davor, plus die Kameras natürlich. Sicher konnten wir uns nur unser selbst sein. Am Ende einer Tour bist du halt perfekt eingespielt. Allerdings gibt es zu unserer Freude das von dir angesprochene Risiko einer miesen Stimmung nicht. Gefühlten Heimvorteil haben wir inzwischen auch in Hamburg, Köln, Dresden, München oder Stuttgart.

GW: Eine Sache zu Deinem Gastauftritt bei CHAMBER. Warum hast Du dort mitgemacht? Wie stehst Du solchen Zusammenarbeiten im allgemeinen gegenüber? Man hat zwar ein wenig das Gefühl es würden andauernd alle möglichen Leute miteinander was machen und dann geht es über das "plumpe" gegenseitige Remixen aber doch nicht hinaus. Würdest Du so was gerne noch öfter machen? Mit welchen Musikern?
Eric: Ich habe schon sehr viele derartige Dinge gemacht, allerdings immer nur mit Bands mit denen ich menschlich Parallelen oder Berührungspunkte habe oder/und deren Musik mir gefällt. So war es auch bei CHAMBER die ich für sehr inspiriert und einzigartig halte. Andere Beispiele sind Skyclad, Fiddlers Green, Nik Page, Grave Digger, Pain of Progress. Oft geht eine solche Zusammenarbeit mit sehr emotionalen Diskussionen einher, ich lerne eine Menge und manchmal lernen die anderen auch was von mir. Zu Remixen und Coverversionen habe ich sowieso eine ganz eigene Einstellung. Wenn das Eine oder Andere nicht mal einen Funken Kreativität aufweist, hat es auch keine Existenzberechtigung. Ich hatte am Freitag einige tolle Begegnungen, so mit ASP, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe und mit denen sich im Frühjahr vielleicht eine Zusammenarbeit anbahnt. So etwas kann natürlich immer nur gelingen, wenn SUBWAY mal ein bisschen Zeit übrig lässt - und wir haben noch große Pläne.

GW: Magst Du an dieser Stelle schon etwas über die Pläne verraten? Wie sieht die nahe Zukunft aus?
Eric: Lass uns erstmal das Jahr hinter uns bringen, die Single "Unsterblich" mit Video am 28.9., die DVD am 20.10. die Herbsttour und dann die Weihnachtstour. Danach ist wieder Zeit und Gelegenheit, den Ideen - und Inspirations- Kochtopf zu füllen, sich selbst zu befragen und vielleicht, der Welt ein neues Stück Musik zu schenken.

GW: Dann vielen Dank für das Interview und viel Spaß und Erfolg bei allem was Du/Ihr tu(s)t.

Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


Homepage: www.subwaytosally.de

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