Live-Review:


DAS ICH / ACCESS DENIGHT
04.10.2002 Kulturfabrik, Krefeld

Die Kulturfabrik ist eine dieser typischen und sehr schönen Locations, inmitten eines alten Industriegebietes, wie man sie in Deutschland des Öfteren findet. In diesem Falle ein ehemaliger Schlachthof.
Hier traten die Bayreuther Urväter des Gothic-Electro zu ihrem einzigen Konzert in NRW an, was in sofern verwunderte, da man eigentlich mit mehr Publikum rechnen sollte. Normalerweise bevölkern die "schwarzen Massen" bei solchen Events das umliegende Gelände und die dazu gehörige Stadt schon Stunden vorher, am 04. Oktober hatte man aber bis man drei Schritte vor dem Einlass war, eher den Eindruck sich verlaufen zu haben.
Die Halle und das dazugehörige Café nebst Tanzsaal, dürfte wohl gut und gerne bis zu tausend Leuten fassen, am Freitag aber wahren wohl gerade mal dreihundert da. Was zwar unnötiges Gedränge verhinderte und für gute Belüftung sorgte, den auftretenden Bands aber doch eine Träne der Wehmut ins Auge gedrückt haben dürfte.


So hatten dann ACCESS DENIGHT auch den doppelt schweren Start als Supportact zu bestreiten. Zwar lauschte das Publikum höflich und ohne sich störend bemerkbar zu machen den harten Electroklängen die von einem dreadlock bemähnten Gitarristen noch um einiges gesteigert wurden. Auch gab sich der Sänger alle Mühe, zu unterhalten, nicht nur dumm rumzustehen, die Leute zum Tanzen zu bewegen... Aber insgesamt war die Stimmung doch eher zurückhaltend. Höflicher Applaus honorierte den Gig der drei Jungs, die musikalisch ein wenig wie Sigue Sigue Sputnik klangen, durch ihre Mischung aus äußerst tanzbarer Elektronik und den manchmal bis zum heavy gesteigerten Rock'n Roll Gitarrenriffs. Die Stimme des Sängers erinnerte oft an Wall Of Voodoo und insgesamt boten ACCES DENIGHT eine gute Leistung, die aber nur hingenommen und schnell wieder beendet wurde.

Pünktlich um 22:15 war es dann soweit.
Bruno Kramm und der neue Keyboarder, welcher optisch eher wie ein Vertreter dieser Mittelalter-Rock-Barden daherkam, betraten die Bühne und verschanzten sich hinter den zwei Kranartigen, schwenkbaren Tentakeln, welche den Synthezisern Halt geben. Optisches Schmankerl: Das Bruno auf der linken Seite seine kunstvoll toupierten, pinkfarbenen Teufelshörner präsentierte, während der langhaarige zweite Mann auf der Rechten eine Dornenkrone trug.
Zu den fast schon weichen Klängen eines sanften Pianointros, von düsteren Sound untermalt, betrat dann der von einem dreifach aufgestellten Iro gekrönte Stefan Ackermann die Bühne, auf der nackten Brust eine gespiegelte "666" tragend und eher still die ersten Zeilen intonierend.
Katholische Jugendwächter aufgepasst! Die musikalischen Erben Nietzsches stehen auf der Bühne, um eine ironische, satanistische Messe zu zelebrieren und "Gottes Tod" zu deklamieren. Denn der wie ein wildgewordener Derwisch tanzende, sich verrenkende, singende, kreischende und jammernde Stefan Ackermann, der oft verwendete Satansgruß, die drei Sechsen, das alles ist pure Ironie. Und Energie. Bei DAS ICH erfahren Max und Moritz ihre Reinkarnation, als energiegeladene, böse Electro-Buben, die ihren apokalyptischen Sound, voller Wucht und vor allem mit viel schadenfrohem Spaß in das Publikum abfeuern.

Tanzbar, böse und doch amüsant. Nicht ohne Augenzwinkern, verdrehte Stefan seinen drahtigen Körper immer wieder zu den Klängen und Zeilen grimassierend, während man den Eindruck hatte, das die Keyboarder ihn durch das Schwenken der Kranarme, zu immer höheren Leistungen aufpeitschten. Natürlich durften alte Hits wie "Kain und Abel" oder "Gottes Tod" nicht fehlen, aber das Material der neuen CD "Antichrist" bildete verständlicherweise den Hauptteil des Gigs.

Immer wieder versuchten Bruno und Stefan das Publikum zum Tanzen oder gar mitschreien anzufeuern, was aber nur bedingt gelang. Eher konsumierend beobachtete das Krefelder Publikum die Bemühungen dieser charismatischen Musiker, die als eine der Wenigen, immer noch ehrlich, natürlich, offen und voller Freude ihrem Handwerk nachgehen, was Stefan auch in der Bemerkung: "Das wir alle wissen das wir ohne euch nicht hier wären!" gebührend erwähnte.

So war es dann schon fast verwunderlich, das es dieses Publikum schaffte, die Drei nach einhundertundfünf Minuten zu einer Einzigen Zugabe herauszuholen. Welche dann auf einstimmigen Wunsch in "Destillat" bestand, die Stimmung doch etwas anheizte, womit aber auch klar war das es damit gelaufen war. Denn die drei großen Erfolgsnummern von Bruno und Stefan waren gespielt worden und schnell trieben die Ordner die Leute aus dem Saal.

Wer Lust hatte konnte sich noch zu den hauptsächlich elektronischen Klängen des DJ's im Nachbarraum auf der Tanzfläche bewegen, oder darauf hoffen, das Stefan und Bruno ihr Versprechen einhielten, bei der After Show Party aufzutauchen. Ob sie es wirklich taten weiß ich nicht...
Ich musste meine letzte U-Bahn in Richtung Düsseldorf kriegen, denke aber mal das die Beiden schon ihrem Ruf als offene und sympathische Antipopstars nachgekommen sind.

Es war ein schönes Konzert, gewohnt professionell und mit viel Spaß seitens der Bands abgeliefert, das irgendwie nur ein etwas enthusiastischeres Publikum verdient hätte.
Aber Goth's sind nun mal cool und lachen nicht! *ggg*


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos von Michael Kuhlen (www.obliveon.de)