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Cruelty without Beauty    SOFT CELL: "Cruelty without Beauty"
CD (Cooking Vinyl)

Soft CellEs ist schon so eine Sache mit den Legenden. Zuerst war es nur ein Gerücht, dann nur ein paar Konzerte und nun sind sie seit fast einem Jahr ununterbrochen auf Tournee. Das man sich schon fragt, ob Marc Almond erkannt hat, das er mit seinem alten Kunsthochschulkumpel Dave Ball einfach mehr Geld verdienen kann, als mit allen noch so ambitionierten und hochgelobten Soloalben.

Es ist also da! Das neue SOFT CELL Album.
Und es ist gut geworden. Natürlich klingt Almond relaxter und abgeklärter. Sei es mal dahin gestellt, ob er wirklich einfach nur älter geworden ist, oder ob Dave der Einzige ist, der ihm Stirn genug bieten kann, sich nicht ständig schwülstig und dramatisch in den Vordergrund zu spielen. Natürlich klingen sie nicht wie vor zwanzig Jahren.

Immer noch sind zwar die SOFT CELL typischen Sounds vorhanden, die klirrenden Syntheziserpercussions, die Vorliebe für Bläser, die filigranen Arrangements. Auch wurde mit "The Night" wieder mal ein Northern Soul Song gecovert. Klingt "The Last Chance" verdächtig, beabsichtigt nach "Say Hallo Wave Goodby", oder "Sensation Nation" das schon an "Memorabilia" erinnert. Bei einigen anderen Stücken hat man den Eindruck als hätte Marc seinen eigenen reichen Fundus geplündert. So ist die dunkle Streicherlinie bei "Together Alone" eindeutig nur eine düstere Ausgabe der Streichsequenz aus "Night and no Morning".

Natürlich sind ihre Rhythmen und Sounds insgesamt moderner, aber bei Weitem doch nicht so treibend wie die alten Popnummern, aber auch nicht so depressiv, schräg wie bei "Martin" oder "Best Way to Kill". Auch wenn sie sich gelegentlich noch in die bizarren Gefilde, vergangener Avantgardenummern verirren, "Caligula Syndrom".

Soft CellInsgesamt aber klingen sie perfekter, ruhiger, mit einem Sinn für gebrochene Schönheit, der ihren Reiz schon immer ausgemacht hat, und die Wut ihrer letzten beiden Alben ist offensichtlich der Erkenntnis gewichen das Pop nicht negativ besetzt sein muss.

Auch wenn ein Knaller al a "Taindet Love" fehlt (Zum Glück wie ich sage!) und einige Hörer die Singleauskopplung "Monoculture" als eher lau empfinden werden, "Cruelty without Beauty" ist ein verdammt gutes Album, das Lust auf mehr macht, die Vergangenheit herauf beschwört, ohne das Erkennen zu verleugnen das eben doch zwanzig Jahre vergangen sind. Sollen sie sich einreihen in die Rege der Legenden, welche uns immer wieder beweisen das man in Würde altern kann, uns über Dreißigjährigen also immer wieder einen Hoffnungsschimmer geben, das wir uns noch lange nicht der Lächerlichkeit einer Midlife Chrisis ergeben müssen und vor allem sich all die jungen Hüpfer noch eine gewaltige Scheibe abschneiden können.
Ich jedenfalls bin froh das es sie wieder gibt.
Welcome back SOFT CELL !

Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


"Cruelty without Beauty"-Tracklist:

01 - Darker Times
02 - Monoculture
03 - Le Grand Guignol
04 - The Night
05 - Last Chance
06 - Together Alone
07 - Desperate
08 - Whatever It Takes
09 - All Out Of Love
10 - Sensation Nation
11 - Caligula Syndrome
12 - On An Up
     Kontakt:

www.marcalmond.co.uk

www.cookingvinyl.com

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